
Öffentliche Kulturförderung geht zumeist an die Erhaltung und Pflege von alten Werken; um Neues zu ermöglichen bleibt wenig Geld übrig. Auch in Frankfurt (vgl. FR v. 28.5.: Interview Martinez). In der „ZEIT” (Nr.2/08) meinte der Historiker Philipp Blom „Schafft die Museen ab!“ Viele „Kunst“-Manifestationen sind es nicht wert, gesammelt zu werden. Eine Museen-Pauschal-Verdammung ist absurd; geeignetere nicht-konservative Kuratoren (ohne Sammler/Händler-Verbindungen!) müssen angestellt werden. Beispielhaft für „die letzten Zuckungen einer ideenleeren Avantgarde“ ist das BUERGELiade-Scheitern (Internet: „Verrisse-Mahnmal“). Die Macht der Macher des heutigen Kunstbetriebs gilt es zu transformieren, zu unterminieren: durch eine reformierte, NICHT-private neue (seriöse) öffentliche Museums-KULTUR. Verschwinden muss die Dominanz der „Ewig-Gestrigen“ aus der „Kunst“-Vermittlung - NICHT das Museum! Im Internet sind als „Leitbild“ Kriterien („Indikatoren“) für die Leistung von subventionierten Kulturinstitutionen aufgeführt: „Quantitative Kriterien“ (wie Ausgaben/Einnahmen, Subvention, Publikumsfrequenz) und „Qualitative Kriterien“ (wie Resonanz, Relevanz, Innovationsbereitschaft, Engagement, Professionalität). Siehe www.kulturblog.ch !

Dafür, dass in der MMK-Sammlung (einseitig) raumbezogene Kunst - Installation und Performance - den Museumsraum zurückerobert habe, lobt Julia VOSS Herrn Kittelmann. Die Gemäldegalerie Städel will laut Sammlungsauftrag zukünftig „Gegenwartskunst“ für ihren Erweiterungsbau erwerben: DZ-Bank-Bildgeschenke (Fotografien-Kunst wie im MMK) sowie Roehr- und Bayrle-Arbeiten wurden (einseitig) neu erworben. VOSS rät, zeitgenössische Kunst sollte bei aller Vielfalt (nicht Einfalt, Orientierungslosigkeit !) schwerpunktartig durch „Spezialisierung“ der Häuser ausgestellt und gesammelt werden. Für Museums/Ausstellungs-Politik sollte gelten, was für Schulpolitk angesagt ist. Für Kunstförderung/Sammlungspolitik sind (objektive) Kriterien (analog PISA & IW-Evaluation) gefragt. Die Häuser in Frankfurt sollten (im Vergleich) aus Expertensicht begutachtet werden: nach kunstpolitischen Zielen, Qualitätssicherung, Systemmanagement, Museumskultur z.B.. So könnten sich Wege aus der Qualitäts-Krise der KUNST (samt Anti- und Nicht-KUNST-„Kunst“) weisen und die ästhetische Werte-Debatte (auch zur d 13) belebt werden. Die Museen sollten „stärker auf gute Erkenntniskunst setzen“ fordert H. Rauterberg und sich von Sammler- und Händlerinteressen befreien!

Julia VOSS kritisiert die Kulturpolitik (Museumspolitik) in Frankfurt und zitiert Probleme der Sammlungspolitik. Dass die Sammlung des Museums für Moderne Kunst (MMK) „als Spätfolge von Jean-Christophe Ammanns Amtszeit einen Verlust von fünfhundert Werken verkraften musste“ (durch Bocks temporäres wertsteigerndes Einlagern im Museum) verwundert nicht; siehe Berliner Fall Marx & Bastian. Um Gegenwarts-KUNST zu fördern (gemeint ist hier nicht Anti- und/oder Nicht-„Kunst“!) bedarf es keines Paktes mit Sammlern und Händlern von „Kunst“ (Privat-Kuratoren und deren immer gleichen protegierten „Stars“). Der institutionelle Kunstbetrieb sollte sich vom Markt mit seinem fragwürdigen „Kunst“-Geschmack emanzipieren und unabhängig werden. Zu loben ist, dass die Frankfurter (demokratisch-pluralistisch) für „Vielfalt der Kunst, Vielfalt der Museen, Vielfalt der Ausstellungen“ plädieren. Erfreulich, dass VOSS (jvo, JG 1974) in ihren Artikeln/Rezensionen Autoren/Fachbegriffe der Evolutionstheorie in die Kunst-Debatte einführt: Darwin, Haeckel, Mayr – „Metaphern“ wie Evolution, Selektion, Mutation, Konkurrenz, Umwelt, Nischenbildung, Symbiose etc. „ernst“ nimmt! Transdisziplinarität! Weiter so PRO Evolutionäre Ästhetik als Erkenntnis-Ästhetik!

Auch auf dem Flohmarkt gibt es Vielfalt. Die Akzente sind es, die Qualität ausmachen. Kulturpolitik setzt diese Akzente - wenn sie denn will. Wie es scheint, zur Zeit eher mit Schlagseite Richtung etabliert, zugänglicher, umsatzträchtig, Sicherheit - weniger in Richtung Experiment, Reibung, Widerstand, Risiko. Ohne Mut lässt sich keine gute Kulturpolitik machen.