Abschied vom „King of Pop“

Danke, Michael

Von Tobias Rüther

Fans beobachten Jacksons Familie, als sie zur Trauerfeier aufbricht

Fans beobachten Jacksons Familie, als sie zur Trauerfeier aufbricht

08. Juli 2009 Was bleibt von diesem Abend, der doch eigentlich ein Morgen war? Die Momente möglicherweise, in denen nichts gesagt wurde. Es war ungewöhnlich still zwischen den Liedern, die im Staples Centre von Los Angeles für Michael Jackson gesungen wurden, und zwischen den Reden, die man auf ihn hielt. Ganz am Anfang, noch bevor die Brüder der Familie Jackson den goldenen Sarg des toten Weltstars in den Saal geleitet hatten, trat der Sänger und Songschreiber Smokey Robinson ans Mikro, ein früher Zeuge von Michaels Talent, damals, bei Motown Records in Detroit, 1968. Robinson verlas zwei Botschaften von zwei Menschen, die nicht an der Trauerfeier teilnehmen konnten: die erste stammte von Diane Ross, die zweite von Nelson Mandela. „Diana Ross“, sagte Robinson, und die Menschen jubelten, „Nelson Mandela“ sagte er, dann jubelten sie noch einmal und schwiegen danach, schwiegen lange - und so konnte man sich früh darauf einstellen, dass es eine ernste Feier werden sollte.

Sie hatte dann, je länger sie dauerte, auch ihre lustigeren Momente. Und die Zahl der Leute und Fans, die wie die Freunde und Weggefährten auf der Bühne ihrerseits einmal laut und vernehmlich in den stillen Saal rufen wollten, dass sie Michael Jackson liebten, nahm auch unweigerlich zu. Aber es blieb von Anfang bis Ende eine musikalische Andacht, und auch eine Feier des schwarzen Amerikas: Eine ganze Weile dauerte es, bis der erste weiße Künstler auf die Bühne trat - der Gitarrist John Mayer war es, der Jacksons Hit „Human Nature“ vom „Thriller“-Album spielte - und noch etwas länger, bis auch der erste weiße Künstler etwas sagte: das war die Schauspielerin Brooke Shields, die etwas zu bewegt und vertraulich vom „Kleinen Prinzen“ Michael sprach, von gemeinsamen Kicheranfällen vor dem Schlafzimmer Elizabeth Taylors erzählte, aber auch vom geteilten Schicksal eines Kinderstardaseins.

Der Clan saß verborgen hinter schwarzen Sonnenbrillen

Die Fotos auf der Bühnenleinwand erinnerten an diesen frühen, schweren Tage im Leben von Michael Jackson. Berry Gordy, der Plattenchef von Motown, erinnerte in seiner Rede an den Wunderjungen. Und der Basketballspieler Magic Johnson erinnerte daran, indem er Michaels unerbittlichem Vater Joe in seiner kurzen Rede eben nicht erwähnte, aber dem ganzen Rest der Familie und allen voran der Mutter Katherine kondolierte. Der Clan saß, verborgen hinter schwarzen Sonnenbrillen, wie sie Michael ab 1984 etwa gern getragen hatte, in der ersten Reihe und umarmte jeden, der von der Bühne kam und für den Sohn und Bruder und Vater gesprochen und gesungen hatte.

Magic Johnson also hatte gesprochen. Und Kobe Bryant, ein nicht weniger genialischer Basketballspieler. Und Queen Latifah, die Schauspielerin und Rapperin. Mariah Carey hatte gesungen, als erste und etwas wackelig noch. Lionel Richie erinnerte danach mit „Jesus is Love“ daran, was für ein großer Interpret er ist - aber wohl niemals ein so großer wie Stevie Wonder, der erst am schwarzen Flügel improvisierte, als sei er Thelonious Monk, und dann ein Lied spielte, dass er für Michael Jackson geschrieben hatte: „Never dreamed you‘d leave me in Summer“. Die Kamera zeigte den goldweißen Sarg, da war auch dem letzten vor dem Fernseher klar, was „verlassen im Sommer“ in diesem Fall heißen sollte.

An Stevie Wonder reichte keiner heran

An Stevie Wonders Intensität reichte musikalisch danach keiner mehr heran, nicht Usher, nicht Jermaine Jackson, der Bruder, der „Smile“ sang, angeblich Michaels Lieblingslied, nicht der Teenager Shaheen Jafargholi, den Michael Jackson gehört und zu sich eingeladen hatte. Künstler sind Künstler, und so bewegt sie auch waren, spürte man gelegentlich doch die Bühne unter ihren Füßen. Was von der Trauerfeier für Michael Jackson aber bleiben wird - neben der Stille - sind die Reden, in denen der Tote beschworen wurde als Vorbild und Vorkämpfer des schwarzen Amerika.

Queen Latifah zitierte ein paar Zeilen, die Maya Angelou, die Dichterin, für den Toten geschrieben hatte: „We are missing Michael Jackson / but we do know we had him.“ Wir hatten ihn - aber das war ein anderes Wir als jenes, dass alle Fans des Entertainers umschließt, die in den Livebildern aus allen Ecken der Welt immer wieder gezeigt wurden. Dass ein Schwarzer diese Welt bereisen kann, sagte Queen Latifah, hat Michael Jackson mir gezeigt. Du hast uns so viele Türen geöffnet, sagte Magic Johnson. „Er hat niemals aufgehört“, sagte der Bürgerrechtler Al Sharpton, und dass es seinetwegen nicht mehr seltsam sei, Tiger Woods beim Golfspielen zuzusehen, und Oprah Winfrey in ihrer Talkshow. „Einige sind gekommen, um sich zu verabschieden“, so schloß Sharpton, „ich bin gekommen, um danke zu sagen. Danke, Michael.“ Er wiederholte es dreimal. Berry Gordy hatte Michael Jackson den „größten Entertainer aller Zeiten“ genannt. Was Al Sharpton sagte, war nicht weniger pathetisch, aber sicher näher an der Wahrheit.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

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Die Rede des Produzenten Berry Gordy Die Ankunft des Sarges im Staples  Center Der Autokorso der Jackson-Familie