Mit Verlaub, warum halten Sie es für zwingend erforderlich, dass ein CEO mehr als 8 Stunden am Tag arbeitet? Ist er nicht in der Lage, wichtige Aufgaben zu delegieren?
Mal ehrlich: Ist das Berufsbild vom gestressten Manager nicht gewollt herbeigefürt, um gewisse monetäre Leistungen zu rechtfertigen? Ich war 25 jahre lang Manager, allerdings aus 2. Reihe, und kann Ihnen versichern, dass die Gepflogenheit der 1. Reihe, sich um jeden Scheißdreck selbst zu kümmern, nur zu Störungen im Betrieb, Mißverständnissen, inkompetenten Entscheidungen, zu - am Allerschlimmsten - dem Mächtigen gefälligen Entscheidungen führt.
Stellen Sie sich vor, als mittlerer Manager, ständig zwischen der Loyalität zum obersten Chef und der Illoyalität eigener Mitarbeiter, die dem Obersten in den Allerwertesten kriechen wollen, zermürbt zu werden...
Es ist absoluter Schwachsinn, dem Ego-Zentrismus eines CEOs die Effizienz einer Firma zu überlassen. Die Verantwortung sollte demokratisch (d.h. mit Stimmabgabe und ohne verpflichtende Einstimmigkeit) auf mehrere Köpfe verteilt werden.
Stellen Sie sich vor, ein CEO sei Scientologe und erhielte aus den USA den Befehl, ein gut verdienendes Unternehmen zu zergliedern. Und gerade Sie sind betroffen! FFM...
...mehr als 120 Stunden die Woche arbeitet, sollte er ein Gehalt bekommen wie ein CEO. Wenn er nur ein Drittel davon arbeitet und noch weniger arbeiten will (Stichwort 35 Stunden-Woche), sollte er das Wort Leistungsträger nicht pauschal in Frage stellen, in den allermeisten Fällen ist es nämlich angemeldet. Und Japan ist nunmal mit unserer westlichen Kultur lange nicht so vergleichbar wie die USA und unsere Nachbarländer - und da sind die gehälter nunmal vergleichweise _niedrig_. Egal, ob alle die Sozis wählen. Und wer die Manager beneidet: Wären SIE bereit, ihr gesamtes Privatleben zu opfern? Was müsste man ihnen zahlen, damit Sie bereit wären, ihre Liebsten nur noch die Viertelstunde vor dem Einschlafen zu sehen und am Sonntag? Damit sie nur noch ein paar Stunden schlafen und den Rest der Zeit im Büro verbringen? Denken Sie einmal darüber nach. ich persönlich fände ein CEO-Gehalt nicht zwangsweise fürstlich, wenn ich dafür die besten Jahre meines Lebens komplett opfern müsste.
... an die Lohnentwicklung bei den anderen Arbeitnehmer in diesem Land: Lohnerhöhungen auf breiter Front sind in Deutschland nötig und möglich. Die Entwicklung bei den Vorstandsgehältern macht es vor.
Ghosn sagte in einem Interview (Timeasia: Suchworte – Ghosn Manager Worker Japan USA timeasia): „So I would give a plus to frontline Japanese workers and a plus to America for its executives.“
Hintergrund ist, daß Manger in Japan abnicken, was die 2. und 3. Reihe an Vorschlägen vorbereiten. Manger in traditionellen japanischen Firmen erhalten zwar geringere Entlohnung als westliche Manager, aber ihr Ehrenplatz auf dem Firmenfriedhof ist schon reserviert, sie leben in der Firmenfamilie als Repräsentanten. Außerdem haben sie ein fast unbegrenztes „entertainment budget“ zur freien Verfügung, dessen Verwendung auch vom Finanzamt de facto nicht geprüft wird. In international tätigen Unternehmen ändert sich der Status des CEO derzeit dramatisch, aber auch dessen Gehalt und zunehmend wird Gewinnbeteiligung eingeführt. In 3 bis 4 Jahren wird ein direkter Vergleich der Managergehälter frühestens möglich sein. Die Gehäler der 2. und 3. Ebene sind aber schon heute durchaus vergleichbar (in PPP gemessen).
Wenn die Unternehmen florieren (und, nebenbei gesagt, des Staat tut es nicht), frage ich mich: Wer baute das siebentorige Theben?
Und als die Unternehmen rote Zahlen schrieben, wurden die Führungsspitzen persönlich zu Kasse gebeten, oder nicht eher Teile der Belegschaft "freigestellt"?
Es ist übrigens nicht schwer, ein Unternehmen auf Zeit zu sanieren: Nach bewährter Heuschrecken-Methode kündigt man Massenentlassungen an, die Aktie steigt, der Manager kassiert seine Stock Options und die Sechsmonatsergebnisse sind gut. Wenn es dann Probleme gibt, kann man immer Betriebe auslagern, Klausenburg scheint eine schöne Stadt zu sein, und billig obendrauf.
