22. Februar 2007 Eigentlich hat der amerikanische Künstler Richard Pettibone nie etwas anderes gemacht, als Bilder von Andy Warhol nachzumalen - aber die Aura des am 22. Februar 1987 in New York gestorbenen Pop-Künstlers Andy Warhol ist so groß, dass auch Pettibone für einen abgemalte Warhol-Marilyn mittlerweile auf dem Kunstmarkt 37.500 Dollar bekommt.
Das wäre nicht möglich, wenn Warhol nicht längst etwas wäre, was er nie sein wollte: Ein Säulenheiliger der Pop-Kultur. Heute haben die Preise für seine Arbeiten die vieler Alter Meister überholt, 2004 wurde ein Warhol-Superman für 25 Millionen Dollar verkauft. Die Stilisierung zu einer Ikone der Gegenwartskunst hat Warhol allerdings schon zu Lebzeiten betrieben - begonnen mit seinem Namen. Eigentlich hieß er, der 1928 in Pittsburgh als Sohn armer, aus den Karpaten eingewanderter Bauern geboren wurde, Andrej Warhola. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Warhol Gebrauchsgrafik und arbeitete erfolgreich als Dekorateur und Designer. Danach wandte er sich vermehrt auch künstlerisch Sujets aus der Populärkultur zu und begann, mit der Technik des Siebdrucks zu experimentieren.
Warhol fand das sehr lustig
Ein Bild von Campbell‘s Suppendosen und eine Postkarte der Mona Lisa wurde dreißig mal auf Leinwand verfielfältigt. Eine typische künstlerische Handschrift lehnte Warhol bewusst ab und trat damit in Opposition zur damals dominierenden Kunst der Abstrakten Expressionisten, die auf die unverwechselbare malerische Geste setzten. Warhols Begriff von Kunst im Zeitalter der massenhaft verfielfältigten populären Bilder war revolutionär; Kunst sollte sein wie die Welt, die sie abbildete - nämlich ein Produkt. Diese Haltung stieß zuerst auf Ablehnung, bei seiner ersten Ausstellung kauften nur zwei Besucher ein Werk, einer von ihnen war der Schauspieler Dennis Hopper; heute werden Warhols eigentlich gegen die klassische Idee des unverwechselbaren, einmaligen Meisterwerks gerichteten Arbeiten als genau solche gehandelt.
Zu den Künstlern, die heute Warhols Spiel mit der Aura des Originals und ihrer Reproduktion weiterspielen, gehört Richard Pettibone, der Warhols Bilder im taschentauglichen Kleinformat altmeisterlich nachmalt - und so aus dem Siebdruck wieder ein Gemälde macht. Warhol fand das sehr lustig, sagt Pettibone im Gespräch mit der F.A.Z, das Sie hier finden: Warhols Erbe: Richard Pettibone
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, AP Photo/ 2007 Andy Warhol Foundation for the Visual Arts/Artists Rights Society (ARS), New York, Christies London/kuma 1556, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Max Kohr, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS