03. Juni 2008 Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen beschuldigt, für die globale Lebensmittelkrise verantwortlich zu sein: Sichtbare und unsichtbare Hände seien dabei, die Preise zu kontrollieren, um ihre politischen und ökonomischen Ziele zu erreichen, sagte er am Dienstag in einer Rede auf der Welternährungskonferenz in Rom.
Zudem plädierte Ahmadineschad dafür, die aktuelle Ernährungskrise außerhalb des Systems der Vereinten Nationen zu lösen. UN-Mechanismen könnten die Situation nicht verbessern, wenn bestimmte Mächte den Sicherheitsrat instrumentalisierten, sagte er. Flankiert von bewaffneten Wachmännern hielt Ahmadineschad seinen Redebeitrag auf der Konferenz. Aus Protest gegen seinen Besuch kletterten Demonstranten auf das antike Kolosseum und warfen Flugblätter herab.
Für diplomatischen Zündstoff sorgte in Rom neben der Teilnahme des iranischen Präsidenten auch der Auftritt von Zimbabwes Machthaber Robert Mugabe. Die australische Regierung kritisierte die Teilnahme Mugabes als obszön - ihm wird vorgeworfen, mit der Vertreibung weißer Landbesitzer eine schwere Agrarkrise in seinem Land verursacht zu haben.
Ban Ki-moon: Die Welt muss mehr Nahrung produzieren
Den Auftakt des dreitägigen UN-Gipfeltreffens prägten skeptische Prognosen zum Hunger in der Welt: Die Welt muss mehr Nahrung produzieren, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Dienstag in Rom angesichts der bedrohlich steigenden Lebensmittelpreise. Um die wachsende Nachfrage zu decken, muss die Nahrungsproduktion bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen.
Das Ziel des Millennium-Gipfels von 2000, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, sei nicht mehr erreichbar, räumte der Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO), Jacques Diouf, vor den Delegierten der Konferenz ein. Realistischer sei jetzt das Jahr 2150. Sein Stellvertreter Jim Butler sprach sich für eine umfassende Erneuerung der globalen Agrarpolitik aus.
Ban kritisierte die von mehreren Staaten eingeführten Preiskontrollen und Exportbeschränkungen bei Nahrungsmitteln: Das verzerrt nur die Märkte und treibt die Preise noch höher. Außerdem forderte er eine schnelle Einigung bei den Welthandelsgesprächen der WTO - diese sind wegen des Streits über die Agrarsubventionen der Europäischen Union un der Vereinigten Staaten seit Jahren blockiert.
Der UN-Generalsekretär kündigte an, dass sich eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen darum kümmern werde, die Auswirkungen der bedrohlich steigenden Preise für Nahrungsmittel in armen Ländern zu begrenzen. Dabei nannte er verstärkte Nahrungsmittelhilfen und die Unterstützung von Kleinbauern bei der Beschaffung von Saatgut und Dünger.
Benedikt: Hunger und Unterernährung inakzeptabel
Papst Benedikt XVI. sagte in einem vor der Konferenz verlesenen Grußwort, dass Hunger und Unterernährung in einer Welt mit ausreichend Ressourcen inakzeptabel seien. Millionen von Menschen schauten voller Hoffnung nach Rom, da ihr eigenes Überleben auf dem Spiel stehe. Benedikt forderte die Teilnehmer des Gipfels zu grundlegenden Reformen im System der Nahrungsmittelhilfen auf.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärte zu Beginn der Konferenz: Es ist ein Skandal der Menschheitsgeschichte, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch 850 Millionen Menschen unter Hunger und Unterernährung leiden. Die Erde könne die wachsende Weltbevölkerung ernähren, doch müssten dafür auch die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Zur Linderung der Not aufgrund der akuten Nahrungsmittelkrise hat das Entwicklungsministerium zusätzlich 23 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, zumeist für das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen.
An den Beratungen der Welternährungsorganisation (FAO) nehmen etwa 40 Staats- und Regierungschefs teil, unter ihnen der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der ägyptische Präsident Husni Mubarak. Während der Konferenz werden kontroverse Debatten über die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erwartet. Dabei geht es zum einen um den Einfluss von Subventionen und Zöllen im internationalen Agrarhandel, zum anderen um die Rolle der Anbauflächen für die Produktion von Biosprit.
Washington will an Produktion von Biosprit festhalten
Die Vereinigten Staaten und andere Staaten fördern den Trend zu Biokraftstoffen, um die Abhängigkeit vom Rohöl zu verringern. Der amerikanische Landwirtschaftsminister Ed Schafer sagte auf dem Flug nach Rom, die Produktion von Biokraftstoffen trage nur mit zwei bis drei Prozent zu dem für dieses Jahr erwarteten Preisanstieg von 43 Prozent bei. Die Hilfsorganisation Oxfam beziffert diesen Anteil unter Berufung auf Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) jedoch auf 15 bis 30 Prozent.
Nach Berechnungen der Weltbank sind die Preise für Nahrungsmittel in den vergangenen drei Jahren um 83 Prozent gestiegen. Noch höher war die Teuerung bei einzelnen Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Reis. Auf der Konferenz wird auch diskutiert, inwieweit Spekulationen an den internationalen Agrarmärkten zu dem Preisauftrieb beigetragen haben.
Text: FAZ.NET mit AFP/AP
Bildmaterial: dpa
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Stimmung in der Wirtschaft hellt sich weiter auf
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