17. Dezember 2009
Business-Knigge 
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Sinologie studiert und dann?

Der Reiseveranstalter

Von Mechthild Bruns




10. Dezember 2007 
Nach dem 11. Schuljahr hat Christof Gebhardt (Jahrgang 66) hingeschmissen. Zivildienst hat er noch gemacht. Dann ist er losgereist. Mit der Transsibirischen Eisenbahn an den Pazifik, per Schiff weiter nach Japan, von wo aus er nach China übersetzte. Verständigt hat er sich anfangs mit Händen und Füßen, mit der Zeit schnappte er immer mehr Brocken Chinesisch auf. Das war 1988.

Monate später kehrte er wieder nach Deutschland zurück - er wollte Sinologie studieren. Dafür holte er erst einmal das Abitur nach und schrieb sich 1991 an der FU Berlin ein. Sinologie, Politologie, Soziologie. Zwei Semester lernte er Chinesisch, besuchte Seminare und ging 1994 für zwei Auslandssemester an die Uni Chengdu in der Provinz Sichuan. China lässt ihn seither nicht los. Der Zufall wollte es, dass Gebhardt kurz nach seiner Rückkehr davon erfuhr, dass ein kleiner Berliner Reiseveranstalter dringend Reiseleiter für Radtouren durch China suchte. Zusammen mit seinem ebenfalls weit gereisten Kommilitonen Volker Häring (37) übernahm er den Job. Wir haben das bis 2001 gemacht, uns zunehmend selbst um die Organisation und Werbung gekümmert, und irgendwann war klar: Wir können das auch alleine, erinnert er sich. Sie gründeten ihre China by Bike Gebhardt und Häring GbR.

Das Sinologiestudium nahm damit für beide ein abruptes Ende. Stattdessen suchten und erprobten sie neue Routen und Unterkünfte für Radtouren. Tour um Tour entwickelten sie ihr Unternehmen weiter. Heute sind 21 Radtouren im Angebot, mal Auf den Spuren des Drachen, mal Zu Sichuans heiligen Bergen oder Entlang der Seidenstraße. Die Teilnehmer legen 500 bis 1.000 km zurück und radeln von Hotel zu Hotel. Die Zahl der Buchungen steigt stetig, so dass die Gründer heute elf Reiseleiter auf Honorarbasis beschäftigen. Fast alle studieren Sinologie oder haben es studiert. Interessierte können sich gerne bei uns melden, sagt Gebhardt.

http://www.china-by-bike.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: privat