11. Juni 2007
Der 25-jährige Volkswirt Thomas Eisenbach hat alle Aufnahmehürden genommen und promoviert im zweiten Jahr an der Princeton University - eine der acht Top-Unis im Nordosten der USA.
Damit du dich später nicht darüber ärgerst, es nicht wenigstens versucht zu haben - das war mein Gedanke, als ich mich für eine Promotionsstelle an den berühmten Universitäten in den USA bewarb. Allzu große Chancen habe ich mir nicht ausgerechnet, denn auf die 20 bis 25 Plätze in einem Graduiertenprogramm pro Jahrgang melden sich 600 bis 800 Studenten aus der ganzen Welt. Entsprechend verblüfft war ich, als dann zwei Monate später tatsächlich die Zusage kam.
Eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, dazu habe ich mich erst gegen Ende meines VWL-Studiums in München entschlossen. Genauer gesagt im Hauptstudium, wo ich in den Seminaren wirtschaftswissenschaftliche Paper kritisch bearbeiten und vorstellen musste. Da habe ich dann gemerkt, dass es mir einfach sehr viel Spaß macht, mitzudenken und mitzudiskutieren, und so habe ich denn auch den Entschluss gefasst, nach dem Diplom zu promovieren. Warum ich schließlich in Princeton gelandet bin? Das hat mit meiner Uni und deren Austauschprogramm mit der University of Wisconsin in Madison zu tun. Im Hauptstudium können Münchener Studenten für ein Jahr am dortigen PhD-Programm (der Ph. D. - lateinisch Philosophiae Doctor - ist im anglo-amerikanischen Studiensystem die Entsprechung des deutschen Doktors) teilnehmen. Als ich dann schon mal bei den US-Unis war, habe ich mir mehr aus Neugier auch gleich noch die Seiten der Unis mit den großen Namen angeschaut und nachgelesen, wie deren PhD-Programme aufgebaut sind: Harvard, Yale und eben auch Princeton. Dass die Bewerbung für ein volles Graduiertenprogramm geklappt hat, war natürlich ein Glückstreffer. Man muss keine Studiengebühren bezahlen und erhält zudem ein Stipendium. Die Unis haben alle sehr ausführliche Seiten mit Informationen zu den Aufnahmekriterien im Internet, und auch die Bewerbung läuft komplett anhand eines Online-Formulars ab. Dort muss man alle Noten eintragen, die man jemals im Studium bekommen hat.
Boot camp wird hier das erste Jahr der Graduate-Studenten genannt - wie die Rekrutenausbildung beim Militär mit Schlammrobben und Gewaltmärschen.
Unbedingte Voraussetzung, um an einer US-Uni an einem Master- oder PhD-Programm teilnehmen zu können, ist das Bestehen des Graduate Record Examination (GRE). Spezielle Lehrbücher helfen bei der Vorbereitung auf die Aufgaben, bei denen Englischkenntnisse, aber auch logisches Denken und mathematisches Wissen abgefragt werden. Die Tests werden regelmäßig in verschiedenen Städten Deutschlands angeboten. Ich selbst habe ihn in München geschrieben. Das Entscheidende für die Bewerbung sind allerdings die Empfehlungsschreiben von Professoren der Heimat-Uni. Da die amerikanischen Universitäten das deutsche Notensystem kaum kennen und so die Studienleistung nur schwer einschätzen können, orientieren sie sich stark an dem, was die Professoren über die Bewerber schreiben. Zwei bis drei Empfehlungsschreiben werden von den meisten Unis verlangt. Darin müssen die Professoren angeben, woher sie den Studenten kennen, wie sie dessen Leistung einschätzen und wie sie meinen, dass der Student in den USA zurechtkommen werde.
In dem Semester, in dem ich mich für die USA beworben habe, habe ich in München die Vorlesung eines Austauschprofessors aus Yale gehört. Eines meiner Empfehlungsschreiben kam von ihm - das war natürlich super für mich. Ich habe mich dann einfach überall beworben, wo ich es mir vorstellen konnte, zu promovieren. Neben den zwölf Top-Unis in den USA gehörte dazu auch die London School of Economics.
Zwei Monate nach dem Bewerbungsschluss im Dezember sollten dann die Zu- und Absagen eintreffen. Das Warten vor dem Stichtag des 15. Februars war fürchterlich. Der erste Brief kam von der University of California in Los Angeles. Ich hatte zur Sicherheit die Adresse meiner Eltern in Sindelfingen angegeben, meine Mutter hat mit mir am Telefon den Umschlag aufgemacht und war total aufgeregt. Eine Zusage und ein gutes Stipendienangebot. Von da an ging es Schlag auf Schlag, die meisten Antworten kamen per Mail und waren Zusagen. Die Angebote wurden immer besser, und ehrlich gesagt: Ich war total baff: Zwar hatten MIT, Harvard und Berkeley abgesagt, aber ansonsten hatte ich nur Zusagen mit unterschiedlichen Stipendienangeboten bekommen.
