20. Februar 2008 Gerettet: Als Bauwerk wird das Städel bleiben, was es war – ein Louvre en miniature, ein venezianischer Palazzo am Mainufer, dessen distinkte Neorenaissance bezeugt, dass Frankfurts Bürger sich in den Stilorgien der Gründerjahre im neunzehnten Jahrhundert den Sinn für Maß und Proportion bewahrt hatten. Vor Monaten musste man noch fürchten, dieses Erbe könnte verspielt werden. Denn Skizzen zur Erweiterung zeigten den Bau entstellt durch – trotz Glas – plumpe Aufsätze.
Nun ist der Wettbewerb unter acht geladenen Teilnehmern entschieden. Es siegte das Frankfurter Duo Schneider + Schumacher, das die geforderten dreitausend Quadratmeter, fast eine zwanzig bis dreißig Millionen Euro teure Verdopplung der Fläche, unter die Erde legt. Die beiden, berühmt inzwischen auch im Ausland für Großbauten mit ekstatisch technoiden Zügen, hatten den Wagemut zur Demut: Äußerlich wird ihr Neubau nur in Gestalt eines sanften begrünten Hügels mit Bullaugen in Erscheinung treten.
Spektakuläre Effekte
Nur? Die Rundöffnungen werden ins Auge fallen und bei Dunkelheit sogar spektakuläre Effekte erzeugen. Doch was ist das, gemessen am Glamour, den man derzeit bei Neu- oder Erweiterungsbauten von Museen sieht? Das Berliner Team Kühn Mlavezzi, einer der zwei Zweitplatzierten, zielt mit Doppelkuben aus Glassteinen, die es im und am östlichen Lichthof plaziert, auf Derartiges. Oder die Amsterdamer UN, die eine expressiv von Kurven durchfurchte Großbox neben den Altbau stellen – und ohne Preis blieben.
Der Hügel von Schneider + Schumacher ist die Außenseite eines unterirdischen gewölbten Saals von dreißig mal dreißig Metern. Eine Mischung aus Tages- und Kunstlicht wird ihn beleuchten, dezent randständige Stellwände mit gerundeten Ecken werden ihn unterteilen. Die Anbindung an den Altbau und das Erschließen zusätzlicher neuer Ausstellungsflächen darin erreichen die Architekten durch den Rückgriff auf die Zentralachse, die Oskar Sommer 1878 seinem Gebäude gegeben hatte. So entsteht neben dem beibehaltenen Foyer Raum für Wechselausstellungen, und der Metzlersaal“ mit seinen edlen Proportionen wird aus der bisherigen Isolation gelöst.
Gelungene Neuordnung
Es ist eines der Beispiele für die gelungene Neuordnung und Verbesserung der Rundgänge, die die Städelleitung forderte. Die einschneidendste Maßnahme ist dabei das Verlegen der Verwaltung, der Bibliothek und Tagungsräume in den Erweiterungsbau Gustav Peichls von 1990. Mancher wird vielleicht das Flanieren durch dieses surreal kristallinweiß flimmernde, altägyptisch angehauchte Spätwerk der Postmoderne vermissen. Doch es war stets ein Appendix der Galerie, abgelegen, mühsam zu bespielen.
Im historischen Innenbau, den sie so sensibel umordnen, können sich Schneider + Schumacher doch noch als Gestalter von Rang präsentieren. Denn sie werden die beiden bisher stumpf endenden Seitenbögen der drei pathetischen Arkaden des Foyers als Zugang in den unterirdischen Teil öffnen. Ihr Entwurf verspricht mit dramatischen Treppen und zusätzlichen markanten Bögen eine Szenerie von römisch antiker Festlichkeit. Ein Glücksfall.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Schneider + Schumacher Architekturgesellschaft mbH/ddp, .A.Z.-Daniel Pilar, dpa, Schneider + Schumacher Architekturgesellschaft mbH dpa/lhe
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