11. Februar 2008 Aus einem Museum in Zürich haben bewaffnete Täter vier impressionistische Gemälde im Wert von umgerechnet mehr als 110 Millionen Euro erbeutet. Wie die Züricher Polizei am Montag mitteilte, sind unter den bereits am Sonntagnachmittag aus der Sammlung E. G. Bührle geraubten Bilder Werke von Paul Cézanne, Edgar Degas, Claude Monet und Vincent van Gogh.
Bei den vier gestohlenen Gemälden handelt es sich nach Polizeiangaben um Der Knabe mit der roten Weste von Paul Cézanne, Blühende Kastanienzweige von Vincent van Gogh, Mohnfeld bei Vetheuil von Claude Monet und Ludovic Lepic und seine Töchter von Edgar Degas. Für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung der geraubten Gemälde führen, wurde eine Belohnung von rund 62.000 Euro ausgesetzt.
Zweiter Diebstahl innerhalb weniger Tage
Der Fall weckt Erinnerungen an einen bewaffneten Raubüberfall Ende der 80er Jahre. Damals hatten drei Bewaffnete eine Kunstgalerie in der Zürcher Innenstadt überfallen und 21 Renaissance-Gemälde im Wert von mehreren Millionen Franken geraubt, darunter Werke von Jan Maertens dem Jüngeren, Jan Steen, Willem van Aelst und Dirk Hals. Der Fall wurde Anfang Mai 1989 publik, als FBI-Beamte in New York zwei Belgier verhafteten und neun geraubte Bilder im Wert von etwa 4,2 Millionen Euro sicher stellten.
Häufiger als bewaffneter Kunstraub sind in der Schweizer Kriminalgeschichte einfache Bilderdiebstähle. Erst vergangenen Mittwoch wurden zwei Picasso-Werke - Tete de cheval und Verre et pichet - aus dem Seedamm-Kulturzentrum in Pfäffikon im Kanton Schwyz gestohlen. Die Bilder, die dem Sprengel Museum in Hannover gehören, sollen mehr als drei Millionen Euro wert sein.
Eine der bedeutendsten privaten Sammlungen europäischer Malerei
Die Sammlung E. G. Bührle ist eine der bedeutendsten privaten Kollektionen europäischer Malerei. Das 1960 gegründete Museum versammelt mehr als 200 Gemälde und Skulpturen. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt unter anderem auf Werken aus der Zeit des französischen Impressionismus und des Post-Impressionismus. Zusammengetragen wurde die umfangreiche Sammlung von dem in Deutschland geborenen Industriellen Emil Georg Bührle (1890-1956).
Das Museum befindet sich in Zürich in einer neben dem ehemaligen Wohnhaus Bührles liegenden Villa aus dem Jahr 1886. Bührle erwarb den größten Teil der Bilder und Skulpturen zwischen 1951 und 1956, darunter auch wichtige Stücke der Avantgarde-Strömungen von Anfang des Jahrhunderts. Der Industrielle, der Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau und München studierte, wurde 1924 im Auftrag seines Arbeitgebers von Magdeburg nach Zürich versetzt und reorganisierte die Schweizer Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon. Zu seinen ersten Erwerbungen als Kunstsammler gehörten Ende der 40er Jahre Der Knabe mit der roten Weste von Paul Cézanne und La Petite Irène von Pierre-Auguste Renoir.
Text: FAZ.Net mit Material von AP und AFP
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