21. Juli 2007 Die Liebe ist eine schwierige Sache: Man muss zuweilen richtig hinhören, um auch die Zwischentöne zu verstehen, und mit dem falschen Job fällt das schwer. Major Dux zum Beispiel hat viel um die Ohren, seit es ihm über Nacht gelang, die Macht an sich zu reißen. Ein Schriftsteller hat es da leichter. Der hängt den Kopf hinein in die Geräusche vor seinem Fenster und saugt alles in sich auf, mir nichts, dir nichts, und selbst der Minister für Geräusche und Akustik ist einem solchen Mann ein Freund.
Natürlich nur der alte Minister. Mit dem neuen steht Bartolomäus Bob, der Schriftsteller, auf Kriegsfuß: "Tut mir leid", heißt es am Telefon, als er den Freund zu erreichen versucht, just an dem Tag, nachdem Major Dux in der Stadt die Macht übernahm, "der alte Minister ist entlassen und der neue hat zu tun. Er hat gerade die Musik verboten." Und schon nimmt eine kleine Fluchtgeschichte ihren Lauf, eine Musik- und Liebesgeschichte, lakonisch erzählt und altmodisch schlicht mit schwarz-weiß-orangen Illustrationen gestaltet von Martin Baltscheit, der unter anderem schon so witzige Kinder- und Hörbücher vorlegte wie "Gold für den Pinguin", die Story um einen Olympia-Teilnehmer, der wegen unerlaubten Flosseneinsatzes um seine Auszeichnung fürchten musste.
"Major Dux oder der Tag, an dem die Musik verboten wurde", bei dem zu vermuten steht, es könne vor allem auch ein Buch für romantisch veranlagte Erwachsene sein, erschien ebenfalls zunächst als Hörbuch, produziert gemeinsam mit Sandra Weckert am Saxofon. Noch mehr Spaß allerdings macht die Story um einige Jazzfreunde, die sich nach dem Verbot der Musik in die Kanalisation flüchten (darunter ein wachsamer Maulwurf - unser Bild), erst beim Vorlesen. Und beim Vorsingen.
Denn Bartolomäus Bob, den Baltscheit zum eigentlichen Autor kürt, erzählt diese Geschichte nicht nur in einem hinreißend lässigen Tonfall, als sei dies ein amerikanischer Krimi aus Vorkriegsjahren. Vielmehr streut er auch swingende Zeilen seiner Mitverschwörer ein, und die mögen zwar nicht die grandiosesten Lyrics dieser Welt sein, stimmlich aber sind sie für den durchschnittlich begabten Vorleser eine Herausforderung (zumal von Noten und Melodien keine Spur ist).
Was also hat es mit der Musik von Chester Brown auf sich, im wahren Leben übrigens der Name eines kanadischen Cartoonisten? Wer ist Billy, die bezaubernde kleine Schmetterlingsfrau? Und was hat eine kleine Ente mit Schirmmütze vor einem Klavier verloren, in einem Hochhaus mit 88 Stockwerken? "Major Dux" ist eine herzzerreißend schlichte Geschichte in acht Takten. "Wenn es still wär' in der Welt", dichtet Bartolomäus Bob zum Ausklang, "hörte ich Fliegenflügel schlagen, hörte, wie die Lüfte Düfte tragen, wie der Regen in Australien fällt, wenn es still wär' in der Welt." Eine Liebeserklärung, das alles, ohrenberauschend.
MATTHIAS HANNEMANN
Martin Baltscheit: "Major Dux oder der Tag, an dem die Musik verboten wurde!" Erlebt und notiert von Bartolomäus Bob. Boje-Verlag, Köln 2007. 96 S., geb., 14,90 [Euro]. Ab 8 J.
Buchtitel: Major Dux oder der Tag, an dem die Musik verboten wurde!
Buchautor: Baltscheit, Martin
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2007, Nr. 167 / Seite 34
