Marjolijn Hofs Kinderroman „Mutter Nummer Null“

Biologisch, das klingt wie Naturreis

Von Eva-Maria Magel

14. Oktober 2009 Wäre Maud nicht, hätte Fejzo nicht gefragt. Er weiß zwar, dass er und seine Schwester An Bing Wa aus anderen Bäuchen stammen als aus dem ihrer Mutter. Die genau weiß, wo sie Fejzo kitzeln muss, die weiß, wie es war, als er sprechen lernte, und die da ist, wenn er Probleme hat. Deshalb hat er die Unbekannte immer „Mutter Nummer Null“ genannt und nicht weiter über sie nachgedacht. Aber kaum hat dieses komische neue Mädchen auf der Spielwiese gehört, dass Fejzo und seine Schwester adoptiert sind, fragt sie, wer Fejzos leibliche Mutter ist. Ob er sein Zeichentalent von ihr hat. Warum er sie nicht sucht. Und plötzlich will er wissen, wer „Mutter Nummer Null“ ist.

Marjolijn Hof, 1956 in Amsterdam geboren, hat mit „Tote Maus für Papas Leben“ 2008 einen vielgelobten Debütroman vorgelegt. Ihr zweites Buch „Mutter Nummer Null“ erzählt, wie der 12 Jahre alte Fejzo beginnt, seine Identität zu suchen – und seine Mutter. Hof bewegt sich dabei weit weg von Büchern zum Thema, die eher märchenhafte Toleranzfibeln oder schlecht verkleidete Selbsthilfebücher sind. Fejzos Suche mag zwar der Hauptstrang der Handlung sein. Doch mit dem Familienalltag, der schwer pubertierenden Schwester, die mit ihrer chinesischen Herkunft ringt, mit ersten Küssen und einem Bösewicht, der sich als arme Seele entpuppt, gelingt es Hof, eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der ihr sensibler, aufmerksamer Ich-Erzähler Fejzo unser Interesse über die Adoptionsgeschichte hinaus gewinnt. Schließlich malen sich alle Kinder irgendwann aus, die Eltern seien nicht ihre „wirklichen“ – nur stimmt es in Fejzos Fall. „Biologische Mutter“ nennen seine Eltern die Unbekannte, was Fejzo an Naturreis und Bioladen erinnert.

Ein Strudel von Fragen und neuen Gefühlen

In Einschüben beschreibt Hof Fejzos Tagträume von einer Mutter, die von Tierzeichnungen ebenso begeistert ist wie er selbst, seine Angst, eine der scheußlichen Mitreisenden im Vorortzug könne „Mutter Nummer Null“ sein. Und die Erwartung, die echte Mutter werde ihn auch auf der Straße sofort erkennen, ist für ihn, natürlich, kein Klischee. Durch Mauds Neugier gerät Fejzo in einen Strudel von Fragen und neuen Gefühlen, die dazu führen, dass er seine Mutter durch ein Büro suchen lässt.

Die Beschreibung dieses Prozesses, der Gespräche mit den verständnisvollen Eltern und der Spannungen, die durch Fejzos Fragen entstehen, machen „Mutter Nummer Null“ durchaus zu einem hilfreichen Buch über den Umgang älterer Kinder mit ihrer Adoption. Gleichzeitig erzählt Hof den Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Aufklärung und der Hoffnung, alles möge so bleiben, wie es immer war, als Adoleszenzgeschichte. Ihr Stil ist schlicht, szenisch, fast brüchig, die Sprache präzise und, in der Übersetzung von Meike Blatnik, von hoher Qualität. Der Humor ist Hofs Sache zwar nicht. Ein bleischweres Betroffenheitsbuch ist „Mutter Nummer Null“ dennoch nicht geworden – sondern ein ernster, einfühlsamer Kinderroman.

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Mutter Nummer Null
von Hof, Marjolijn
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Marjolijn Hof: „Mutter Nummer Null“. Roman. Verlag Bloomsbury Berlin, Berlin 2009. 140 S., geb., 12,90 €. Ab 12 J.



Buchtitel: Mutter Nummer Null
Buchautor: Hof, Marjolijn

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bloomsbury Berlin

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