
Je länger ich das Portrait betrachte, desto mehr entfernt es sich vom Kanzler in seiner Amtszeit. Nur die Augenpartie erinnert mich an den entschlossenen Gestalter bundesdeutscher Politik. Das Gesamtkunstwerk erscheint mir wie eine Projektion in eine fernere Zukunft. Gerhard Schröder blickt im Zorn zurück auf die Koalition seiner Nachfolger. Wehmut schwingt mit.
Vision als Intention oder umgekehrt - oder nur die einsame Meinung eines Betrachters?

Das ist das erste Kanzlerporträt, wo der Gemalte den Mumm hat, sich so darstellen zu lassen, wie man ihn eher negativ gesehen hat. Er posiert als Cäsar, setzt sich damit als einziger porträtierter Kanzler einer Kritik aus und zieht die euphemistischen Gemälde der anderen in ihrer Pseudo-Bescheidenheit genial ins Lächerliche. Schröder galt und gilt immer als Selbstdarsteller. Jetzt hält er den anderen (parteiübergreifend) den Spiegel vor.
Gut das der Mann Kanzler war.