Umstrittene Ausstellung

Flick wehrt sich gegen Kritik der Geschwister

Flick neben dem Kippenberger-Bild “Young Progressive Doctor“

Flick neben dem Kippenberger-Bild "Young Progressive Doctor"

31. August 2004 Gut drei Wochen Wochen vor Eröffnung der „Flick Collection“ in Berlin hat sich der Streit in der Familie des früheren Großindustriellen weiter verschärft.

Der Sammler Friedrich Christian („Mick“) Flick wies am Dienstag in Berlin die Kritik seiner Geschwister an der Ausstellung zurück und erhob seinerseits Vorwürfe gegen seine Schwester Dagmar Ottmann. Diese hatte sich von der geplanten Schau öffentlich distanziert und verlangt, zunächst die Familiengeschichte von Historikern aufarbeiten zu lassen.

Seine Schwester behaupte zwar heute, sie habe sich stets für die Aufarbeitung der Vergangenheit eingesetzt. Tatsächlich habe sie aber erst 2003 einen entsprechenden Auftrag an einen Professor vergeben, kritisierte Flick bei einer Besichtigung der Berliner Rieck-Hallen, in denen seine Sammlung zeitgenössischer Kunst ab 22. September gezeigt wird. Da werde jetzt manches zeitlich „etwas vorverlegt“.

Keine Sippenhaft

Der Großvater des Sammlers, der Großindustrielle Friedrich Flick, hatte zu den größten Rüstungslieferanten der Nazi gehört. Bis zum seinem Tode lehnte er eine Entschädigung von Zwangsarbeitern strikt ab. Sein Enkel Friedrich Christian Flick hat stets betont, er könne für die Taten seines zu Recht verurteilten Großvaters nicht in Sippenhaft genommen werden.

Der Sammler wies am Dienstag darauf hin, daß nicht nur seine Schwester und sein Bruder sich finanziell engagiert hätten, sondern auch er: Während die Geschwister in die Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter eingezahlt hätten, habe er selbst die „Flick-Stiftung gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ ins Leben gerufen und mit zehn Millionen Mark ausgestattet. Er sei stets konsequent seinen eigenen Weg gegangen, der sich von dem seiner Schwester unterschieden habe.

„Natürlich“ verschiedene Ansichten

Nach der Schwester hatte kürzlich auch sein Bruder Gert-Rudolf Flick die Ausstellung kritisiert und sich gegen die Vermarktung des Namens Flick gewandt. Der Sammler erklärte dazu, es sei „natürlich“, daß es in Familien unterschiedliche Ansichten gebe. Er wolle sich aber nicht weiter öffentlich mit den Geschwistern auseinander setzen. Ob diese auch zur Ausstellungseröffnung am 22. September kommen wollten, könne er nicht sagen.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bekräftigte, daß man die Diskussion um die Sammlung und die Familiengeschichte Flicks offensiv angehen wolle. Dazu gehörten zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und eine Podiumsdiskussion. Zugleich gelte aber auch: „Wir wollen nicht ein Verständnis der Kunst über Nazi-Muster haben.“ Kulturstaatsministerin Christina Weiss hob nochmals die Bedeutung der Schau hervor: „Wir werden eine Sammlung sehen, die einzigartig ist.“

Die ersten Bilder hängen

Flick, Lehmann und Weiss machten sich am Dienstag selbst ein Bild von den Vorbereitungen. Gemeinsam beobachteten sie, wie in den Rieck-Hallen neben dem Hamburger Bahnhof eine Kiste geöffnet wurde, in der sich ein Bild des Künstlers Martin Kippenberger befand. Die meisten Kunstwerke sind bereits in den großen Ausstellungsräumen eingetroffen, die ersten werden schon gehängt und aufgestellt.

Die „Flick Collection“ gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst. In einer Sonderausstellung werden rund 400 Werke daraus vom 22. September bis zum 23. Januar 2005 im Hamburger Bahnhof und den angrenzenden Rieck-Hallen gezeigt. Anschließend sind die insgesamt etwa 2.000 Werke der Privatsammlung, die für sieben Jahre als Leihgabe im Hamburger Bahnhof bleibt, in jährlich wechselnden Ausstellungen in ihrer Gesamtheit zu sehen.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: REUTERS

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