Sehen wir uns diese typischen Zahlen an, dann wird bei minimalem Nachdenken schnell klar, dass Herr Zumwinkel vermutlich 10 Jahre lang weniger als 10% seines Einkommens nicht versteuert hat, also im großen und ganzen enorm viel Steuern zahlte. Das Theater und die Empörung darüber ist wohl mehr als überzogen. Der Mann hat immer noch sehr viel mehr für seine Nutzung der gleichen aus diesen Steuern finanzierten Infrastruktur ausgegeben als 10 von uns, obwohl er dafür wohl kaum mehr benutzt hat. War das gerecht?? Sozial ist per Definition nicht das selbe wie gerecht, was gerne in unserer Neidkultur vergessen wird.
"Im internationalen Vergleich liegt Deutschland trotzdem nur im unteren Mittelfeld".
Das klingt doch nicht schön! Wie wäre es mit: "Von der deutlichen Kostensteigerung im Führungsbereich war im vergangenen Jahr auch die deutsche Wirtschaft betroffen. Zwar liegt die Kostenstruktur immer noch weitaus günstiger als etwa bei amerikanischen Unternehmen; jedoch ist angesichts der dramatischen Steigerung der Ausgaben für Führungskräfte im vergangenen Jahr, die 500% über dem Wirtschaftswachstum lag, davon auszugehen, daß die Bundesrepublik ihren Kostenvorteil in diesem Bereich ohne Gegenmaßnahmen nicht mehr halten werden kann."
Zu Herrn Heimes: Ich stimme Ihnen im Grundsatz zu. Wie gesagt, im Grundsatz. Es ist nämlich nicht so, daß das Vorstandsgehalt marktgerecht durch Angebot und Nachfrage mit Blick auf den generierten Mehrwert ermittelt wird. Vielmehr wird das Vorstandsgehalt durch den Aufsichtsrat bestimmt. Dieser soll zwar im Interesse der Eigentümer des Unternehmens, d.h. der Aktionäre handeln; jedoch bestehen die meisten Aufsichtsräte aus Personen, die entweder selbst im Vorstand sitzen oder auf beruflicher oder gesellschaftlicher Ebene viel mit diesen Vorständen zu tun haben. Principal-agent-Problematik nennt man das...
Die Freunde in den Dax Vorständen haben eins gemeinsam, sie sind in der Regel Angestellte der Unternehmungen, haben somit überhaupt kein Risiko an der Entwicklung der Unternehmen die sie beschäftigen. Dies sollte dieser "Elite" bewusst gamacht werden. Die hohen Saläre sind somit selbstgänger einer Kaste von "Oberkrämern" die sich selbstverständlich aufgrund ihrer Machtposition munter selbst bedienen.
Der Mehrwert der Unternehmen wird im Erfolgsfall von allen erwirtschaftet, eben nicht allein von Vorständen, die jede Endscheidungsfindung von einem Heer von gut dotierten Beratern, a la Mc Kinzey, absichern lassen.
Geht es gut feiert man sich auf Hochglanzmagazinen als Manager des Jahres o.ä. geht es schief werden halt ein paar Leute entlassen. Wozu also diese Gehälter?
Elite sind anders, sie nehmen auch persönliches Risiko als Unternehmer, sie arbeiten in der Forschung und Medizin, als Ingenieure in der Entwicklung.
Der internationale Vergleich hinkt ohnehin, warum vergleicht man sich nicht mit Japan.
Demut ist angesagt!
blendet auch hier wieder ganz gezielt Japan aus. Nach den Kriterien, nach denen hier und im angelsächsischen Raum die Managergehälter beurteilt werden, müsste Japan ein drittklassiges Entwicklungsland sein. Ist es aber nicht. Wie kann das sein?
Am interesantesten sind immer noch die Dinge, über die nicht gesprochen und berichtet wird.
Klippschule. Worin rechtfertigt sich hohes Einkommen? Grundsätzlich aus dem Mehrwert, den ein Mensch schafft. Im marktwirtschaftlichen Modell auch noch aus dem tatsächlichen oder eingebildeten Nutzen, den seine Arbeit für andere hat.
Aus der größeren Redundanz (inklusive ihrer Automatisierbarkeit) von 'normaler' Arbeit im Vergleich mit der 'Geistesarbeit' der Eliten und dem Kapital ergibt sich im Marktmodell zwingend ein Einkommensvorsprung für das (Geist-)Kapital.
Nun ist es aber so, daß die Leistung, ob Mehrwert, ob Nutzen, in aller Regel von ihrem Ersteller trotzdem nicht in Alleinregie abgegeben werden kann. Der Erfinder kann seine Erfindung nicht allein in Produktion umsetzen, der Manager das Unternehmen nicht allein führen. Es braucht zusätzlich die 'normale' Arbeit. In Klartext: ohne die Müllmänner, so austauschbar sie sind, ersticken wir in unserem eigenen Dreck. Siehe Neapel.
Das ist alles nun überhaupt nichts Neues, deswegen sagte ich ja: Klippschule. Von einer mehrheitlich als 'gerecht' empfundenen Lösung entfernen wir uns im Zeichen der Globalisierung des Marktkapitalismus derzeit jedoch immer weiter. Der Fall Zumwinkel ist nur ein Symptom dafür. Auf der anderen Seite wächst das Bewußtsein für diese Zusammenhänge.