Landtagswahlen

Koch: „Ein verdammt knappes Rennen“

18. Januar 2008 Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Hessen ist die regierende CDU bei der Sonntagsfrage auf 38 Prozent der Stimmen gesunken und verlor damit zwei Punkte gegenüber der vergangenen Woche. Die SPD gewinnt hingegen zwei Punkte und kommt damit auf 37 Prozent. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag der ARD.

Die FDP büßte im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt ein und kam auf acht Prozent, die Grünen verloren zwei Punkte und errangen sieben Prozent. Die Linke würde zwei Punkte zulegen und mit sechs Prozent erstmals in den hessischen Landtag einziehen. Nach diesem Stand würde die CDU nicht nur ihre absolute Mehrheit verlieren, die sie 2003 mit 48,8 Prozent der Stimmen erreicht hatte. Auch eine Koalition mit der FDP hätte keine Mehrheit. Die drei linken Parteien kämen zusammen auf 50 Prozent.

Ypsilanti wäre bei Direktwahl vorn

In einer Direktwahl würde derzeit Frau Ypsilanti gegen Koch gewinnen

In einer Direktwahl würde derzeit Frau Ypsilanti gegen Koch gewinnen

Könnte Hessens Ministerpräsident direkt gewählt werden, würden sich nur 38 Prozent für Amtsinhaber Roland Koch (CDU) entscheiden, aber 48 Prozent für seine Herausforderin Andrea Ypsilanti (SPD). In der Vorwoche hatten beide noch mit je 44 Prozent gleichauf gelegen.

Infratest dimap hatte von Montag bis Mittwoch dieser Woche 1000 Wahlberechtigte in Hessen telefonisch befragt, wen sie wählen würden, wenn am Sonntag Wahl wäre. Allerdings riet der ARD-Wahlfachmann und WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn bei der Beurteilung der Zahlen zur Vorsicht: „Wir haben es im Moment mit extremen Stimmungsschwankungen zu tun. Die Zahlen sind eine Momentaufnahme. In den zehn Tagen vor der Wahl kann sich daran noch viel ändern.“ Die Fehlertoleranz bezifferte das Meinungsforschungsinstitut Infratest auf 1,4 Prozentpunkte bei den kleinen Parteien und bis zu 3,1 Prozent bei den großen.

Kochs Kampagne spaltet die Wählerschaft

Den Trend zu Verlusten bei der CDU und Gewinnen für die SPD bestätigten auch Zusatzfragen. Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent der Hessen war der Meinung, dass die künftige Landesregierung von der SPD geführt werden sollte. 38 Prozent fanden, die künftige Landesregierung sollte wieder von der CDU geführt sein.

50 Prozent der Hessen befürworteten laut den Angaben, dass Koch „das Thema Jugendgewalt in den Wahlkampf eingebracht hat“; 48 Prozent fanden es nicht gut. Gleichzeitig waren 82 Prozent der Ansicht, dass Koch „erstmal seine eigenen Hausaufgaben in Hessen machen und dafür sorgen sollte, dass es dort schneller zu Gerichtsurteilen kommt“.

Heil: CDU „im freien Fall“

Hessens Ministerpräsident Koch kommentierte die bisher schlechtesten Umfragewerten seiner Partei mit den Worten: „Das wird ein verdammt knappes Rennen.“ In einer Wahlkampfrede am Donnerstag im mittelhessischen Stadtallendorf rief er seine Zuhörer dazu auf, am 27. Januar zur Wahl zu gehen. „Es ist ein sehr, sehr harter Wahlkampf, härter als manche gedacht haben.“

In Berlin reagierte hingegen die SPD erfreut auf die Ergebnisse der Umfragen. „Die CDU ist im freien Fall“, sagte SPD-Generalsekretär Heil am Donnerstagabend. Koch könne seine schlechte Bilanz in Hessen nun nicht mehr verdecken.

Union verliert in Niedersachsen leicht

In Niedersachsen ist die Union in der Wählergunst leicht gesunken. Die Partei von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verliert laut der Umfrage von Infratest dimap im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt und erreicht nun 44 Prozent der Stimmen. Die SPD gewinnt einen Punkt und kommt auf 34 Prozent. Die FDP erreicht unverändert sieben Prozent und könnte damit für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Landesregierung sorgen. Die Grünen verlieren der Umfrage zufolge einen Punkt und liegen nun ebenfalls bei sieben Prozent. Die Linke gewinnt im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte und erreicht nun fünf Prozent. Damit würde sie in den Landtag einziehen.

In Niedersachsen steht Wulff vor einer Wiederwahl

In Niedersachsen steht Wulff vor einer Wiederwahl

In der Direktwahlfrage büßt Wulff im Vergleich zur Vorwoche an Zustimmung ein, führt aber weiterhin klar vor dem SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Jüttner. Könnten die Niedersachsen den Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich 55 Prozent (minus acht) für den Amtsinhaber und 27 Prozent (plus vier) für seinen Herausforderer entscheiden.

SPD will „Schmutzkampagne“ beenden

In den vergangenen Tagen hatte Jüttner im Wahlkampf für Aufregung gesorgt: Er und seine Frau hatten Wulffs Privatleben in den Medien thematisiert. Die CDU hatte das als „Schmutzkampagne“ bezeichnet. Die SPD erklärte am Donnerstage, sie wolle das Liebesleben von Wulff nicht mehr im Wahlkampf zur Sprache bringen und sich auf Sachthemen wie Mindestlohn, Bildungs- und Wirtschaftspolitik beschränken.

SPD-Chef Beck adelt Spitzenkandidat Jüttner

SPD-Chef Beck adelt Spitzenkandidat Jüttner

Über die Umfragen sagte der Generalsekretär der niedersächsischen CDU, Ulf Thiele: „Wir sind gut unterwegs. Das Rennen ist nicht entschieden.“ Es gelte in den nächsten zehn Tagen, aus der guten Stimmung am 27. Januar Stimmen für die CDU und Wulff zu machen. SPD-Spitzenkandidat Jüttner sagte: „Es ist Bewegung drin. Die Wechselstimmung ist um zehn Prozent gestiegen, die Unzufriedenheit mit der Landesregierung wächst stark, die Werte des gegenwärtigen Ministerpräsidenten fallen.“ Auch für Niedersachsen gilt, dass die Umfrageergebnisse nur eine Momentaufnahme darstellen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, FAZ.NET

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