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Chancengleichheit, das war einmal Interview: Offenbar ist es politisch gewollt, dass nur noch jene Minderheit studiert, die es sich leisten kann. Von Mischa Täubner 
18. Juni 2007 Konstantin Bender ist im Vorstand des fzs, des Dachverbandes der Studierendenvertretungen in Deutschland. Er erklärt, warum viele Studenten so vehement gegen die Studiengebühren protestieren.
? Herr Bender, durch die Studiengebühren entstehen für den einzelnen Studenten rund 80 Euro Mehrkosten im Monat. Tun die wirklich so weh? : Auf jeden Fall. Viele brechen sogar ihr Studium ab. Oder fangen gar nicht erst an zu studieren. Dass die Studiengebühren abschrecken, zeigt sich beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Die Hochschulen erleben dort einen massiven Rückgang der Studierendenzahlen. Insgesamt studieren dort 13.000 weniger als vor der Einführung von Studiengebühren. Offenbar ist es politisch gewollt, dass nur noch jene Minderheit studiert, die es sich leisten kann. ? Sie zeichnen das Bild des armen Studenten. Schaut man sich auf dem Campus der Unis um, sieht man modisch gekleidete junge Menschen, die fast alle ein Handy haben. Und viele fahren Auto. Jammern die Studenten nicht auf sehr hohem Niveau? : Nein, auf keinen Fall. Es gibt eine kleine Gruppe, denen geht es sehr gut; die verfügen über 900 oder 1.000 Euro im Monat, die sie von ihren Eltern bekommen. Aber bei der Masse sieht es anders aus. Zwei Drittel der Studenten muss nebenbei jobben, um sich das Studium überhaupt leisten zu können. Was Handys und Autos angeht: Wenn der gesamtgesellschaftliche Wohlstand wie in Deutschland anwächst, ist es völlig legitim, dass auch Studenten daran teilhaben und nicht leben wie vor 50 Jahren. Zum andern sind Handy und Auto für viele keine Luxusgüter. Von Studenten, die jobben, wird häufig erwartet, dass sie gut erreichbar sind. Und da es nicht überall Semestertickets für den öffentlichen Nahverkehr gibt, sind viele Studenten in strukturell schwachen Regionen auf ein Auto angewiesen. ? Laut den jüngsten Sozialerhebungen kommen deutsche Studenten in der Regel nicht aus armem Hause. Die meisten stammen aus einer Akademikerfamilie. Warum sollten die vom Staat unterstützt werden? : In der Tat haben wir ein in sozialer Hinsicht hochselektives Bildungssystem. Aber es ist zynisch, damit die Einführung von Studiengebühren zu rechtfertigen. Das Ziel müsste vielmehr sein, dafür zu sorgen, dass eben nicht nur die Reichen studieren können. In Sonntagsreden betonen unsere Politiker ja auch, wie wichtig es wäre, die Akademikerquote in Deutschland zu erhöhen. Aber sie tun alles dafür, dass das Gegenteil passiert. ? Wären Sie mit Studiengebühren einverstanden, wenn gleichzeitig sichergestellt würde, dass begabte junge Menschen aus unteren Schichten dadurch nicht vom Studieren abgehalten würden? : Ich möchte mit Adorno antworten: Es gibt nichts Gutes im Schlechten. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jeder in diesem Staat profitiert davon, wenn es in Deutschland viele akademisch gebildete Menschen gibt, nicht nur die Studenten selbst. Diese gemeinschaftliche Aufgabe auf den Einzelnen abzuwälzen ist ein politisches Fiasko. Text: Hochschulanzeiger Nr. 91, 2007
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