Christoph Schmitz' Opernführer für Kinder

So spielt die Welt, der Vorhang fällt

Von Tilman Spreckelsen

Christoph Schmitz' Opernführer für Kinder: So spielt die Welt, der Vorhang fällt
24. Juni 2009 

Böswillige Menschen pflegen von der Oper zu sagen, die Sache wäre ja ganz nett, wenn nur das viele Singen nicht wäre. Aus diesem Grund gibt es eine Fülle von Opernführern, die das Erlebnis auf die Handlung reduzieren und helfen, das zu verstehen, was man mangels klarer Artikulation der Sänger oder eigener Italienischkenntnisse nicht versteht.

Was dabei verlorengeht, liegt auf der Hand, und so wird man Christoph Schmitz' Band „Drachentod und Zauberflöte“ besonders schätzen, weil er in seinem Kompendium nicht nur die jeweilige Handlung von Werken wie Verdis „Ein Maskenball“, Puccinis „Tosca“ oder Weills „Dreigroschenoper“ auf den Punkt bringt, sondern auch immer die dazugehörigen musikalischen Ausdrucksmittel bedenkt.

Das klingt dann (wie in „Jenufa“) etwa so: „Doch Jenufa hilft ihr auf. Glänzende Geigenklänge, Flötenranken, Harfenzauber und die Ruhe der Bässe. ,Flucht nicht über sie!', singt Jenufa. ,Verurteilt sie nicht! Gebt ihr Zeit zur Reue! Gott schaut auch auf sie!' So spielt die Welt. Der Vorhang fällt.“ Oder bei Carmen: „Ein Volksfestorchester schmettert seinen Spaß aus dem Graben vor der Bühne, mit Beckenblitz und Trommelschlag, Geigenmarsch und Flötentriller, Tubenstampfer, Glockenspiel. Dann ertönen plötzlich die Trompeten alleine, mit knackigen Tupfern, und darüber die Violinen mit einer Melodie, die nach Stierkampf klingt, nach mutigen Toreros und nach Sieg.“ Immer verbindet sich der akustische Eindruck mit Ansätzen einer Deutung: Von Geigenangst und Cellischmerz ist die Rede und schließlich von „zwei Paukenschlägen, dumpf wie der Tod“.

Keine Scheu vor den großen Themen

Musik einigermaßen vorstellbar in Worten wiederzugeben ist anspruchsvoll genug. Doch Schmitz stellt sich auch einer zweiten Aufgabe mit Bravour: Sein Buch richtet sich an Kinder, mutmaßlich im Vor- bis höchstens Grundschulalter, also an Menschen, die meist nicht nur keine besonders große Opernerfahrung haben, sondern wenn, dann meist mit „Hänsel und Gretel“ traktiert werden oder vielleicht noch mit der (auch in diesem Buch enthaltenen) „Zauberflöte“. Scheu vor den großen Themen kennt Schmitz dabei nicht, wenn schon Oper, dann aber auch bitte Mord und Liebe, Verbrechen und Entsagung, Abstieg ins Totenreich oder die Verschwörung des Adels gegen den rechtmäßigen König.

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Drachentod und Zauberflöte
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Was immer Schmitz tut, er inszeniert. Und dass ihm die angenehm theatralischen Bilder der Leipziger Illustratorin Gerda Raidt zur Seite stehen, ist in diesem so gediegen ausgestatteten Buch, dem auch ein Glossar nicht fehlt, ein Glücksfall. Ihn wird man besonders schätzen, wenn man sich vor Augen hält, wie sehr solche Bilder als Einladung für Kinder wirken, ein neues Buch mit einem Sujet, das über die gewohnte Welt hinausreicht, überhaupt aufzuschlagen. Einen Missgriff tun sie damit nicht.

Christoph Schmitz: „Drachentod und Zauberflöte“. Geschichten von der Opernbühne. Mit Bildern von Gerda Raidt. Klett Kinderbuch, Leipzig 2009. 96 S., geb., 12,90 Euro. Ab 7 J.



Buchtitel: Drachentod und Zauberflöte
Buchautor: Schmitz, Christoph

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Klett Kinderbuch

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