Das Bilderbuch „Hannah in der Zeit der Tulpen“

Gelernt ist eben gelernt

Von Silja von Rauchhaupt

08. Mai 2009 Tulpenschönheit und Tulpenwahn, darum geht es in einem Bilderbuch, das in herrlich prunkvollen Bildern aus dem 17. Jahrhundert in Holland erzählt: „Hannah in der Zeit der Tulpen“ von Deborah Noyes und Bagram Ibatoulline. Hannahs Vater ist ein Amsterdamer Kaufmann, der immer mehr der zeitgenössischen Tulpenspekulation verfällt und sich kaum noch um seine Tochter kümmert.

Schließlich kann sie ihn dann doch für sich gewinnen, indem sie ihm ein Tulpenbild malt. Mit diesem Bild könne man doch Geld verdienen, schlägt sie ihrem Vater vor und rüttelt ihn damit wieder wach – vielleicht ist es aber auch die späte Erkenntnis, dass es neben Geld auch andere Werte im Zusammenleben gibt.

Das Flirren, die Farben, die Lichtregie Rembrandts

Das Buch erzählt aber auch von einer Epoche und ihrer Kunst. Bagram Ibatoulline hat das Kunststück vollbracht, einen Teil des Spektrums holländischer Malerei des 17. Jahrhunderts für diese Erzählung nachzuempfinden. Er malt Interieurs, die an die Gemälde eines Gerard ter Borch, Pieter de Hooch oder Vermeer erinnern, teilweise sogar bis ins kleinste Detail. Damit nicht genug: In der Geschichte taucht Rembrandt – nicht ganz unrealistisch – als Handelsfreund des Vaters höchstpersönlich auf.

Ibatoulline hat Rembrandts Malerei offensichtlich genau studiert, die Bilder folgen jedenfalls seiner Lichtregie, seinen warmen, leuchtenden Farben und seinem flirrenden Pinselstrich. Am beeindruckendsten ist seine Imitation der Landschaftszeichnungen Rembrandts in Sepiatusche auf den Vorsatzpapieren des Buches, die zumindest auf den ersten Blick unter den Originalzeichnungen Rembrandts kein Fremdkörper wären.

Ärgerlich, aber nicht weiter tragisch

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Hannah in der Zeit der Tulpen
von Ibatoulline, Bagram
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An einigen Punkten ist Ibatoulline aber auch übers Ziel hinausgegangen. So ist die Darstellung von Hannah auf einigen Bildern so süßlich geraten, dass sie stilistisch aus dem Rahmen fällt: Mit glänzenden Bäckchen und Zahnpastalächeln strahlt das Mädchen ihrem Vater entgegen. Auch ihre viel zu kleinen Hände erinnern eher an Glanzbildchen als an die teilweise äußerst realistischen Kinderdarstellungen der holländischen Malerei.

Das ist ärgerlich, aber nicht weiter tragisch, vermittelt dieses reich bebilderte, liebevoll erzählte Kinderbuch doch ansonsten eine ganze Menge über das 17. Jahrhundert. Und über Väter sowieso, Tulpen hin oder her.

Deborah Noyes, Bagram Ibatoulline: „Hannah in der Zeit der Tulpen“. Jacoby & Stuart, Berlin 2009. 32 S., geb., 14,95 €. Ab 5 J.



Buchtitel: Hannah in der Zeit der Tulpen
Buchautor: Ibatoulline, Bagram

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Jacoby & Stuart

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