
... der Aufmerksamkeitsökonomie"
Welchen Kick braucht der Mensch wohl heute noch, während er sich am Tod und Leid anderer Menschen ergötzt?
„Der über Leichen geht - Gunther von Hagens und seine >Körperwelten< ist ein treffender Buchtitel von Torsten Peuker und Christian Schulz von 2004 zu „Körperwelten“, dem Titel einer seit 1996 bestehenden Wanderausstellung plastinierter, überwiegend menschlicher Körper. Die Ausstellung ist auf Grund der Exponate umstritten. In Deutschland wurden teilweise nicht alle Werke gezeigt. Initiator der Ausstellung ist der Anatom Gunther von Hagens.
Sicherlich gibt es mittlerweile perversere Abartigkeiten, als die dem Künstlerhirn des „unheimlichsten Künstlers der Gegenwart“ Gregor Schneider 1996 entsprungene Idee des geplanten öffentlichen Spektakels der öffentlichen Zurschaustellung eines Menschen, der eines natürlichen Todes stirbt oder einer sterblichen Hülle eines soeben verstorbenen Mitmenschen.
Schneider will es von Gunther von Hagens nachmachen.
Gaffer bei Körperwelten.
Gaffer bei täglichen Unfällen mit Toten auf der Autobahn.
Nun soll es wieder etwas zu Gaffen geben.
Gaffer bei dem öffentlichen Spektakel der Zurschaustellung eines Menschen, der eines natürlichen ...

Ein bösartiger Text, dessen salopper Ton keineswegs dem Niveau der FAZ entspricht, weder dem Thema, noch dem Künstler angemessen ist: Wer sich mit Kunst beschäftigt, wer gar Gregor Schneiders Werk über längere Zeit intensiv beobachtet, könnte ein Gespür für die Ernsthaftigkeit des Anliegens entwickeln - sein Projekt braucht man niemand zu billigen, diskutieren kann man es schon. Doch all zu billig ist es, den Vorschlag einer ästhetisch-existenziellen Grenzverschiebung gleichzusetzen mit einer Schlange-Stehen-Performance als "maximalem Tabubruch". Man bestaunt des Autors Mangel an logischem Denkvermögen, auch aber die Unfähigkeit, angemessen mit Sterben und Tod zu agieren: unernst. Vielleicht ist gerade das eine Auswirkung des von Schneider angestossenen Tabus. Man möchte Peter Richter empfehlen, sich weiterhin auf Kunstbetriebsklatsch zu beschränken, Schnellschuss-Polemiken beherrschen die Politiker besser.

Mit einer geplanten Sterbe-Performance ist Schneider in die Schlagzeilen geraten: Wohlwollende Kritiker fragen sich, ob des „Künstlers“ Schnapsidee ernst zu nehmen ist, nachdem seine „Schlangestehen-Performance“ Berliner „Kunst“-Freunde zum Narren gehalten hat. Nosferatu Schneider verfolgt mit „Sterben live, die Auflösung der Kunst in die Echtzeitdokumentation“ sicherlich nicht Ziele der seriösen HOSPIZ-Bewegung, bei der für das Sterben Wünsche, Ziele und das Befinden von Patienten im Vordergrund einer palliativen Behandlung stehen. Letztlich bedient sich diese Provokations-„Kunst“ nur billiger Show-Effekte für PR-Zwecke. Der Tod als „Kunstwerk“ weckt Erinnerungen an Karlheinz Stockhausen, der die Anschläge des 11.September 2001 in New York aus seiner ästhetisch-künstlerischen Perspektive als "das größte Kunstwerk“ bezeichnet hat. Fortschrittliche KUNST (Erkenntnis-KUNST z.B.) sieht anders aus. Die nicht reformierbare documenta sucht derzeit zur d13 wieder eine(n) allmächtige(n) Kurator(in): Nach dem BUERGELiade Desaster mit Kochen/Essen als „Kunst“ könnte Sterbe-„Kunst“ ein ultimativer Grenzerweiterungs-Beitrag sein. (Googeln: „Verrisse-Mahnmal“, Documenta-Demokratisierung, art-and-science.de mit Links.)