Kölner Dom

Noch zu gemütlich: Gerhard Richters Kirchenfenster

Eingesetzt auf Probe: Gerhard Richters Kirchenfenster

Eingesetzt auf Probe: Gerhard Richters Kirchenfenster

11. Dezember 2006 Ortstermin in Taunusstein. Gerhard Richter ist angereist, um in der Werkstatt der Derix Glasstudios ein Muster für sein im Kölner Dom geplantes Glasfenster zu begutachten. Noch ist der Maler nicht zufrieden mit dem Probestück, das in seinen Augen zu „weihnachtsmarktmäßig“ oder „butzenscheibig“ aussieht. Was an den zu breiten Silikonfugen zwischen den farbigen Glasquadraten liegt, wie er sagt. Auch sei das Fenster in seiner Farbigkeit wohl noch zu freundlich, zu gemütlich. Also beschließen Richter und seine Begleiter, Domprobst Norbert Feldhoff und Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, das veränderte Musterfenster zunächst probeweise im Dom einzusetzen, wo es, vierzig Meter vom Betrachter entfernt, vermutlich eine andere Wirkung haben wird als in der Werkstatt.

Es ist Richters erstes Kirchenfenster. Seinem Entwurf nach wird sich die hundert Quadratmeter große Fläche des Fensters im südlichen Querhaus des Kölner Doms aus elftausend kleinen farbigen Quadraten zusammensetzen. Die Komposition dieser mundgeblasenen Glasflächen von jeweils 9,4 Quadratzentimetern wird dem computergenerierten Zufall überlassen. Bewußt festgelegt hat der Maler hingegen eine 72 Farbtöne umfassende, an den historischen Fenstern des Kölner Doms orientierte Skala, mit der er an seine seit den Sechzigern entstandenen Farbfelder anknüpft. Das farbige Richter-Fenster soll eine helle Verglasung ersetzen, die ihrerseits das im Zweiten Weltkrieg zerstörte figurenreiche Glasfenster ersetzte, welches König Wilhelm I. von Preußen 1863 gestiftet hatte.

Der Künstler findet das Werk noch zu “butzenscheibig“

Der Künstler findet das Werk noch zu "butzenscheibig"

Kirchenfenster gehören - neben weltlichen Projekten wie dem abstrakten Glaskunstwerk für einen Bahnhof in Seattle oder der Lichtdecke für das Kulm-Hotel in St. Moritz - zum Alltag in den Derix Glasstudios. Das Fenster von Graham Jones in der Poet's Corner der Westminster Abbey ist hier entstanden, jetzt sind gerade die neuen Fenster für die Rosenheimer Sankt-Nikolaus-Kirche fertig - mühelos von privater Hand finanziert, wie es heißt. Das Geheimnis dieses schönen Erfolgs: Siegfried Fischbacher, besser bekannt als eine Hälfte des legendären Magier-Duos „Siegfried und Roy“ in Las Vegas, fand mit einer stattlichen Spende für seine Taufkirche viele Nachfolger in der alten Heimat. In Köln dagegen, wo noch Spender gesucht werden, sollte Gerhard Richter, der seinen Entwurf dem Dom zum Geschenk gemacht hat, mindestens so beispielhaft wirken.

Text: kcd / F.A.Z., 11.12.2006, Nr. 288 / Seite 36
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Michael Kretzer

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