Einzelhandel

Bio zum Discount-Preis

Von Markus Hinterberger

Bei “Plus“ zu Hause

Bei "Plus" zu Hause

01. August 2005 

BioBio ist allgegenwärtig: an Plakatwänden, in Internetportalen und anderen Schauplätzen der Werbung. Der Lebensmitteldiscounter Plus will auf den Markt für Bio-Lebensmittel, und das mit aller Macht. Rund 50 Produkte mit dem Bio-Siegel, das für die strengen EU-Richtlinien zur Erzeugung von Lebensmitteln steht, gibt es inzwischen in den Plus-Regalen. Vor drei Jahren, als BioBio auf den Markt kam, waren es gerade die Hälfte.

Dieses Wildern im fremden Terrain hat einen einfachen Grund: Während die Umsätze bei konventionellen Lebensmitteln stagnieren, werden Bio-Produkte immer beliebter. "Die Käufer wollen wieder Qualität", meint Alexander Gerber, der Vorsitzende des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Vor allem junge Familien mit einem mittleren bis hohen Einkommen und ältere Avantgardisten kauften Bio-Ware. "Es wird zunehmend eine Lifestyle-Frage."

Wachstum von 10 bis 12 Prozent

Bei 3,5 Milliarden Euro lag der Umsatz mit Bio-Produkten laut dem Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels im vergangenen Jahr. Das sind zwar kaum fünf Prozent des Gesamtmarkts, aber ein Wachstum von 10 bis 12 Prozent verzeichnet die konventionelle Lebensmittelbranche nur in Randbereichen.

Das wissen auch die Discounter: Schon jeder fünfte Liter Bio-Milch in Deutschland stammt aus einem Discounter. Aldi fehlt in dieser Statistik. Plus will schnell sein, um sich frühzeitig in diesem Wachstumsmarkt zu positionieren. Denn soviel ist klar: Wenn sich BioBio etabliert, wird es für Aldi, Lidl und Co. schwer, nachzuziehen. Die klassischen Bio-Supermärkte machen sich unterdessen noch keine Sorgen um den Angriff der "kleinen Preise". "Zu uns kommen nicht die gleichen Leute, die bei Plus einkaufen", sagt Stefanie Neumann von Alnatura.

Die Firma, die nach eigenen Angaben 117 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt, ist Marktführer in der Branche. Sie stützt sich auf Untersuchungen, die den klassischen Alnatura-Kunden als jungen Familienmenschen mit hoher Bildung und relativ hohem Einkommen beschreiben. "Diese Leute sind bei Plus eher selten anzutreffen", sagt Neumann.

BioBio-Werbung nutzt allen

Ähnlich sieht es die Münchner Basic AG. "Wir beobachten die Aktivitäten der Discounter, sehen aber bislang noch keinen Grund zu reagieren", sagt Basic-Sprecher Josef Spanrunft.

Er freut sich sogar, daß Plus nun so massiv Werbung für sein Bio-Label macht. "Bio-Produkte werden dadurch allgemein bekannter, was natürlich auch für uns gut ist." Außerdem biete Plus bislang nur ein kleines Sortiment an. "Dort finden Sie 50 Artikel mit dem Bio-Siegel, bei uns zwischen 5000 und 8000."

Bio ist nicht gleich Bio

"Bio ist heutzutage auch nicht gleich Bio", sagt Harald Seitz vom Verbraucherservice aid. Das von Verbraucherschutzministerin Renate Künast 2001 eingeführte Bio-Siegel stehe zwar für strenge EU-Kriterien, daneben gebe es aber noch andere Siegel wie "Demeter" oder "Bioland", die noch detailliertere Auskünfte vom Erzeuger verlangen und striktere Regeln haben. Diese seien wiederum nur bei den klassischen Bio-Läden zu finden.

Doch etwas trübt den Himmel über der heilen Bio-Welt. Das Künast-Siegel garantiert zwar bestimmte Standards, aber nicht die Herkunft. "Für die deutschen Öko-Bauern kann es eng werden, wenn die Discounter im Ausland einkaufen", sagt Alexander Gerber. In Österreich sei Bio-Milch wegen hoher Subventionen billiger.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.07.2005, Nr. 30 / Seite 34
Bildmaterial: F.A.Z. - Dieter Rüschel

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