Von Camilla Blechen
11. Dezember 2007 Die künftige Eingliederung in eigene Sammlungsbestände anstrebend, gewährt das Berliner Museum für Islamische Kunst in diesem Winter mehr als einhundert Objekten Gastrecht: Sie stammen aus der Sammlung des gebürtigen Ungarn Edmund de Unger und werden im Nordflügel des Pergamonmuseums ausgestellt.
Auf Koranhandschriften, Miniaturmalereien, Textilien, Keramik, Metallarbeiten und Flakons aus Bergkristall konzentriert, vermittelt die Leihgabe eine Essenz jener zweitausend Kunstwerke aus Iran und dem Irak, Indien, Ägypten, Marokko und der Türkei, die der 1918 in Budapest geborene Kaufmann in einer vierzigjährigen Ankaufstätigkeit zusammentragen konnte. Ihren internationalen Bekanntheitsgrad gewann die Sammlung de Unger durch Teilnahme an enzyklopädischen Ausstellungen islamischer Kunst, wo sie unter der Bezeichnung Keir Collection auftrat.
Wachsende Kennerschaft
Als Sohn eines Teppichsammlers von Kindheit an auf den Genuss des orientalischen Ornaments eingeschworen, gelang es dem heute in London ansässigen Edmund de Unger, mit wachsender Kennerschaft Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände für seine Spezialsammlung zu erwerben, die einerseits von persönlichen Vorlieben geprägt ist, andererseits profunde Einblicke in den Kosmos der islamischen Ästhetik vermittelt. Seit langem Kontakte mit dem auf Wilhelm von Bodes Gründung zurückgehenden Berliner Museum pflegend, hat der hochbetagte Sammler es seinem Sohn Richard de Unger überlassen, eine repräsentative Auswahl für die vorerst zeitlich begrenzte Leihgabe zu treffen.
Schon 1921 hatte der Orientalist Friedrich Sarre das Museum mit einer Schenkung von 750 Kunstwerken bedacht. Nun finden neben kostbaren Buchmalereien vor allem textile Fragmente mit figürlicher Staffage und floralen Elementen Berücksichtigung, die Lücken im Bestand des Museums füllen.
Sammlerglück. Islamische Kunst aus der Sammlung Edmund de Unger. Im Berliner Pergamonmuseum bis 17. Februar. Der im Hirmer-Verlag erschienene Katalog kostet an der Museumskasse 29,90 Euro, im Buchhandel 34,90 Euro.
Text: F.A.Z., 11.12.2007, Nr. 288 / Seite 40
Bildmaterial: A.C. Cooper, London, Dietmar Katz, Ingrid Geske