30. Oktober 2006 Als Branche ist die MSR-Technik aufgrund ihrer ausgesprochen heterogenen Anbieter- und Kundenstruktur schwer greifbar. Doch dient sie in vielen Industriebereichen als Schlüssel zu Wachstum, Effizienz und Beschäftigung.
Meß-, Steuer- und Regeltechnik (MSR-Technik) ist aus industriellen Produktionsprozessen nicht wegzudenken. In modernen Anlagen und Kraftwerken bilden Tausende Sensoren samt Datennetz zur Leitwarte ein fein verästeltes Nervensystem, dessen Informationen Grundlage automatisierter Prozesse sind. Die Sensorikbranche ist hierzulande von der Feinmechanik mit ihren sehr kleinen innovativen Betrieben geprägt, beschreibt der Fachverband für Sensorik AMA (Arbeitsgemeinschaft Meßwert-Aufnehmer) die Branche, die er vertritt. Lange lag es am Geschick geübter Feinmechaniker, das Know-how von Physikern und Ingenieuren in feinfühlige Meßgeräte zu übersetzen. Die Ingenieure verknüpften die Sensorelemente, Verstärkerelektronik, Anzeigen, Regler und Aktoren dann zu Meß-, Steuer- und Regelketten. Inzwischen haben massenhaft gefertigte Halbleiter die feinmechanischen Sensoren weitgehend verdrängt. Doch auch nach dieser technischen Revolution liegt das Know-how der Systemintegration laut AMA vor allem bei den kleinen ehemals feinmechanischen Betrieben.

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Ihre kurzen Entscheidungswege und schnelle Reaktionsmöglichkeit auf neue Marktentwicklungen gelten als Erfolgsrezept der deutschen Sensortechnik im globalen Wettbewerb. Etwa ein Drittel der Produktion geht direkt ins Ausland, doch der Verband schätzt, daß die tatsächliche Exportquote deutscher Meßsysteme bei 60 bis 70 Prozent liegt, weil viele Kunden aus dem Inland ihrerseits exportieren. Ähnlich unscharf bleibt die Statistik bei der Beschäftigung. Laut AMA produzieren und vertreiben schätzungsweise 700 deutsche Unternehmen industrielle Meßsysteme. Bei ihnen selbst und in ihrem direkten Umfeld arbeiten demnach 210.000 Beschäftigte. Doch die Grenzen der MSR-Technik-Branche verschwimmen um so stärker, je mehr man versucht, sie zu definieren.
Gehören Anlagenbau, Automobil- und Automationsbranche oder Wassertechnik dazu? Schließlich nutzen und entwickeln sie Sensorik und Aktorik samt hinterlegten Systemen oft selbst, und teilweise ist es gerade die Intelligenz dieser Systeme, an denen sich die Wettbewerber unterscheiden lassen. Es handelt sich bei MSR-Technik also um eine typische Schlüsseltechnologie, die Wachstum, Effizienz und Beschäftigung in vielen industriellen Bereichen ermöglicht. Aber deshalb sind Siemens, ABB oder Linde natürlich noch keine Unternehmen der MSR-Technik-Branche.
Beschränkt sie sich also auf Betriebe, die Armaturen, Regler oder Gas-, Druck-, Füllstands- oder Durchflußmesser (um nur eine paar gängige Sensoren zu nennen) für jede erdenkliche Nischenanwendung entwickeln, fertigen und vertreiben?
Welche der vielen kleinen und mittleren Unternehmen tatsächlich Bedarf an Fachkräften haben, ist schwer herauszufinden.
Der Markt ist für Anbieter und Kunden gleichermaßen unübersichtlich, räumt der AMA ein. Bleibt zu ergänzen: für Bewerber ebenfalls! Zwar soll die deutsche Sensorik laut Verbandsstatistik jährlich 2 bis 3 Prozent Beschäftigungszuwachs verzeichnen, was der Verband in 4.000 bis 8.000 (!) neue Stellen übersetzt. Doch welche der vielen kleinen und mittleren Unternehmen tatsächlich Bedarf an Fachkräften haben, ist schwer herauszufinden. Auf vielen Webseiten fehlt jeglicher Hinweis auf Einstiegsmöglichkeiten - und wo gesucht wurde, richtete sich das Gesuch selten an Hochschulabsolventen.
Deshalb wurden für diesen Schwerpunkt auch Intensivanwender von MSR-Technik in die Recherche einbezogen. Wo es sich anbietet, werden klassische, mittelständische MSR-Unternehmen vorgestellt. Etwa Pepperl+Fuchs. Im Bereich der Prozeßautomation haben die Mannheimer einen klingenden Namen, doch als Komponentenhersteller im Hintergrund sind sie unter Hochschulabsolventen nicht so bekannt, wie die großen Prozeßautomatisierer ABB und Siemens Automation & Drives. Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich um qualifizierte Einsteiger sehr viel mehr bemühen; gerade wenn sie Ingenieure mit seltenen Vertiefungsrichtungen suchen.
