Die „schwarzen Messen“ von „Regisseur“ Nitsch werden neben A. Rainers Werk (mit Malerei vernichtenden Übermalungen), als „wichtigster Beitrag Österreichs zur Kunst der Gegenwart“ (K. Ruhrberg) gedeutet. Theatralische „Beerdigung“ der Malerei gehört auch zur Ideologie Nitschs: Malerei wird zum Verschwinden gebracht durch Ertränkung des Bildraumes mit Blut und Tiergedärm; im „O.-M.-Theater“ durch Opfer-Aktionen wie Tierschlachtungen, die angeblich auf eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft hinwirken. Nitschs Aktionen mit Tieropfern und Weihen sollen an archaische Kultrituale erinnern. Der Wiener „Aktionist“ war als „Künstler“ auf der Documenta 5 (1972) und 7 (1982) vertreten und konnte von 1971 bis 1989 an der Städelschule Frankfurt „lehren“. „Kunstszene“-Vertretern der 60iger Jahre imponierten zur „Kunst und Revolution“ Happenings mit dem Absingen der Bundeshymne beim Onanieren in der Wiener Uni, Piss-Aktionen u.ä. Nitsch wurde wegen seiner Tier-Blut-Aktionen immer wieder ins Gefängnis gesperrt, musste in die BRD flüchten. Nichtsdestotrotz bekam Nitsch als „Künstler“ 2005 den Großen Österreichischen Staatspreis, weil er „in seinem Werk grundlegende Fragen des Menschseins thematisiert"! „Kunst“-Vermittler applaudier(t)en.
Die BUERGELiade stellte im d12-Magazin Nr. 2 dar, dass es auch um das „bloße Leben“ (Agamben-Begriff) gehen sollte. Als ehemaliger Sekretär des Blut-Aktionisten Hermann Nitsch, der endloses blutiges „Orgien Mysterium Theater“ liebte, versuchte „Drama“-Macher Roger M. Buergel als Ober/Über-„Künstler“ vergeblich die d12 zum „Mysterium“ zu erheben: Sein temporäres 3,5-Mio.- „Luftschloss“ in der Karlswiese nannte er „Kathedrale“ und „Bodenskulptur“. Buergels kleine Plattformerei als kunstlenkende Motto-Show mit den 3 Magazinen „Moderne“, „Leben“, „Bildung“ waren „integraler Bestandteil der Komposition“ von Buergels sinnlichem „Medium“ der „Kollaboration“. Im Magazin Nr. 1 (Appendix, S. 27) wurden „Messe“-BesucherInnen aufgefordert, zum d12-Mysterium „die Integrität des eigenen selbst … aufzugeben“! Anders als man es erwartet hatte – ging es (ohne Guru Nitsch) bei der gescheiterten d12 völlig unblutig zu. Wer die Kunstfreiheit missbraucht, indem er Sterben & Tod selbst zum realen „Kunstwerk“ macht bzw. machen will (siehe Fall Gregor Schneider), der mordet sie und die Kunst: Jede Grenze zwischen Kunst und Leben, Kunst und Tod soll ultimativ überwunden werden. Derartige Nicht- und Antikunst geht über Leichen (ist rücksichtslos).
Im Schatten Nietsches, Mininietzsche, Pseudonietzsche, Nietzsche Jr., Nietzschchen(lein), Nietzscheanisch,
1er Unfug: "Sie feiert in abschreckender Ernsthaftigkeit das nackte Leben im Moment seines Aushauchens, eine Feier des anästhesierten Tötens." uswusf. Was für ein Gewäsch. 2er Unfug: Dass so ein Hampelmann überhaupt erwähnt wird. Was für ein Schwachsinn.
Sehr geehrter Herr Jungen, für Ihren Beitrag über den Aktionskünstler Nitsch möchte ich Ihnen danken! In Ihrer Wortwahl und Ausdrucksweise Ihrer Gedankenführung kommt eine Haltung zutage, die ich begrüße und die meinen Erfahrungen nach drei Jahrzehnten Leben in Wien, aber künstlerischer und universitärer Prägung in Deutschland entspricht. Sie beugen sich nicht vor dem Erfolg des Künstlers Nitsch und seiner Kommerzialisierung, behalten den freien Blick für das Monströse dieses Phänomens österreichischer Prägung ohne ins Banale abzugleiten. Ich wünsche Ihrem Artikel viele Leser! Mit freundlichen Grüßen Dr. B. Blum
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