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Das ist ja mal wieder typisch: Die Fotografin

Von Christoph Koch




10. Dezember 2007 
Sagen Sie uns, was Sie tun, und wir sagen Ihnen, wer Sie sind. Zwei weitere Beispiele aus unserer Typenkunde:

Die Fotografin: Fragt man den Freundeskreis der Fotografin, was sie am meisten an ihr schätzen, so fällt stets sehr früh der Begriff „unkonventionelle Art“. Denn die Fotografin sieht gar nicht ein, warum sie irgendwann zu alt sein sollte für den Lebensstil, mit dem sie sich so gut arrangiert hat: Knietief im Dispokredit waten, schmalhüftige Jungen mit Haaren vor den Augen aus der Indie-Disko mit nach Hause in ihr WG-Zimmer zu nehmen und das Altglas erst wegbringen, wenn die Küchentür, hinter der es lagert, nicht mehr aufgeht. Ihre Freundinnen, die nach und nach anfangen, zu heiraten, Kinder zu kriegen und Häuser zu bauen, straft sie mit stiller Verachtung. Und wehe, eine dieser „Verräterinnen“ kommt am Wochenende einmal an, um einen wilden „Frauenabend“ zu verleben! „Für solche geregelten Fluchten aus der Neubausiedlungsidylle stehe ich nicht zur Verfügung“, simst die Fotografin dann mit einer Schärfe zurück, die ihr selbst fremd ist. Aber am Wochenende ausgehen findet sie eh langweilig, da sind schließlich nur die Vorstädter unterwegs.

Die Fotografin hat keine Lust, sich „vom ewigen Materialismus fertigmachen zu lassen“. Ihr Apple Powerbook und ihre Hasselblad-Kamera sind die einzigen weltlichen Besitztümer, die ihr etwas bedeuten. Wenn sie dennoch manchmal in Versicherungszentralen oder Bankgebäude gehen muss, um für einen lukrativen „Brotjob“ zu fotografieren, geht sie anschließend ausgiebig duschen - oder in den Kellerclub ihres Vertrauens, um sich dort ein Konzert einer Band anzusehen, die keiner ihrer Freunde kennt, die die Fotografin aber verehrt, seit sie die Musiker „damals auf dem Hurricane-Festival am Nachmittag auf der Nebenbühne“ gesehen hat.

Das legt sie im Supermarkt in ihren Korb:
Vitaminbrausetabletten und Räucher-Tofu

So macht sie mit ihrem Partner Schluss:
betrunken und mit einer großen Szene

Das macht sie auf dem zehnjährigen Abiturtreffen:
Fotos - wobei sie beim anschließenden Abzügebestellen (“Und für mich noch zweimal die 13“) beginnt, ihren Jahrgang noch mehr zu hassen als vorher

So verbringt sie eine Party, auf der sie niemanden kennt:
tanzen, tanzen, tanzen - und scheinbar unabsichtlich in die halbvollen Bierflaschen von „Tussis“ aschen, die sie nicht leiden kann

Das hält sie für schön:
Flohmarktmode und die Bilder von Jürgen Teller (“Natürlich nur die frühen“)

Ihr Lieblingsgetränk:
Wodka und Bionade (mal getrennt, mal gemischt)

Das hängt über ihrem Bett:
Ein von einer Plakatwand abgerissenes Filmposter des verjährten Club-Exzess-Films „Studio 54“

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: Dana Zimmerling