16. Mai 2006
Für viele Geisteswissenschaftler beginnt das böse Erwachen nach dem Studium. Dann nämlich, wenn sich die Frage aufdrängt: Wie soll es jetzt weitergehen? Wenn der Start ins Berufsleben nicht auf Anhieb klappt oder es mit dem beruflichen Weiterkommen hapert, weil es den Breitgebildeten an Spezialwissen fehlt, können weiterführende Studiengänge neue Perspektiven eröffnen.
Für Geisteswissenschaftler kommen zunächst all jene Angebote in Frage, die explizit angeben, daß ein abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium für den jeweiligen Studiengang qualifiziert. Häufig sind dies Programme mit europäischem oder internationalem Bezug, so etwa der Euromasters, an dem sechs europäische Universitäten in fünf Städten beteiligt sind, darunter die FU und die HU Berlin; oder der Studiengang Europäische Integration in Hannover.
Andere weiterführende Studienangebote sind fachlich völlig offen und setzen lediglich ein erfolgreich beendetes Erststudium voraus. Insbesondere Medieninteressierte finden gleich mehrere solcher Offerten (zum Beispiel den Masterstudiengang Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin oder den Journalismus-Master an der Universität Mainz). Private Anbieter von Public-Relations-Ausbildungen (siehe hierfür zum Beispiel die Homepage der Deutschen Public Relations Gesellschaft ( http://www.dprg.de ) oder die Seiten der Gesellschaft Public Relations Agenturen ( http://www.pr-guide.de ) machen ebenfalls häufig keine fachlichen Vorgaben.
Auch MBA-Programme sind nicht auf Ökonomen beschränkt. Es gibt Angebote für Absolventen aller Fachrichtungen (zum Beispiel den MBA in General Management an der International School of Management in Dortmund) und sogar Offerten, die sich ausdrücklich an Absolventen nicht-betriebswirtschaftlicher Fächer richten (zum Beispiel den MBA an der Fachhochschule Gießen-Friedberg). Typischerweise wird bei MBA-Programmen jedoch mehrjährige Berufserfahrung vorausgesetzt. Bei der AKAD Fernhochschule muß man als Hochschulabsolvent dagegen lediglich 20 Wochen berufspraktische Erfahrung vorweisen, um den Aufbaustudiengang BWL zu belegen. Dieser richtet sich explizit an Nicht-Betriebswirte.
Nicht vergessen: Ob ein Studienangebot in Frage kommt, hängt nicht nur von den fachlichen Voraussetzungen ab. Es kann auch qualitative Hürden geben. Dann müssen zum Beispiel bestimmte Notendurchschnitte erreicht oder bestimmte Sprachkenntnisse vorhanden sein - manchmal muß sogar eine Zulassungsprüfung bestanden werden.
Darüber hinaus sollte man bedenken, daß ein zusätzlicher Abschluß nicht unbedingt nur Vorteile bringt. Ein weiteres Studium direkt im Anschluß ans Erststudium erhöht das Alter, mit dem man ins Berufsleben startet. Zudem kann eine Spezialisierung, wie sie weiterführende Studiengänge bieten, zwar die Jobchancen steigern - sie kann aber auch einengend wirken. Nicht zuletzt gehen viele Angebote ins Geld. Eine Alternative kann es sein, zuerst ins Berufsleben einzusteigen und sich später berufsbegleitend oder Vollzeit auf dem entsprechenden Gebiet weiterzuqualifizieren. Viele weiterführende Studiengänge setzen sogar Berufserfahrung voraus. In jedem Fall sollte man ehrlich prüfen, ob das angestrebte weiterführende Studium tatsächlich das eigene Profil stärkt oder nicht vielleicht doch eher als Notlösung herhalten soll.