
kommt mir der Artikel ein wenig Spies(s)...bürgerlich vor. Ist es, weil so viele Zeilen geschunden wurden? Oder, weil die kafkaeske Rätselhaftigkeit wie ein Ozean aus Glas in den Kopf des Autors eingebrochen ist und eine feierliche Profanität ausgelöst hat? Ich weiss es nicht. Ach, mir ist das alles zu bunt mit diesem esoterisch kafkaesken Hufgetrappel einer verblasenen Kunstbetrachtung. Ich ziehe die alte Fehlstelle vor und weigere mich, des Kaisers Kleider zu erschauen, wenn er doch nackt ist.

Würde jeder das Fenster verstehen oder würde es jedem gefallen, wäre es keine Kunst mehr, sondern nur noch handwerklich sauber gemachte Dekoration. Von daher sollte man die Kritiker des Fensters (inclusive Meissner) nicht zu ernst nehmen.
Und zum Argument derjenigen, deren Kinder das auch gekonnt hätten: Das ist wie mit dem Ei des Kolumbus. Wenn man erst einmal gesehen hat, wie es geht, dann kann man es plötzlich auch selbst! (Als Kinder haben wir immer über die in der Schule hängenden Kopien nach Picasso gesagt: Dat kann isch aber auch!)
Uns was die Biblia Pauperum angeht: die weitaus größte Fläche der Fenster des Kölner Doms, und zwar der mittelalterlichen wie der des 19. und 20. Jahrhunderts, ist ornamental verglast. Damit reiht sich das neue Fenster sehr schön in die vorhandenen ein. Besuchen Sie doch mal den Dom und gucken Sie genau hin!

Zu den hier angeführten zum Teil - mit Verlaub - saudummen Kommentaren möchte ich mich gar nicht äußern.
Allerdings ist es ein Irrtum, die Fenster in den gotischen Kathedralen seien im Anliegen der "biblia pauperum" gestaltet worden. Im Gegensatz zur Renaissance, welche aus ästhetischem Interesse detaillierte Bildszenen in den Vordergrund stellte, war die Gotik viel mehr einer eher dynamischen Bildkomposition verpflichtet. Die großartigen gotischen Kathedralbauten wurden als reine Lichträume gestaltet, die eben nicht dazu verführten, an einer detaillierten Darstellung biblischer Szenen hängen zu bleiben.
So auch hier: Als nach der Benediktion Weihrauch im Dom emporstieg, brachen sich darin in einem tanzenden Spiel alle Farben des neuen Fensters. Ein grandioses Lichtspiel! So müssen mittelalterliche Menschen die Kathedrale erlebt haben. Ein Raunen ging durch den Dom und mir kam spontan der Gedanke: "Zum Niederknieen!"
Damit ist das 20. Jahrhundert in diesem Dom zu einem guten Ende gekommen! Finanziert wurde das Fenster von 1200 Spenden. Die hier peinlich zitierten Steuercents können also, so sie denn von den Kommentatoren noch entrichtet werden, für andere wichtige kirchliche Aufgaben verwendet werden.

... Wer heute noch derlei im Munde führt, denunziert sich selbst.
Wie sagte noch Arnold Schönberg: "Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen".

..., dass die Leser der FAZ einen so naiven Kunstbegriff haben? Dahinter steckt immer ein kluger Kopf - von wegen. Das Fenster Richters ist durchaus nicht auf den - zugegeben - etwas verquasten und verschwurbelten - Artikel von Herrn Spies angewiesen, sondern wirkt direkt emotional und sinnlich erfahrbar. Und was soll an einer intellektuell unterfütterten Deutung, ja was soll eigentlich an einer intellektuellen Kunst so furchtbar schlimm sein? Muss man immer alles verstehen? Ist der Grad des Verstehens von jedermann wirklich der Maßstab der Kunst, darf er es sein? Wer diese Frage bejaht, wird sich im sozialistischen Realismus des anderen Deutschlands wohl gefühlt haben, und was dabei teilweise künstlerisch herausgekommen ist... naja.
Am schlimmsten ist das Totschlagargument der Kosten - wie gründlich die Leute, die sich auf dieses notorische Scheinargument berufen, den Artikel durchgelesen haben, in dem ausdrücklich mitgeteilt wird, dass Richter auf das Honorar verzichtet hat, desavouiert sie gleich selbst: Wer mitreden will, soll erst einmal den Artikel aufmerksam und vor allem ganz durchlesen. Ach übrigens: Dieses "Das hätten meine Kinder auch gekonnt" tönte schon damals durch die Hallen der Ausstellung "Entartete Kunst".

Dass ich nicht lache! Wer die Bibel nicht kennt - und das ist heutzutage leider die Regel - wird mit figürlichen Darstellungen auf Kirchenfenster absolut nichts anfangen können.
Ach ja, noch etwas: Richter hat für seinen Entwurf kein Geld genommen. Und darüber hinaus ist er ein begnadeter Handwerker.