Dazu zählt auch das Unternehmen Enviro-Chemie, das als Spezialist für industrielle (Ab-)Wasseraufbereitung eine enorme Bandbreite an biologischen, chemisch-physikalischen und membrantechnologischen Verfahren bietet, die in ganz verschiedenen Branchen zum Einsatz kommen. Die Aufgaben reichen von der Planung und dem Bau der Anlagen über die (Weiter-)Entwicklung neuer Verfahren bis zu Vertrieb, Service und Wartung. Entsprechend vielfältig sind die Stellenprofile. Mit einer 08/15-Blindbewerbung kommt man bei uns meist nicht weit, resümiert Sagawe.
Ein ganz anderes Bild bei den großen Unternehmen wie Siemens oder dem Anlagenbau der Linde AG: Angesichts von 7.000 Bewerbern jährlich reagiert beispielsweise Dr. Stefan Liese, Personalleiter bei Linde Engineering, auf die Frage nach telefonischer Vorrecherche reserviert: Also wenn ich ehrlich bin: lieber nicht. Solche Telefonate blieben meist auf der Ebene von Allgemeinplätzen. Dafür sind Blindbewerbungen bei Linde durchaus willkommen. Laut Liese stellt sich in der Regel sowieso erst im Gespräch heraus, ob und wie ein Bewerber ins Unternehmen passe.
Auch die Leittechnik moderner Kraftwerke und verfahrenstechnischer Anlagen stützt sich auf eine permanente meßtechnische Überwachung sämtlicher Prozesse, Leitungen, Tanks und Aggregate. Ob bei Linde Engineering, Dürr Environmental, in der Kraftwerkssparte von Siemens, ob bei ABB oder bei Siemens Automation & Drives: Das Personal ist im voll- automatischen Betrieb praktisch nur noch dazu da, die automatisierten Kontroll- und Regelsysteme zu kontrollieren. Mit Umweltschutz hat das erst auf den zweiten Blick zu tun: Einerseits arbeiten Anlagen im automatischen Betrieb effizienter, weil intelligente Software ineffiziente Betriebsphasen auf ein Minimum reduziert. So kann Leittechniksoftware in Kraftwerken viel exakter als ein Mensch dosieren, zu welchem Zeitpunkt wie viel Brennstoff eingeblasen wird. Derart optimierte Verbrennungsprozesse sparen Energie, senken den Ausstoß an Klimagasen, und darüber hinaus entstehen dabei weniger Luftschadstoffe. Zudem hat die Automatisierung weitere ökologische Vorteile. Seit Sensorsysteme die Kontrolle über die Anlagen übernehmen, sinkt die Zahl der Unfälle und Leckagen. Sensoren bemerken früher als der Mensch, wenn irgendwo Gase oder Flüssigkeiten austreten, und rechnergestützte Steuerungen machen weniger Fehler.
Wer jetzt glaubt, Maschinen, Roboter und Computer würden alle Arbeit erledigen und es bliebe für junge Akademiker nichts übrig, der irrt. Gerade die deutschen Prozeßautomatisierer und Anlagenbauer erfreuen sich dank der intelligenten Leittechnik und der überlegenen Effizienz ihrer Anlagen bester Auftragslage und stellen ein. Bei unseren Recherchen haben wir Hunderte offene Stellen ausgemacht - allein Siemens Power Generation sucht 500 neue Mitarbeiter, und die Kollegen von Automation & Drives melden weitere 250 offene Stellen. Auf den folgenden Seiten berichten Personalchefs und Recruiter, welche Wege junge Fachleute in ihr Unternehmen führen und welche Richtungen sie dort einschlagen können.
Die VDI/VDE-Gesellschaft Meß- und Automatisierungstechnik (GMA) hat unter http://www.vdi.de/gma einen Studienführer Meß- und Automatisierungstechnik zusammengestellt, der unter anderem versucht, das Begriffswirrwar zwischen Automationstechnik, Prozeßleittechnik, Prozeßmeßtechnik, Meßtechnik, Regeltechnik und Steuerungstechnik historisch zu erklären und aufzudröseln. Das ist durchaus wichtig, weil oft nur feine begriffliche Nuancen zwischen sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen der Studiengänge liegen. Daneben gibt der Studienführer Einblicke in verschiedene Berufsbilder aus dem Bereich der Automation. Die GMA führt auf ihren Webseiten zudem wichtige, regelmäßig aktualisierte Branchentermine auf, Kongresse, Messen, Tagungen. Gute Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen und sich ein Bild von der Stoßrichtung einzelner Unternehmen zu machen.
Empfehlenswert ist die VDE-Jobbörse unter http://www.vde.com/Allgemein/Themen/VDE-Jobboerse, die auf die Schlagworte Meß-, Automations- oder Verfahrenstechnik seitenweise Jobangebote liefert ...
WICHTIGE MESSEN:
Interkama
16. - 20. April 2007 auf der Hannover Messe
Electronica
11. - 17. November 2006 in München
Sensor + Test
22. - 24. Mai 2007 in Nürnberg