
Ihr Beitrag ist super.
Es fehlt nur noch der Hinweis, daß die Kirche das Volk schon seit Jahrhunderten unterdrückt hat, z.B. mit Mitteln der Beichte, Inquisition usw.
Harry

Unabhängig von der Frage, ob man den Nazis die Definitionshoheit über die Semantik der Deutschen Sprache überlassen darf: Die Reaktionen auf das Wort "entartet" von Meisner ist mehr als nur "Mangel an Wohlwollen". Es ist eine Hetzkampagne rüdester Art, und das unter dem Deckmäntelchen "demokratische Pluralität": Hier haben Leute, die etwas gegen Meisner suchten, nach Art der Stasi eine Aussage des Kardinals zu gottloser Kultur, in einer Demagogiekampagne veerwandelt, die ihresgleichen sucht. Wer die Rede gelesen (oder übers Internet gehört) hat, der schüttelt nicht nur den Kopf über die arroganten Möchtegernmoralisten, die auf Fragen von Journalisten in einer Art pawlowschem Reflex die Gelegenheit für Verunglimpfungen von persönlichen Intimfeinden nutzen. Der muß auch feststellen, daß diese Damen und Herren (heißen sie Rot oder Giordano oder anders) keine Ahnung haben, was der Kardinal gesagt hat (z.B. wenige Sätze zuvor zur Menschenverachtung der Nazis, die aus ihrer Gottesverachtung erwachsen ist). Um unsere Kultur kann einem da nur Angst und Bange werden: Sie scheint jetzt schon entartet und das ganz ohne Nazis!

Herr Minkmar, weder Katholik noch gläubig, glaubt, er wäre ein besserer Kardinal als der Herr Meisner. Sollte die Stelle frei werden, kann Herr Minkmar sich ja bewerben. Allerdings wird er auf harte Konkurrenz stoßen, nämlich auf den Autor dieser Zeilen. Denn es gibt noch noch bessere Argumente als die, die Herr Minkmar zur Unterstützung des anscheinend hilflosen Kardinals ins Feld führt:
Man könnte argumentieren, dass gerade diejenigen, die sich von den Nazis die Wortwahl diktieren lassen, den Nazis noch hörig sind! Das Wort "entartet" ist älter als die Nazis. Dass Kardinal Meisner damit etwas anderes gemeint hat als die Nazis, können auch seine Kritiker nicht ernsthaft bezweifeln. Wozu also die Aufregung? Tiefenpsychologisch lässt sie sich einfach erklären: man will sich nicht mit dem unbequemen wirklichen Inhalt der Äußerung des Kardinals auseinandersetzen, man hat ja etwas Angst vor der Kirche, die z. B. gegen etwas so schönes wie Sex ohne Verantwortung ist, und so stürzt man sich auf die Wortwahl des Kardinals und darf nun sehr empört sein, denn auch die Nazis haben dieses Wort benutzt. Wer dieses Argument ernst nimmt, sollte gar kein Deutsch mehr sprechen, denn die Nazis haben noch andere deutsche Wörter benutzt!

und nicht jeder Begriff muß gleich eine Assoziation mit den Nazis hervorrufen. Was damals geschehen ist, kann ein klar denkender Mensch nicht gut heißen. Aber wo bitte bleibt der Aufschrei über die vielen Verwerflichkeiten in unserer Zeit? Ist Abtreibung nicht zum Massenmord geworden? Sex und Ehescheidung zum Volkssport? Pornographie und Gewalt nicht nur unter der Jugend an der Tagesordnung. Darüber sollte man sich bitte schön beschweren und auch wirklich was dagegen tun.-

Sehr bedeutend, daß der Kommentator nicht glaubt.