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Welche Jobbörse ist die richtige?

Von Anne Jacoby




19. Juni 2006 
Stundenlang durch Jobbörsen klicken, und doch ist nichts Passendes dabei? Das nervt. Eine Studie der FH Koblenz zeigt jetzt, welche Unternehmen wo am häufigsten ausschreiben und welches Portal die beste Trefferquote für den Traumjob bietet.

Klar: Online-Stellenmärkte gehören heute zur Jobsuche dazu. Doch längst nicht alle Börsen bieten die richtigen Jobs für Absolventen. Und nicht alle zeigen tatsächlich die Jobs an, die sie suchen. Zwei aktuelle Studien nehmen das Profil und die Qualität verschiedener Jobbörsen unter die Lupe. Aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: Die Studie „Jobbörsen im Vergleich“, die unter der Leitung von BWL-Professor Christoph Beck an der FH Koblenz durchgeführt wurde, analysiert den Markt aus der Sicht der Stellensucher. Dazu wurden Ende 2005 bei sechs Jobbörsen jeweils 600 Stellenanzeigen per Zufallsprinzip ausgewählt und ausgewertet. Die „Jobbörsenstudie März 2006“ der Hamburger Rating-Agentur Profilo hat 205 Personaler nach ihrer Einschätzung gefragt - sie nimmt also die Perspektive der Unternehmen ein.


Wer sollte wo suchen?
Gleich vorab: Der Markt sortiert sich. „Insbesondere die großen Stellenbörsen verzeichnen Zuläufe bei den Anzeigenschaltungen“, erklärt Profilo-Geschäftsführerin Ute Stümpel. Die kleineren, spezialisierten Portale würden hingegen weniger genutzt. Insgesamt steige die Bekanntheit der Jobportale und die Erfolgsquote bei der Rekrutierung via Online-Ausschreibung. Akademischer Führungsnachwuchs steht mit 17 Prozent aller Anzeigenschaltungen auf Platz drei der Kandidaten, die am stärksten online rekrutiert werden. Am häufigsten werden Technische und Kaufmännische Angestellte gesucht (jeweils 22 Prozent).

Laut FH Koblenz sollten Führungskräfte vor allem bei Jobware oder Jobscout24 nach Stellenangeboten suchen: Hier sind 20,17 bzw. 19 Prozent aller Stellen auf Manager mit Personalverantwortung zugeschnitten. Auch qualifizierte Fachkräfte werden am ehesten bei Jobware fündig: Mit einem Anteil von 54 Prozent sind hier sogar mehr als die Hälfte aller Stellen an „Professionals“ adressiert. Traineestellen werden insgesamt selten ausgeschrieben. Am häufigsten findet man sie bei Jobscout24 (4,33 Prozent). Wer einen Praktikumsplatz sucht, sollte bei Jobpilot klicken: Hier richten sich fast ein Drittel (28 Prozent) aller Inserate an Praktikanten.

Ingenieure und Absolventen technischer Berufe surfen am besten bei Jobware - hier gibt es die meisten Jobs für diese Zielgruppe (34,5 Prozent aller Angebote). Wer einen Job in der ITK-Branche sucht, ist bei StepStone richtig (18,67 Prozent). Vakante Positionen in Vertrieb, Marketing und Medien häufen sich bei Jobpilot (26,17 Prozent), sind aber auch bei Stellenanzeigen.de (25,17 Prozent) und Jobscout24 recht stark vertreten (22 Prozent).

Wer inseriert wo?
Die Studie der FH Koblenz zeigt eine klare Zuordnung: DAX-Unternehmen bevorzugen Jobware (24,67 Prozent der Anzeigen), Personalberatungen schalten hauptsächlich bei Jobscout24 (70,83 Prozent), Zeitarbeitsfirmen sind bei StepStone (13,67 Prozent) besonders stark vertreten, während Nicht-DAX-Unternehmen ihre Anzeigen gerne bei Monster (66,83 Prozent), Jobware (65,33 Prozent) und Jobpilot (63,5 Prozent) plazieren.

Jobstairs, das Arbeitgeberportal der 30-Dax Unternehmen, wurde von den Koblenzern nicht bewertet. Profilo konstatiert dieser Jobbörse „eine herausragende Stellung am Markt durch die Beteiligung nur namhafter deutscher Großunternehmen“. Besonders geschätzt werde der übersichtliche und klare Aufbau, die Konzentration auf die Kernfunktionen einer Jobbörse und der gemeinsame Austausch über Personalthemen. Da die Bewertungen durch teilnehmende Jobstairs-Unternehmen erfolgten, kann dieses Ergebnis laut Profilo allerdings als „Eigenbewertung“ betrachtet werden.

Laut Profilo-Studie finden die Personaler insgesamt Jobstairs am besten (Note 2,1) - dies gilt aber als „außer Konkurrenz“, da es sich um eine reine Arbeitgeber-Jobbörse handelt. Auf Platz zwei folgt Jobware (2,10). Eine Börse mit „hohem Qualitätsanspruch“, die „daher viele qualifizierte Kandidaten und einen positiven Bewerbungsrücklauf“ bringt, so die Studie. Jobpilot (2,43) folgt auf Platz drei. Den Zusammenschluß mit der Jobbörse Monster beurteilen die Befragten allerdings negativ. Profilo berichtet von „Unsicherheit“ seit der Fusion und davon, daß einige Teilnehmer einen „Qualitätsverlust“ empfinden.

Wo gibt's die besten Treffer?
„In diesem Bereich bestehen zwischen den einzelnen Anbietern größere Unterschiede“, kommentiert Prof. Beck von der FH Koblenz. Sein Forscherteam hatte jeweils die Schnellsuchfunktion der Jobbörsen getestet, und zwar für 15 verschiedene Jobprofile.

Die Anzahl der angezeigten Jobs wurde ins Verhältnis zu den genau passenden Treffern gesetzt. Insgesamt erzielte Jobware die höchste Trefferquote (85,92 Prozent), gefolgt von Monster (81,22 Prozent), Jobscout24 (65,77 Prozent), Jobpilot (63,66 Prozent) und StepStone (61,89 Prozent). Betrachtet man die Ergebnisse im einzelnen, ergeben sich gravierende Unterschiede: Jobware erreicht Spitzenwerte von 100 Prozent für Sales Manager und 96 Prozent für Consultants. Auffallend miserable Werte erreicht StepStone für Sales Manager (4,71 Prozent) und Jobscout24 für Geschäftsführer (4,58 Prozent). Juristen scheinen es schwer zu haben: Hier schneiden die meisten Stellenbörsen eher mäßig ab; nur Monster findet Jobs für Rechtsanwälte recht sicher (80,95 Prozent).

Text: Hochschulanzeiger Nr. 85, 2006
Bildmaterial: C. Fellehner, Labor