Nach einiger Zeit bekommt hier jeder einen kleinen Lagerkoller.
Mit der Zusage erhielt ich auch immer gleich die Einladung zum Tag der offenen Tür. Dabei gibt es eine Tour über den Campus, und man kann sich mit den Professoren unterhalten. Ich habe mir insgesamt vier Unis angeschaut: neben Princeton die New York University, Stanford und Yale. Das heißt natürlich auch Reisekosten, aber alle Unis haben wenigstens einen Teil der Reisekosten übernommen. Es war schon komisch - während des Bewerbungsverfahrens waren die Unis eher kühl, fast schon abweisend. Wurde man aber angenommen, bekam man ständig in E-Mails versichert, was man schon alles geleistet hat und wie man die Uni mit seiner Anwesenheit bereichern würde. Da mich vor allem Mikroökonomie interessiert, waren Stanford und Princeton für mich die besten Kandidaten. In Princeton hat mir das Klima gut gefallen, und außerdem ist es deutlich näher an Deutschland und damit auch an meiner Freundin, die in München lebt. Die Entscheidung ist mir so letztendlich ziemlich leicht gefallen.
Nachdem ich mir zuvor beim amerikanischen Konsulat in Frankfurt am Main mein Studentenvisum besorgt hatte, konnte es im August 2005 in Princeton losgehen. Zwei Wochen vor dem eigentlichen Semesterbeginn stand für uns neue Doktoranden erst einmal ein Mathetest auf dem Programm. Viele meiner 24 Kommilitonen haben Mathematik studiert, und dennoch haben mit mir 20 den Test nicht bestanden. Die folgenden zwei Wochen habe ich also damit verbracht, im Intensivkurs meine Lücken zu schließen.
Das PhD-Programm hier ist so aufgebaut, dass wir im ersten Jahr alle zusammen fest vorgegebene Kurse in Mikro- und Makroökonomie und Ökonometrie absolvieren. Im zweiten Jahr kann man sich dann eigene Spezialgebiete wählen, und ab dem dritten Jahr arbeiten wir am eigenen Paper und halten Übungen für die Undergraduate- Studenten. Bis zum Abschluss vergehen so vier bis fünf Jahre.
Boot camp wird hier das erste Jahr der Graduate-Studenten genannt - wie die Rekrutenausbildung beim Militär mit Schlammrobben und Gewaltmärschen, und das trifft es ganz gut. Im ersten Jahr sollen erst einmal Grundlagen geschaffen werden. Im Prinzip haben wir noch einmal mein ganzes VWL-Studium wiederholt, nur eben in einem Viertel der Zeit. Dabei merkt man dann relativ schnell, an welchen Stellen noch Lücken sind. Jede Woche gab es neue Übungsblätter. Die Aufgaben darauf sind so schwer, dass sie einer alleine eigentlich nicht lösen kann. Also habe ich mit meinen Kommilitonen quasi jeden Abend bis 23 Uhr zusammen daran gearbeitet. Es war eine völlig neue Erfahrung zu merken, wie stark man aufeinander angewiesen ist. Daraus hat sich unter den Doktoranden ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt - was neben dem neuen Fachwissen ein großer Gewinn ist. Unter den Teilnehmern herrscht eine total kollegiale Atmosphäre; sicherlich auch deshalb, weil unter denen, die es einmal in das Programm geschafft haben, keine Selektion mehr stattfindet.
Viel Zeit für großartige Freizeitaktivitäten bleibt zumindest im ersten Jahr nicht. Allerdings fällt die Konzentration auf die Uni auch nicht allzu schwer, da Princeton ein ziemliches Kaff ist. Zwar bietet die Uni auch viele Aktivitäten abseits des Studienbetriebs - vom Tangokurs bis zum Strick- oder Bibelkreis ist da für jeden etwas dabei. Aber nach einiger Zeit bekommt hier jeder einen kleinen Lagerkoller, glaube ich. Einmal im Monat muss man deshalb definitiv nach New York City fahren, das zum Glück nur eine Zugstunde von Princeton entfernt ist. Wer mag, kann auch dafür auf das Rundum-Angebot der Uni zurückgreifen. Regelmäßig gibt es organisierte Ausflüge, Shuttle-Service Princeton - New York City - Princeton inklusive. So habe ich mir zum Beispiel das Musical König der Löwen am Broadway angeschaut und war in der Metropolitan Opera.
Zu Beginn meiner Zeit in Princeton habe ich in einem der Wohnheime für Graduate Students um-geben vom örtlichen Golfplatz gewohnt. Vor einigen Monaten bin ich aber mit zwei Freunden in eine Wohnung am Rande des Campus gezogen. Bis zum Hörsaal sind es auch von dort aus nur sieben Minuten mit dem Fahrrad. Insgesamt ist das Leben in Princeton nicht gerade billig, weil hier viele reiche Leute leben. Für mein WG-Zimmer bezahle ich rund 500 Dollar im Monat, und für meinen Wocheneinkauf gebe ich zwischen 50 und 70 Dollar aus. Insgesamt komme ich mit dem Stipendium ganz gut zurecht - große Sprünge kann man sich damit aber nicht leisten.
