Von Tilman Spreckelsen
18. Juni 2007 Hin und wieder meldet sich Janosch aus dem fernen Teneriffa, wo der Autor und Zeichner seit 27 Jahren lebt. Das ist erfreulich für alle, die seine Bücher mögen, 300 sind es bereits, in 40 Sprachen übersetzt, an einem neuen schreibt er gerade. Das soll Tagebuch eines frommen Ketzers heißen und den Lesern ein wenig Religionsunterricht geben. Vielleicht muss man sich den so vorstellen wie jene Janosch-Zeichnung mit dem Titel Taufe, in der ein Pfarrer einen Täufling mit einem Kreuz malträtiert.
Man mag dies auf die Erfahrungen des jungen Janosch zurückführen, der, 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg geboren, von der frommen Mutter keinen Schutz gegen die Schläge des trinkenden Vaters erhielt. Und es fügt sich zu der Legion religionskritischer Äußerungen Janoschs - etwa Katholisch geboren zu sein ist der größte Unfall meines Lebens - und zur neuesten Wendung in der verwickelten Geschichte, die den Autor mit diversen Verlagen und anderen Verwertern verbindet.
Umsatz von knapp 1,2 Millionen Euro
Janosch, der nach dem Krieg in Nordrhein-Westfalen lebte und als Textilzeichner arbeitete, bevor er nach München ging, um Maler zu werden, wurde in den siebziger Jahren bekannt, nachdem er seine verlegerische Heimat bei Beltz&Gelberg gefunden hatte. Hier erschienen Klassiker wie Oh, wie schön ist Panama oder Janosch erzählt Grimms Märchen, bevor er in den achtziger Jahren zu Diogenes wechselte. Seit einigen Jahren wertet nun eine Janosch Film & Medien AG seine Werke aus, verkauft Lizenzen für Bücher, Filme und Tigerenten und erwirtschaftete damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 1,2 Millionen Euro.
Janosch, ursprünglich Mehrheitsaktionär, hat seine Anteile inzwischen verkauft. Die Rechte an seinen Werken aber hat er im Mai an die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung übertragen. Als Gegenleistung bekommt er 50 Prozent der Einnahmen, teilt die Stiftung mit, sofern es denn je Einnahmen geben wird. Denn das ist der Punkt: Während der Autor behauptet, keine Einkünfte aus seinen Werken zu haben, kann sich Hans Häge, der Vorstand der AG, diese Äußerung nicht erklären. Wenn Herr Janosch ein neues Buch herausbringt, ist er natürlich an den Erlösen beteiligt. Im Übrigen könne der Autor den Vertrag nicht einfach kündigen, die AG sei nach wie vor der Rechteinhaber.
Die Stiftung hat Janosch nun Rechtsanwälte besorgt, die den Vertrag gleichwohl zum 15. Dezember gekündigt haben. Wenigstens für neue Bücher wäre er dann frei, und ob in der Vergangenheit alles mit rechten Dingen zuging, prüfen die Anwälte auch. Inzwischen schreibt Janosch an seinen Memoiren mit dem Titel Beinahe Millionär geworden. Das aber, sagt er, werde er nur schwer bei einem Verlag unterbringen können: Weil ich in diesen 50 Jahren sehr viel weiß über den Missbrauch des Urheberrechts und die straffreie Umleitung der Honorare an den Autoren vorbei.
Text: F.A.Z., 18.06.2007, Nr. 138 / Seite 40
Bildmaterial: dpa
