17. April 2009 Wer Bücher für allerkleinste Hände herstellt, tut gut daran, die dickste Pappe zu wählen, den kräftigsten Stift und die klarste Aussage. Im feinen Frankfurter Moritz Verlag weiß man das natürlich, und darum kommt Soledad Bravis Weltdarstellungsbuch Piep, piep, piep äußerst robust und ohne Schnickschnack daher. Auf 55 Doppelseiten stehen jeweils rechts ein Bild und links das dazugehörige Geräusch.
Die Taube macht ruckediguh, lesen wir, während gegenüber der Vogel anmutig das Köpfchen senkt, Der Löwe macht roarr (in dem Fall reicht das mächtige Haupt mit Haarkranz und weit aufgerissenem Maul), Der Kracher macht bum (selten sah man einen Feuerwerkskörper so sinnvoll aufs Wesentliche verdichtet) und so weiter.
Und die schwierigen Fälle?
Natürlich geht es dabei um das, was Kleinkindern sowieso vor die Augen und Ohren kommt, mit solchen Ausnahmen, die sich den Erzählungen der Erwachsenen verdanken: Der Wolf macht oouuuh, Das Gespenst macht huhuu, huhuu, und genauer möchte man es eigentlich gar nicht wissen. In dieser Mischung aber, die neben den zahlreichen Tieren wie selbstverständlich auch Steckdosen (Nein!), Milchfläschchen (mmmh), die Feuerwehr (tatütata) und die Polizei (auch tatütata) miteinbezieht, schärft sich auch der Blick des erwachsenen Vorlesers und Bilderzeigers für den Horizont des eigenen Kindes.
Aber was ist mit den ganz schwierigen Fällen, mit Dingen, die man sieht, aber nicht hört und auch niemals hören wird? Der Fisch macht blub, schön, aber es kommt viel besser: Die Schnecke macht gar nichts, aber bewegt elegant ihre Fühler. Diese Lösung möchte man salomonisch nennen.
Soledad Bravi: Piep, piep, piep. Das Buch der Töne und Geräusche. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2009. 116 S., geb., 12,95 €. Ab 2 J.
Buchtitel: Piep, piep, piep
Buchautor: Bravi, Soledad
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Moritz Verlag