Aktienbewertung

Zahlen sind der halbe Gewinn

Von Dyrk Scherff

Aktienbewertung: Zahlen sind der halbe Gewinn

"Es ist gewinnbringender, einen Tag im Monat über Geld nachzudenken, als 30 Tage dafür hart zu arbeiten." John D. Rockefeller, amerikanischer Ölkonzernbesitzer im frühen 20. Jahrhundert, hatte es leicht, so zu reden, denn er schwamm als der wohl reichste Mann seiner Zeit im Geld. Doch auch ein Kleinanleger sollte regelmäßig Zeit dafür finden - vor allem, wenn er in einzelne Aktien investiert.

Denn interessante, kaufenswerte Titel gibt es fast immer. Man muss sie nur finden. Dazu kann sich der Anleger einer Fülle von Kennzahlen bedienen. Wer weiß, wie er sie zu lesen hat, entdeckt schneller die Perlen, die Kursgewinne versprechen.

Ob eine Aktie günstig ist oder nicht...

Ein Teil dieser Daten wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt die Bewertung der Aktien an der Börse. Sie sagen also, ob ein Papier billig ist. Andere geben Auskunft, ob ein Unternehmen hochrentabel arbeitet. Dazu gehört etwa die Eigenkapitalrendite oder die Umsatzrendite, die errechnet, wie viel Gewinn von den Einnahmen übrigbleibt. Die dritte Gruppe von Kennzahlen wie der Verschuldungsgrad misst, wie gesund die Struktur des Unternehmens ist.

Auf eine Zahl alleine sollte sich der Anleger freilich nicht verlassen. Wichtig ist, mehrere Kennzahlen zu kombinieren, um ein breites Bild von dem Unternehmen zu bekommen. Und es müssen die richtigen Kennzahlen sein: Nicht jede taugt für jede Branche und für jede Aktie.

Hat man gute Kennzahlen gefunden, ist nicht nur deren Höhe interessant. Aufschlussreich ist auch ein Vergleich der Zahlen mit früheren Jahren. Hat sich also das Unternehmen verbessert oder verschlechtert? Unter gewissen Einschränkungen ist auch ein Vergleich mit Konkurrenzunternehmen aus dem gleichen Sektor möglich. Ist die Aktie günstiger als die des Wettbewerbers bewertet?

... hängt von verschiedensten Faktoren ab

Aber Vorsicht: Eine niedrige Bewertung könnte zwar zeigen, dass die Börse das Potential unterschätzt. Sie könnte aber auch gerechtfertigt sein, weil das Unternehmen unrentabler wirtschaftet als die Konkurrenz. Für Privatanleger ist das kaum mehr einzuschätzen, hier ist die Arbeit der Analysten gefragt.

Um die Ergebnisse aussagefähiger zu machen, denken die Experten sich immer weitere Vergleichsgrößen aus. So wird der Gewinn zunehmend ins Verhältnis zum gesamten Unternehmenswert und nicht nur zum Wert der Aktien gesetzt, um auch die Verschuldung über das Fremdkapital berücksichtigen zu können. So verliert das Kurs-Gewinn-Verhältnis an Bedeutung. Auch der Gewinn selbst wird nicht einfach aus dem Quartalsbericht des Unternehmens genommen, sondern noch bereinigt. So werden oft Forschungsaufwendungen hinzugerechnet, weil sie Werte schaffen. Nach Bilanzrecht mindern sie aber den Gewinn.

Bei allen Kennzahlen betonen aber selbst Analysten, dass Anleger sich nie nur auf sie verlassen sollten. Als wichtig gilt auch die Qualität des Managements. Wechselt es etwa zu häufig die Strategie und hält es seine Prognosen ein? Wie verhalten sich die Altaktionäre? Schließlich: Wie wird sich die gesamte Branche entwickeln? Viele Fragen, die Kennzahlen nicht zuverlässig beantworten können.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Bewertung: Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Man teilt den aktuellen Kurs durch den Buchwert je Aktie. Als Buchwert wird dabei das Eigenkapital angesehen. Die Kennzahl zeigt ähnlich wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis an, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.

Bewertung: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Es dividiert den aktuellen Börsenkurs durch den Gewinn je Aktie. Als Gewinn wird dabei der Jahresüberschuss genommen, also nach Steuern. Einige Analysten rechnen mit Gewinnschätzungen für das laufende, andere schon für das kommende Jahr.

Bewertung: Dividendenrendite

Sie stellt die Höhe der Ausschüttung je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Attraktive Größenordnungen hängen vom längerfristigen Zinsniveau ab. Als Kriterium ist sie für Anleger sinnvoll, die auf Ausschüttungen Wert legen.

Bewertung: Börsenwert

Er wird auch Marktkapitalisierung genannt. Er errechnet sich aus der Multiplikation des Kurses mit der Zahl der Aktien des Unternehmens. Die einen nehmen dabei alle ausgegebenen Aktien, andere nur die Zahl der Aktien im Streubesitz, die also nicht im Besitz von Großaktionären sind.

Bewertung: Cash-flow

Er wird auch als Ertragskraft oder als Innenfinanzierungspotential bezeichnet und stellt den Einzahlungsüberschuß dar. Die Zahl zieht von den Einzahlungen, etwa aus Umsatzerlösen und Zinserträgen, die Auszahlungen ab, etwa für Löhne und Material.

Bewertung: Eigenkapitalrendite

Geteilt wird der Nachsteuergewinn einer Gesellschaft durch das Eigenkapital. Für Anleger ist diese populäre Kennzahl wichtig, um zu erkennen, wie effizient ein Unternehmen arbeitet. Es hängt stark von der Branche ab, welche Renditen als gut anzusehen sind.

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