Ich bin sehr gespannt, wie es ab dem nächsten Sommer wird. Im dritten Jahr werde ich anfangen, für meine Doktorarbeit zu forschen. Während man in Deutschland eine große Monographie schreibt, sind es hier ein großes und mehrere kleine Paper. Mein Promotionsthema steht noch nicht fest, denn anders als in Deutschland muss man sich nicht mit einer konkreten Themenstellung bewerben, sondern hat mehr als zwei Jahre Zeit, eine solche zu entwickeln. Neben der Forschung muss ich außerdem Übungen in VWL für die Undergraduate-Studenten halten, mit denen ich aber bisher wenig zu tun hatte. Denn Undergraduate- und Graduate- Studenten haben jeweils eigene Wohnheime und insgesamt ein getrenntes soziales Leben. Außerdem sind die meisten Studienanfänger Mitglieder in einem der sogenannten eating clubs, in die Graduate-Studenten nicht eintreten können. In diesen Clubs, die alle an einer Straße liegen, essen sie zu Mittag und Abend. Manche davon sind sehr elitär, und man kann erst nach dem Bestehen einer Aufnahmeprüfung - zum Beispiel nackt in kaltes Wasser - Mitglied werden. Die typischen Initiationsrituale, die man aus verschiedenen Filmen kennt, gibt es hier also tatsächlich.
Das Faszinierende an Princeton ist für mich dieses Gefühl, ganz nah an der tagesaktuellen Forschung dran zu sein. Jeden Tag kann es passieren, dass mit mir im Seminar die Leute sitzen, deren Paper und Lehrbücher ich in München gelesen habe. Da diskutiert man dann schon mal mit berühmten Wissenschaftlern wie Paul Krugman oder Ben Bernanke, dem jetzigen US-Notenbankchef. Obwohl sie zu den Besten der Welt gehören, haben die Professoren hier keinen Fürstenstatus. Man kann einfach zu ihnen hingehen und mit ihnen reden. Das Gefühl, ein Teil dieser akademischen Welt zu sein, ist faszinierend.
INFOS IM INTERNET
Unter dem Motto Meet the USA hat die US-Botschaft in Deutschland umfassende Informationen über das US-amerikanische Hochschulsystem, die Aufteilung in Undergraduate und Graduate, Zulassungsvoraussetzungen, notwendige Tests, Stipendien und Visa-Informationen zusammengestellt: http://www.us-botschaft.de/germany-ger/austausch/index.html
Eine übersichtliche Liste aller Universitäten und Colleges sortiert nach den US-Bundesstaaten hat die University of Texas ins Netz gestellt: http://www.utexas.edu/world/univ
Das US Department of State, Bureau of Educational and Cultural Affairs bietet auf seinen Internetseiten Informationen zum Studium in den USA, besonders zu Formalitäten zur Einreise und Aufenthalt an. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Broschüren zum Herunterladen und eine umfangreiche Linkliste: http://educationusa.state.gov
Über das Fächerangebot der einzelnen Hochschulen kann man sich in den Datenbanken von Peterson informieren http://www.petersons.com
Die Princeton University stellt sich und ihr Graduiertenprogramm vor: http://www.princeton.edu
WEITERE INFOS
Die US-spezifischen Seiten des Deutschen Akademischen Auslandsdiensts (DAAD) informieren nicht nur über Studienmöglichkeiten für Deutsche in den USA, sondern geben auch eine Vielzahl von praktischen Tipps zu Unisuche, Bewerbungen und Leben vor Ort. Unter dem Button Förderungsmöglichkeiten findet sich auf den Seiten der Zugang zu einer Datenbank, in der man nach Stipendien suchen kann: http://www.daad.de
Die Fulbright-Kommission vergibt Stipendien zur Finanzierung der Studiengebühren und Lebenshaltungskosten an einer amerikanischen Hochschule - allerdings nur für einen begrenzten Studienaufenthalt http://www.fulbright.de
Über dubiose Stipendienangebote informiert die Federal Trade Commission und Finaid http://www.ftc.gov/bcp/conline/edcams/scholarship http://www.finaid.org/scholarships/scams.phtml
Auf den Seiten des Educational Testing Service gibt es ausführliche Informationen und die Anmeldeformulare zu den einzelnen Tests wie TOEFL oder GRE: http://www.ets.org
Auch die Studienberatung der Fachhochschule Hannover hat auf ihren Seiten viele nützliche Informationen und Tipps rund ums Studium in den USA zusammengestellt: http://usa.fh-hannover.de