“Copy Art #17; Leonardo da Vinci; 40 Euro“.

Das Dorf der Fälscher

Garantiert handgemalt!

Das chinesische Montmartre heißt Dafen: Sechzig Prozent aller kopierten Bilder der Welt stammen aus dem Dorf. Neben dem neunzehnten Jahrhundert und der Klassischen Moderne führen dort auch Gerhard Richter und On Kawara ein Zweitleben als Reproduktionsware. Von Mark Siemons.

Lesermeinungen zum Beitrag

11. Mai 2007 18:29

@Becher

Rene Meyer (matrix1329)

Falsch geraten - die Analphabetenrate in China ist erstaunlich niedrig (9,1%, Männer 4,9%, Frauen 13,5%, CIA Fact book) für ein Entwicklungsland. Das liegt an zweierlei Gründen: Erstens der Alphabetisierungskampagne der Kommunisten nach 1949 (vorher waren 95% der Leute Analphabeten!), und zweitens an der tiefen Verwurzelung der Bildung in der chinesischen Kultur - wer es sich leisten kann, und das sind heutzutage die meisten, schickt sein Kind zumindest auf die Grundschule.

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11. Mai 2007 13:06

Was genau ist eigentlich eine Fälschung?

TOBIAS RÜGER (t.ruger)

Ein Bild nachzumalen ist keine Fälschung. Fälschung wäre es, es als die Malerei eines anderen auszugeben. Eine andere Frage ist es, ob der Entwurf eines Gemäldes kommerziell weiterverwertet werden darf. Im Fall der abgebildeten Monalisa erübrigt sich diese Frage allerdings: denn 1. ist der Schöpfer schon mehrere Jahrhunderte tot, und 2. handelt es sich um Raubkunst, die urspründglichen (italienischen) Eigentümer sind nicht zweifelsfrei zu ermitteln.
Gerade gab es in Düsseldorf übrigens eine Ausstellung mit Originalen und zeitgenössischen Kopien von Gemälden Carravaggios. Im begleittext hat er geheißen:
'Vor dem Hintergrund der Fragestellung von Original, Variante und Kopie aus eigener und fremder Hand gibt die Düsseldorfer Ausstellung und der begleitende umfangreiche Katalog „Caravaggio. Originale und Kopien im Spiegel der Forschung“ neue Einblicke in die kunsthistorische Forschung. Der unvoreingenommenen Gegenüberstellung der Werke liegt der Versuch zu Grunde, die seit Jahrzehnten andauernde Debatte um die Urheberschaft bei Caravaggio zu dekonstruieren und seine revolutionären Bilderfindungen in den Vordergrund zu stellen.'
So gelenkig kann es der Bewohner eines chinesischen Fälscherdorfs vermutlich nicht formulieren.

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11. Mai 2007 09:59

Ja und ...?

Wilhelm-A. Buckermann (bucki1)

Ich verstehe die Aufregung einiger Vorkommentatoren nicht, denn worin besteht das Problem, wenn in China oder sonstwo Kunstwerke für den Massenmarkt kopiert werden? Für mich besteht hierbei vom Prinzip her kein Unterschied zu den Kunstdrucken und Postern, die in den Museumsshops rund um die Welt verkauft werden. Nur sind die Kopien aus Dafen eben "handgemalt", und sehen damit (vielleicht!) an der Wand besser aus. Auch in Deutschland wird kopiert, und zwar ganz hervorragend, wenn man sich einmal die Porzellanmaler in Dresden ansieht. Mit Intelligenz hat das nichts zu tun (dies ist nicht als Herabsetzung gemeint), sondern nur mit Fingerfertigkeit und einem gewissen künsterischen Gefühl. Dass man dadurch nicht zu einem Kunstgenie wird, wird niemand, auch in Dafen nicht, behaupten. Und dass China zu außergewähnlichen originären künstlerischen Leistungen fähig ist, zeigen viele Kunstwerke aus vergangenen Jahrhunderten und aus der Gegenwart.
Hier geht es einfach nur um Reproduktion für den Konsum, und das gibt es, auch und vor allem in Europa, schon seit vielen Jahrhunderten. So what...?

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11. Mai 2007 09:09

nichts anders als Nachfrage

Rud Haller (rodolfissimo)

"Was die Lohnmaler in Dafen produzieren, ist ja das Gegenteil von dem, wie sich Museumskunst selbst versteht: Bilder, die durch nichts anderes als ihre Nachfrage definiert sind."

Da nun jeder der gerne Kunstwerke anschaut, seine eigene Kunsttheorie hat, kann jeder auch etwas zum Wert von Kopien sagen.
Dass aber jemand eine Kunsttheorie hat, die einen derartigen Unsinn enthält wie den oben zitierten Satz, zeigt dass Dafen nötig ist.
Hat Herr Siemons schon einmal einen Ausstellungsmacher befragt, der um jeden Besucher ringt?

