
„Spuren des Heiligen“ wird in der F.A.Z. von Niklas Maak zutreffend NEGATIV kritisiert; Schau des Centre Pompidou („Traces du Sacré“). Der Kunsthistoriker W. Ullrich interpretierte die Geist(er)-Tour als „kulturgeschichtliche Expedition“ und fragte: „Wie religiös ist die Gegenwartskunst?“ (DIE ZEIT 21/2008, S. 48 – „Alles so schön esoterisch“.) Die proklamierte „Wiederkehr des Religiösen“ sei auch ein „Wohlstandsphänomen“; man giere nach „Bewusstseinserweiterung“. Kunst werde zur metaphysischen Verheißung, diene als „Psychotherapeutikum und gesellschaftliches Allheilmittel“. Die Ausstellung solle dokumentieren, wie Künstler der Moderne auf den Verlust von Glaubensgewissheiten reagiert haben (Nietzsches Diktum vom Tod Gottes). Auch „postmetaphysisches Bewusstsein“ und „Absurdität“ sollten dokumentiert werden. Dass die „Avantgarde“ dem Fortschritt (Aufklärung, Rationalismus) verpflichtet gewesen sei, war eine glatte Fehleinschätzung der Kunsthistoriker. Antimodernistische Bestrebungen der „Moderne“, „ihre esoterischen Motive wurden lange ausgeblendet, gar tabuisiert“. Die Sektionen der Ausstellung sollten dem „spirituell empfänglicher gewordenen Publikum“ schmackhaft gemacht werden; auch Hirsts „Luxus-Kunst“ (Fliegen-„Geistigkeit“).

Die Ausstellung „Spuren des Geistigen“ zeigt Werke von 120 Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, die das kontinuierliche künstlerische Interesse am „Geistigen“, an der menschlichen Erkenntnis- und Empfindungsstruktur bezeugen sollen. Sucht man danach, was mit dem „Geistigen“ gemeint ist, hofft man dies an der Denkweise der Ausstellung zu erfahren: Themenbereiche wie Götterdämmerung; Synkretismus; Jenseits des Sichtbaren; Kosmische Offenbarungen; Absolutum; Homo novus; Masken, Ritual, Trance; Ekstase; Profanierung; Homo homini lupus; Sakralkunst; Göttliche Ornamentik; Mythen und Schamanen; Doors of Perception; Zen und Epilog. Die Ausstellungsmacher wollen offenbar zeigen, dass sich das Verhältnis der „Kunst“-Menschen zur Religion kulturell-evolutionär verändert hat, was nicht bedeutet, dass bis heute noch nicht das Ende des Geistigen oder Göttlichen in der „Kunst“ eingetreten sei. Wassily Kandinsky vertrat in seiner Schrift „Über das Geistige in der Kunst" von 1910 die Ansicht, dass Malerei „sich als wirklich reine Kunst in den Dienst des Göttlichen stellt". Das Metaphysische scheint aus der „Kunst“ nicht wegzudenken zu sein - glauben „Kuratoren“ -, obwohl Gott nach Nietzsche und Dawkins schon längst tot ist.