Kunst

Videokünstler Nam June Paik gestorben

Er galt als “Vater der Videokunst“

Er galt als "Vater der Videokunst"

30. Januar 2006 Der als „Vater der Videokunst“ bekannte Medienkünstler und Aktionsmusiker Nam June Paik ist tot. Paik sei am Sonntagabend in seiner Wohnung in Miami (Florida) im Alter von 73 Jahren gestorben, hieß es am Montag auf der Website des gebürtigen Koreaners.

Seit seinem Schlaganfall 1996 war er halbseitig gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Er soll nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in den nächsten Tagen in New York beigesetzt werden. Dort hatte der mit der japanisch- amerikanischen Videokünstlerin Shigeko Kubota verheiratete amerikanische Staatsbürger sein Atelier.

Ursprünglich Komponist

Die Wurzeln von Paiks Videokunst liegen in der Musik. Das Allroundtalent, das vor allem durch seine Installationen und Videoskulpturen bekannt wurde, begann seine künstlerische Laufbahn ursprünglich als Komponist. Bereits in den fünfziger Jahren machte er durch Musikexperimente auf sich aufmerksam, durch das Zertrümmern von Instrumenten wollte er das Publikum schockieren und provozieren. Einen Namen machte er sich auch als Mitglied der Fluxus-Bewegung in den sechziger Jahren, die durch ihre Aktionskunst die moderne Kunst stark beeinflußte.

In Japan schloß der am 20. Juli 1932 in Seoul geborene Sohn eines reichen koreanischen Industriellen zunächst ein Studium der Kunst- und Musikgeschichte ab. 1956 ging er nach Deutschland und studierte an der Freiburger Musikhochschule Komposition unter Wolfgang Kortner. Zu seinen künstlerischen Wegbegleitern gehörte neben dem Aktionskünstler Joseph Beuys auch der deutsche Avantgardekomponist Karlheinz Stockhausen, mit dem er Ende der fünfziger Jahre im Kölner WDR-Studio für Elektronische Musik arbeitete.

Zufälliges und Klassisches

Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung wurde eine Begegnung mit dem amerikanischen Komponisten John Cage 1958 bei Kursen für Neue Musik in Darmstadt. Dabei entwickelte der Koreaner das Konzept der Aktionsmusik, bei der zufällige Geräusche mit klassischen Klängen gemischt wurden. In den sechziger Jahren nutzte er immer mehr das Medium Fernsehen für seine Arbeiten. Seine erste wichtige Ausstellung, in der Paik auch zum ersten Mal manipulierte Fernseher zeigte, fand 1963 unter dem Titel „Exposition of Music - Electronic Television“ in der Galerie Parnass in Wuppertal statt. Mitte der sechziger Jahre entstanden Paiks erste „Multi-Monitor-Installationen“, bei denen er mehrere Bildschirme zu einer Skulptur anordnete. Durch seine Kunst kommentierte er in den folgenden Jahren kritisch und sarkastisch die Bedeutung des Mediums und die Wahrnehmung der Welt durch das Fernsehen.

Von 1965 an arbeitete Paik als erster Künstler mit dem gerade erst verfügbar gewordenen Medium Video. Bei dem Happening „24 Stunden“ mit Joseph Beuys benutzte Paik eine der ersten tragbaren Videokameras und verkündete: „Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert, jetzt schlagen wir zurück.“ Nach einer Professur an der Kunstakademie Düsseldorf verschaffte sich Paik 1982 weltweit einen Namen durch eine spektakuläre Installation aus 384 Monitoren im Pariser Centre Georges Pompidou. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 errichtete Paik mit dem Medienturm „The more the better“ ein weiteres Großobjekt aus über 1000 Monitoren.

Paik, der 1964 nach New York übersiedelte und abwechselnd in den Vereinigten Staaten und Deutschland lebte, wurde für seine Arbeiten weltweit mit zahlreichen Einzelausstellungen und Preisen geehrt. Die Stadt Duisburg zeichnete ihn vor vier Jahren mit dem Wilhelm Lehmbruck-Preis aus „für seine wegweisenden und weltweit wirkenden Impulse der Videoskulptur und für seinen vorbildlichen interkulturellen Dialog zwischen Ostasien, Amerika und Europa“.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb

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