Das hat der Künstler auch sehr geschickt gemacht. Indem er dem Betrachter sinnvolle Formen vorenthält, lenkt er automatisch den „Blick“ auf sich und auf sein übriges Werk. Ich finde, daß in der sakralen Kunst der Künstler immer sehr weit hinter das Werk zurücktreten sollte. Deshalb tendieren die sakralen Kunstwerke auch normalerweise sehr stark in Richtung Kunsthandwerk. Beim Betrachten des Fensters denkt man eben nicht zuerst :“Ah wie schön: der Erzengel XY...“, sondern man denkt „Oh, da ist ja das Richter-Fenster...“. Kurzum: das bürgerliche Kunstwerk hat in der Kirche nichts verloren. Die Ausgestaltung des Kirchraumes ist die Sache von Handwerkern. Dem bürgerlichen Künstler gebührt die städtische Galerie. (nicht vergessen werden sollte auch, daß ein Computer in Wirklichkeit keine Zufallszahlen erzeugt, sondern daß diese Zahlen berechnet sind, sog. Pseudo-Zufallszahlen. Wir können daher auch darin nicht etwa göttliches Wirken erkennen.)

Mit nicht enden wollendem wichtigtuerischem Wortgeschwurbel erklärt Spies die Welt der Farben. Ein von einem Zufallsgenerator erzeugtes (zwar vom Künstler korrigiertes) Werk so verquast interpretieren zu wollen, entbehrt nicht einer gewissen Arroganz. Etwas mehr Duchampsche Reflexion, Herr Spies!!

Ich habe vor etwa einem Jahr eine Führung durch's Freiburger Münster mitgemacht, und der junge Mann hatte uns unter anderem die Bedeutung der bunten Glasfenster erklärt, die zu einem wesentlichen Teil darin bestanden hatte, der des Lesens und Schreibens unkundigen Bevölkerung Geschichtn aus dem Evangelium nahezubringen.
So sieht man Christus auf dem Thron, Maria und Josef mit dem Kind in der Krippe, Darstellungen von Heiligen, die den Menschen als Vorbild dienten (heute sind das die Pop-, Porno- und Medienstars) und die Wappen der Zünfte, die Geld für die Herstellung dieser teuren Fenster bereitstellten.
Heute, so denkt man, benötigt man keine Biblia Pauperum, da wohl jeder mindestens eine Bibel bei sich im Regal stehen hat und fleißig darin liest. Denkste! Die Bibel wird von den meisten nicht gelesen, aber beim Münsterbesuch wird um die Wette photographiert und die Ergebnisse zu Hause nochmal am Computer angeschaut. Was für eine unglaubliche Gelegenheit, wenigstens die elementarsten Grundbegriffe des Evangeliums wieder in die Seelen der Menschen zu pflanzen!
Aber aus solchen Fenstern, wie sie hier eingesetzt wurden, läßt sich keine Botschaft mehr entnehmen geschweige denn in Menschenseelen etwas einpflanzen.

Obwohl Grün eine Mischfarbe ist, hat er es, als „Ausdruck des Lebens“, einfach zur vierten Primärfarbe erklärt.
So heißt es im Artikel. Nun mischt zwar der Maler auf seiner Palette aus Gelb-Rot-Blau alles andere, wenn er will.
Aber das ist die subtraktive Farbmischung. In der additiven Farbmischung - aus verschiedenfarbigem Licht - sind es Rot und Blau und: Grün, aus denen alles abgeleitet ist.
Und zwar nicht willkürlich oder zufällig, sondern weil das menschliche Auge überhaupt nur Rot und Blau und Grün unmittelbar wahrnehmen kann, den Rest denkt sich das Gehirn.
(Ich bitte alle Naturwissenschaftler um Nachsicht für die Vereinfachung…)
Für Grünstufen ist das menschliche Auge sogar sensibler als für rote oder blaue Nuancen.
Also: Ganz so revolutionär ist die prominente Verwendung von Grün durch Richter vielleicht auch wieder nicht.
Aber das nur als allgemeine Besserwisserei; die künstlerische Kraft des neuen Fensters werde ich gleichwohl gern auf mich wirken lassen, im Dom zu Köln.

Diese ,Fensterchen' ist pillepalle.
So eine Farbzusammenstellung kann jeder Computer machen oder auch meine Kleinkinder zu hause. Nach getaner Zusammenstellung können wir dann alle beliebig viele hochtrabende und geschwätzige Interpretationen uns einfallen lassen, möglichst mit geschraubten Schachtelsätzen und schwer verständlich....
Könnte die FAZ mal bitte offiziell beim Dombauamt in Köln in Erfahrung bringen, wieviel meine katholische Kirche dafür gezahlt hat und könnte die FAZ bitte diese Zahlen veröffentlichen. Danke im voraus.
Ich möchte der Dombauhütte an dieser Stelle meine Gestaltungsvorschläge für weitere Glasfenster unterbreiten, und verzichte dabei auf jegliche finanziellen und juritischen Ansprüche: GELBE, ROTE und BLAUE Dreiecke / Vierecke / Vielecke ( Vielecke machen sich gut - sind vieldeutig) in der Farbzuammenstellung des Fernsehens der DDR II Farbskala.

