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Von Alexandra Knittel




10. Dezember 2007 
Christina Rann schildert sehbehinderten Stadionbesuchern die Fußballspiele des Hamburger Sportvereins.

„Drei, zwei, eins - los!“ Auf das Kommando von Christina Rann erheben sich sieben Männer von ihren blauen Schalensitzen und reißen die Arme in die Höhe. Zusammen mit den etwa 50.000 anderen Fußballfans lassen sie „La Ola“, die Welle, durch das Stadion des HSV kreisen. Dabei können die sieben weder das Spektakel auf den Rängen noch das Spiel auf dem Platz sehen, denn sie sind blind. Trotzdem wissen sie genau, wie der letzte Pass aussah und wer gerade am Ball ist. Denn Christina sitzt eine Reihe weiter vorn und beschreibt es ihnen.

Die 25-jährige Studentin der Sportwissenschaften ist mit einem Mikrofon ausgestattet und schildert zusammen mit einem Kommilitonen das gesamte Spiel exklusiv für Sehbehinderte. Die lauschen über Kopfhörer gebannt ihren Worten. Seit vier Jahren ist Christina Reporterin des Projekts „Mit den Ohren sehen“, das die Universität Hamburg gemeinsam mit dem HSV initiiert hat. „Unser Ziel ist es, den Sehbehinderten eine bessere und intensivere Wahrnehmung des Fußballspiels vor Ort zu ermöglichen“, erklärt die Studentin, die später als Journalistin arbeiten möchte. Ihr Reporterhandwerk hat sie in Seminaren und durch Ausprobieren gelernt. „Ich habe mir auch immer wieder die Bundesliga-Konferenz im Radio angehört und gemerkt, wie wichtig eine bildhafte Sprache ist, um das Spiel im Kopf entstehen zu lassen.“

Nach ihren ersten Reportagen gab es Feedback von den Blinden. Schnell wurde klar, welche Beschreibungen funktionieren und welche nicht. „Jeder kann sich den Bogen vorstellen, den eine Bananenflanke fliegt. Bei einem Zuckerpass hingegen fehlt das klare Bild“, berichtet Christina. Wenn ihre Zuhörer nach dem Spiel rege über die Partie diskutieren, weiß sie, dass ihre Arbeit gut angekommen ist. Die Hamburgerin hat durch das Projekt nicht nur viel über Live-Reportagen gelernt, sondern auch eine Menge über den Umgang mit Blinden. Einmal verdeckten ihr einige Fans mitten im Spiel die Sicht. „Jetzt sehe ich gerade nichts“, lautete ihr Kommentar. „Frag mich mal“, kam es prompt von hinten zurück, gefolgt von lautem Gelächter. Wie peinlich, dachte Christina zuerst, dann steckte das Lachen an. „Blinde sehen ihre Behinderung oft ziemlich entspannt.“

http://www.hispojo.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: privat