Leserbrief

Kölner Kahlschlag

21. Juli 2006 Zum Beitrag "Kölner Kahlschlag: Die ,Rheinpark-Metropole' oder Was von der alten Messe übrigbleibt" (F.A.Z. vom 30. Juni): Man stelle sich vor, Fritz Schramma, Oberbürgermeister Kölns und als solcher in der Traditionsfolge Konrad Adenauers, stellte den linksrheinisch verorteten Domschatz zur Disposition, um CNN die Möglichkeit zu geben, über einen Vor-Ort-Posten live und in alle Welt von den Ereignissen auf der Domplatte zu berichten ...Skandal. Die (Kölner) Welt würde aufschreien, der Erzbischof brauchte nicht einmal benedictischen Beistand, und die Sache wäre wieder vom Tisch. Ganz anders dagegen, wenn der rechtsrheinische Domschatz geopfert wird und die, leider bereits seit geraumer Zeit an RTL "verscherbelten", Rheinhallen der Messe in diesen Tagen nun gar "entkernt" werden. Wenn gerade beim inneren Ableben dieses Kleinods, einem der echten "Schätzchen" der Stadt, selbst der Denkmalschutz nicht einmal mit einer begleitenden "Sterbehilfe" zum Zuge kommt, was haben wir da noch alles aus Rathaus und Verwaltung zu erwarten? Die Messe selbst: Da versucht etwa Gerard Goodrow seit geraumer Zeit, mit viel Verve das "Gesicht" der Art Cologne angesichts der stärkeren Konkurrenz auf dem Kunst(messen)markt wieder zu schärfen und attraktiv zu machen, und - gerade ihr herausragendes unverwechselbares Profil am Rheinufer nimmt man der Messe zuerst. Vor allem die Kunstmesse wird es angesichts der Container-Ästhetik der im Eiltempo hochgezogenen neuen Hallen mit am schwersten haben, sich, neben der Terminverschiebung vom Herbst aufs Frühjahr, am neuen Ort aus der zweiten Reihe heraus zu plazieren. Ein Abstieg mit dem 1. FC in die zweite Liga? Der schafft ja immer wieder den Aufstieg.

Heinz Bossert, Köln



Text: F.A.Z., 22.07.2006, Nr. 168 / Seite 7

 
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