Seit Kunst nichts mehr mit Können zu tun hat, wurde sie vom Kommerz übernommen, und Heerscharen von Kunstverbrauchern und nichtskönnenden Kunstkritikern laben sich an einem Gemeinsamkeitsgefühl, bei dem schließlich nur die Kunstbezahlenden die Dummen sind, in diesem Fall wohl wieder einmal die Steuerzahler.
Die Schönheitschirurgie an unserer unmittelbaren Umwelt hat mit diesem Kunstereignis wieder einmal einen Höhepunkt erreicht. Warum müssen den künstlichen Brüsten, den glattgezogenen, ausdruckslosen Gesichtern auch noch den Werken von Generationen derart abstoßende Fassaden verpaßt werden? Das wirkt wie die Zauberflöte in der Waschkaue.
Wer mal an seinem PC ein digitales Foto soweit vergrößert, daß einzelne Pixel sichtbar werden, stellt genau diese Kunst her, nur eben unentgeltlich.
Doch bei 'richtiger Kunst' geht es nicht um das Werk selbst, sondern um Namen, um flüchtigen Zeitgeist und um flüchtiges Geld.
Wenn genau dies zu zeigen die Absicht der Beteiligten ist, hat die Kirche in der Tat den Nagel auf den Kopf getroffen; denn selten wurde die Ästhetik eines gotischen Kirchenfensters so sehr verfremdet wie im vorliegenden Fall. Verfremdung im Brecht'schen Sinne wirkt aber in einer historisch gewachsenen Kirche abstoßend.

Offener Brief an Herbert W. Franke via FAZ.NET
Sehr geehrter Herr Herbert W. Franke,
die deutsche Malerzunft hat Ihnen zum 80. Geburtstag nachträglich ein Geschenk gemacht. Ihr berühmtester und teuerster Maler Gerhard Richter hat im Kölner Dom ein Glasfenster enthüllt, dessen Gestaltung er mit dem Computer geschaffen hat. Also, ein Fenster, das zu Recht der Kunstgattung „Computer Art“ zu geordnet werden kann.
Welche Tat könnte besser unterstreichen, dass Sie mit Ihren Visionen und Prophezeiungen Recht hatten.
Was einen Wermutstropfen in Ihre Freude bringen kann, dass ist die Sturheit des Kritikers Werner Spies, der partout nicht zugeben will, dass es sich um ein Werk der Computer-Kunst handelt. Er übersieht bewusst, dass diese Form der Rasterbilder eines der typischsten Symbole der frühen Computerkunst waren.
Nun gut, dass wird die Betrachter des Kirchenfensters nicht daran hindern – egal was Spies schreibt – dieses Rasterbild der Computerkunst zu zuschreiben.
Ich empfinde Hochachtung vor Richter, der sagt: Das Werkzeug war der Computer. Das von einem ehemaligen Professor der Malerei zu hören, ist schon eine größere Revolution.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Ruhrpott
Maxim Pouska

Sehr geehrter Herr Neef,
wo immer es so viele Worte braucht, um jemandem etwas zu erklären, stimmt etwas nicht. Da stimme ich vollkommen mit Ihnen überein. Hier ist der Beliebigkeit der Interpretation Tür und Tor geöffnet. Wem fällt außer Nietzsche und dem Kubikwürfel noch etwas ein? Wie wärs mit Wagner, George oder doch Thomas Mann? Goethe? Schiller? Schopenhauer? Kant? Im Bauchladen des deutschen Interpretators finden sich viele bunte Dinge, die auf viele andere bunte Dinge - solange man sie nur oft genug wendet - gewiss irgend einen Bezug finden. Also alles bezeihungslos? Oder wie?

Warum muß man bei so vielen Werken zeitgenössischer Kunst immer erst Essays von biblischen Ausmassen kennen, ehe man versteht, was "hinter" dem zu sehenden/zu hörenden Werk steht? Wenn man ein Kunstwerk nicht in seiner Grundaussage ganz einfach als ganz einfacher Mensch erstmal ohne alle "Hilfsmittel" zum. erahnt, dann hat m.E. der Autor sein Handwerk (oder wen. sein Thema) verfehlt. Das sage ich ganz bewußt als Künstler. Ich habe mir erst Richters Fenster-Bilder hier im Beitrag angesehen und fand, dass die, hat man Vorbilder europäischer Kirchenfenster im Hinterkopf (was sich ja durchaus aufdrängt) völlig banal wirken: Wie ein Fernsehtestbild oder dieser ungarische Zauberwürfel. Nach Lesen des Artikels ahne ich etwas von Richters Intention. Warum aber kann das opus nicht einfach für sich selbst sprechen?
Warum müssen Kunstkritiker immer wieder ihre eigentliche vermeintl. Wichtigkeit in viel zu langen - mit viel zu vielen gebildet wirken sollenden verquasten Wortformeln aufgeblähten - Artikeln beweisen wollen? Hier hat sich m.E. eine unselige elfenbeintürmige und eigentl. arrogante "Kunst"-Sprache verbreitet. Auch über Kunst, werter Herr Spies, kann man ganz einfach schreiben - ich habe das selbst schon oft versucht.