
bleibt keine andere Wahl. Er muß sich den parteipolitischen Problemen stellen und verliert keine Zeit mit Nebensächlichkeiten. Diese können später in Ruhe geregelt werden. Dazu gehört auch der Qualmi. Das einzige tatsächlich Unangenehme ist: er stinkt gewaltig, aber wie beim Knoblauch: Der Genießer spürt es nicht. Der Nichtraucherlobby aber sei gesagt: Der Krebs ist schon seit der Antike als Krankheit bekannt und man ist auch daran gestorben. Nur geraucht hatte damals wohl keiner.

Kalkül, blablabla. Hoffen wir doch einfach mal, daß Seehofers Vorstoß dahingehend wirkt, daß die Menschen künftig wieder selber ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen ruinieren dürfen - momentan ist das ja ein Privileg der Industrie und der Arbeitgeber.

Tatsache ist, das in Bayern viele deshalb schon nicht die CSU wählten, weil sie die Umsetzung des absoluten Rauchverbots so jammerlich durchführten. Hunderte Entscheidungsträger, die über die Racuerclubs zu befinden hatten, fühlten sich im Stich gelassen. Dass Grüne und SPD den Entschluss zum Rauchverbot mitgetragen haben, spielt da keine Rolle.

Wie schnell Unpopularität zu Popularität umgepolt werden kann, davon zeugen im Moment die politischen Salti der CSU. Um sich nicht plötzlich gar in der Opposition wiederzufinden, wird nach dem Grundsatz "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" plötzlich das Nichtraucherschutzgesetz von seinen krebserregenden Substanzen befreit, liberalisiert nach dem Motto: Leben und leben (sterben) lassen. Oder: Wenn schon weniger Wirtschaftsliberalismus im Großen (auch der Koalitionspartner FDP muss im Angesicht der Bankenkrise in seinen Grundpositionen ja erschüttert sein), dann wenigstens etwas Stammtisch-Liberalismus. Ob derartige Themensprünge - es gibt sie auch bei der Regierungsneubildung in anderen Bundesländern - politisches Vertrauen von ausreichend Tiefgang erzeugen, darf wohl bezweifelt werden. Es ist zu hoffen, dass die Politik ihr neu gewonnenes Primat über die (Finanz)Wirtschaft auch in anderen Aufgabenfeldern zu legitimieren weiß. Der Zigarettenkonsum in diesen auch psychologisch turbulenten Zeiten wird sich entweder vervielfachen oder dramatisch reduzieren. Für Lokale kann er letztlich nicht umsatzrelevant sein. in Härtefällen für Wirte könnte der Staat ausgleichen, gut investiertes Geld: Leben lassen und leben.

Da versucht aber jemand sich die Welt schön zu malen. Denn er möchte an den unrelevantesten Dingen herumdoktern