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11. Mai 2007 08:54

@Herrn Pattberg

Rene Meyer (matrix1329)

Ich, der China aus eigener Familiärer Bindung, Reisen und vielen guten chinesischen Freunden kennt, würde nicht sagen, daß der Hass auf China in Deutschland verwurzelt ist. Vielmehr das Gefühl, auch teilweise bei mir, daß die chinesische Regierung (nicht China, nicht die Chinesen) nicht nach unseren anerkannten Regeln von Demokratie, Wahrung der Menschenrechte und Fairness im Umgang mit Anderen spielt. Die ersten beiden Punkte braucht man wohl nicht zu erläutern, der dritte Punkt spielt auf die allenthalben wieder aufflammende Diskussion über den Schutz geistigen Eigentums wieder. Ich denke, die meisten Deutschen, die eine Meinung über China und den neuerlichen Aufstieg haben, denken, daß das Land erstmal frei, demokratisch und rechtsstaatlich werden sollte, bevor es reich wird. Sonst wird es nämlich zur Gefahr - wir vertrauen Diktaturen halt einfach nicht, und zwar aus guten geschichtlichen Grund.

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11. Mai 2007 04:51

Vorsicht, Herr Pawelczack...

Andreas Lehmann (alm)

... vor vorschnellem Irrtum hier. Die wirtschaftliche Aufholjagt läuft immer so: erst kopieren, dann selbst Innovationen liefern. So hat es Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts gemacht (zunächst von England kopiert), dann Japan ab Mitte des 20. Jahrhunderts (von Deutschland und den USA kopiert) - im Moment kann man das bei Autos gut beobachten. Mercedes will inzwischen den Produktionsprozeß von Toyota erreichen (O-Ton Zetsche 2006), nicht umgekehrt. Sie sehen, worauf ich hinauswill... Insgesamt eine wunderbar interessante Diskussion, meine ich. Wenn ich auch nicht mit der IQ These von Herrn Pattberg übereinstimme, so hat mir doch Ihr Sprachkontrollargument (Hochtalentiert/Fälscher) zu denken gegeben. Vielen Dank an alle!

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10. Mai 2007 20:48

Die Kunst des Kopierens

Steffen Pawelczack (Pawelczack)

Herr Plattberg, ich würde mit dem neidvollen Schauen warten bis so ein Künstler ein eigenes geniales Werk schaffen wird, und nicht ein bestehendes kopieren. In Asien findet man Intelligenz, Fleiß, Disziplin, Ambition, alles keine Frage. Nur eigene, gute Ideen sind rar gesät...

SPa

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10. Mai 2007 19:33

Nachtrag

Markus Leibold (MSL)

Den höchsten IQ bestreite ich übrigens einfach mal. Konnte im Netz nur eine Quelle finden, in der China nur auf den 13. Platz kommt - u.a. hinter Deutschland auf Platz 7.

http://www.china-intern.de/page/wissenschaft-neue/1133658133.html

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10. Mai 2007 19:25

@Herrn Pattberg

Markus Leibold (MSL)

"Hand aufs Herz, schauen wir nicht alle neidvoll auf diese Kultur, die nachweislich den hoechsten IQ der Erde hat?"

Ähm, nein?

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10. Mai 2007 18:10

Menschliche Spitzenleistung!

Thorsten Pattberg (PhillipPaux)

Hat eigentlich schon mal jemand darueber nachgedacht, wie absurd die Idee ist, das ein menschliches Wesen so zehn bis zwanzig exakte Kopien von Van Goghn herstellen kann? Wieviel Fingerfertigkeit muss man dafuer haben, wieviel kunsterlerische Intelligenz? Deutsche koennten das nicht leisten, schon gar nicht in Massen oder in dieser Schnelligkeit. Selbst Kunststudenten scheitern bei einfachen Kopien.

Die Chinesen vollbringen aehnliche Leistungen in der Musik, im Sport, in der Mathematik und in der Sprache.

Hand aufs Herz, schauen wir nicht alle neidvoll auf diese Kultur, die nachweislich den hoechsten IQ der Erde hat?

Oder weiss der Deutsche gar nicht, wenn er vor sich hat? Wahrscheinlich sind die Chinesen immer noch zweite Klasse zu unseren Kulturen, nicht wahr? Zwischen dem
Dorf der Falescher und dem Dorf der Hochtalentierten ist es ein weiter Unterschied, der Unterschied des Hasses auf Auslaender, der in Deutschland so tief verwurzelt ist, wie die Kopiewut es ist in den China.

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10. Mai 2007 18:05

Auch in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) ...

Klaus P. Lücke (microplan2002)

... habe ich schon vor ca 10 Jahren ganze Kolonien von Fälscherwerkstätten entdecken können - die wirklich gute Qualität herstellten, und alles natürlich 'handgemalt' !

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10. Mai 2007 16:14

Top Ten?

Andreas Lehmann (alm)

Für mich wäre interessant gewesen, welche Werke in Dafen bei 60% des Weltkopienmarktes die meistbestellten sind.

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