Von Jordan Mejias, New York
24. April 2008 Hat sie oder hat sie nicht? Das fragt sich jeder an der Yale University, wo die Kunststudentin Aliza Shvarts ein Projekt in der Yale Daily News beschrieb, das nun in der Ausstellung von Studentenkunst nicht zu sehen ist. Es wäre, nach Frau Shvarts Angabe, ein blutbeschmierter Würfel gewesen, auf den sie Videos von eigenen Fehlgeburten projiziert hätte.
Sie habe sich dafür mehrmals künstlich inseminieren lassen, hieß es in der Studentenzeitung, und daraufhin auch mehrmals abgetrieben. Als Performance-Art angekündigt, verursachte das noch ungesehene Werk sogleich heftige Kontroversen. Worauf die Universitätsleitung mit der Nachricht, das Projekt sei fiktiver Natur, wie die Künstlerin im übrigen auch zugegeben habe, die Wogen zu glätten versuchte.
Doch prompt widerrief Frau Shvarts das Geständnis, das sie gegenüber der Universität abgelegt hatte oder auch nicht. Jedenfalls besteht Yale nun darauf, dass sie schriftlich erklären müsse, sie habe weder sich künstlich inseminiert noch abgetrieben. Bis das geschieht, bleibt der für sie reservierte Platz in der Ausstellung leer. Und alle können glücklich sein. Die Künstlerin hat sich, so oder so, bravourös ins Gerede gebracht, und Yale kann sich vor lauter Interesse an der Studentenausstellung kaum mehr retten. Im nächsten Jahr könnte dann ein sterbender Mensch ausgestellt werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
