Von Angelika Heinick
07. April 2005 Das berühmteste Bild der Welt, Leonardo da Vincis Mona Lisa, ist wieder an seinen angestammten Platz in den nun nach ihm benannten Salle de la Joconde im Pariser Louvre zurückgekehrt.
Während der ehemalige Ständesaal, der Salle des Etats, den NapoleonIII. in den Jahren von 1857 bis 1859 für die Sitzungen der beiden Kammern der Nationalversammlung erbauen ließ, von Grund auf renoviert wurde, mußte Leonardo da Vincis Gemälde vier Jahre lang im Saal des Neapolitaners Salvator Rosa ausharren.
Die Renovierung des Saals der Mona Lisa, die täglich zwanzigtausend Besucher anlockt, war Teil des nun weitgehend abgeschlossenen Projekts des Grand Louvre. Der Ständesaal, der im Jahr 1950 zum letzten Mal modernisiert worden war, entsprach aufgrund einer fehlenden Klimatisierung und ungünstiger Beleuchtung nicht mehr den Anforderungen eines der meistbesuchten Museen der Welt. Seit 1950 bot dieser Saal den Werken der venezianischen Malerei, zu der sich im Jahr 1966 Leonardos Mona Lisa gesellte, einen schmucklosen modernen Rahmen.
Stau im Besucherstrom
Die schmale Grande Galerie mit den italienischen Sammlungen des Louvre vom Mittelalter bis zum achtzehnten Jahrhundert, wo das als Mona Lisa berühmt gewordene Bildnis der Lisa Gherardini (1479 bis nach 1551?), der Frau Francesco del Giocondos (1460 bis 1539), des Sprosses einer wohlhabenden Familie von Florentiner Seidenhändlern, auch zwischenzeitlich weilte, ist denkbar ungünstig für den größten Publikumsmagneten des Museums - die permanente Menschentraube führte zum Stau im Besucherstrom.
Der mit der Renovierung beauftragte Architekt Lorenzo Piqueras hat versucht, dieses Problem zu lösen, indem er das Bildnis der Mona Lisa nun zentral und isoliert in ihrem neuen Saal plaziert hat. Beim Betreten des Saales über die Grande Galerie fällt der Blick auf eine monumentale Stellwand, deren Proportionen keinen größeren Kontrast zum bescheidenen Format der Pappelholztafel des Gemäldes (77 mal 55 Zentimeter) hinter einer in die Wand eingelassenen Panzerglasscheibe bilden könnten.
Respektvolle Entfernung
Die Stellwand, die in den gleichen warmen Farbtönen hellen Holzes wie die Wände des Raumes gehalten ist, bildet den Sammelpunkt für die Betrachter, die durch ein halbkreisförmiges Holzgeländer in respektvoller Entfernung von knapp zwei Metern gehalten werden. Die ausgeklügelte Deckenbeleuchtung, die Tageslicht und Kunstlicht mischt und aufeinander abstimmt, wird durch eine in die Holzkonsole unterhalb des Gemäldes eingelassene Lichtquelle ergänzt, die die Farben der Mona Lisa auch aus der Entfernung leuchten läßt, bei näherer Betrachtung jedoch Spiegelungen nicht ganz auszuschalten vermag.
Die Kosten der Renovierung, die dem Saal ein zeitgenössisch nüchternes Gepräge sowie modernste Klimatechnik und eine verbesserte Akustik bescherte, belaufen sich auf knapp fünf Millionen Euro und wurden fast vollständig von dem japanischen Fernsehkonzern NTV übernommen. Nun prangt die Mona Lisa, gegenüber der monumentalen Hochzeit von Kana von Paolo Veronese und flankiert von den Werken Tizians, Paris Bordones, Jacopo Bassanos und Tintorettos, wieder als einzige Florentinerin unter großen Venezianern.
Text: F.A.Z., 07.04.2005, Nr. 80 / Seite 42
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb