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Zankapfel Bachelor

Ein Wegweiser durch den Debattendschungel

Von Nadja Kirsten



20. März 2006 
Schon bald werden die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse der Normalfall an deutschen Hochschulen sein. Doch was Studenten und Absolventen dann erwartet, dazu gibt es immer noch die unterschiedlichsten Prophezeiungen.

Worum dreht sich die Diskussion?
Deutschland erlebt zur Zeit die umfassendste Hochschulreform seit den 70er Jahren. Die Einführung gestufter Abschlüsse (Bachelor, Master) ist dabei das bekannteste, aber beileibe nicht das einzige Element. Neu sind zum Beispiel auch die Zusammenfassung von Lehrveranstaltungen zu thematischen Modulen, studienbegleitende Prüfungen und die Einführung eines Leistungspunktesystems. In einem sogenannten „diploma supplement“ sollen zudem die im Studium erbrachten Leistungen mit den jeweiligen Noten aufgeführt werden, um dem Abschlußzeugnis mehr Aussagekraft zu verleihen. Diese und weitere Reformen sind oft mitgemeint, wenn vom neuen Bachelorsystem die Rede ist. Oft werden sie auch unter dem Schlagwort „Bologna-Prozeß“ zusammengefaßt. 1999 hatten die Bildungsminister von 29 europäischen Staaten in Bologna beschlossen, bis 2010 einen sogenannten „einheitlichen europäischen Hochschulraum“ zu schaffen, und entsprechende Reformmaßnahmen formuliert. Die Ausgestaltung und Umsetzung der Bologna-Prinzipien geschieht in den einzelnen Staaten. Im Streit um die deutsche Studienreform wird mal auf den einen, mal auf den anderen Aspekt Bezug genommen.

Wer sind die Befürworter?
Hinter der Studienreform in Deutschland stehen die Bundesregierung und die Landesregierungen. Letztere treiben die Umsetzung allerdings mit unterschiedlichem Nachdruck voran und unterscheiden sich auch bei der Bewertung von Einzelfragen. Darüber hinaus wird die Reform unter anderem vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, vom Wissenschaftsrat und von der Hochschulrektorenkonferenz unterstützt. Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände begrüßt die Umstellung auf das gestufte System ebenfalls. Mit der Erklärung „Bachelor Welcome“ haben sich führende deutsche Unternehmen (darunter die Deutsche Bahn, BMW, BASF, die Deutsche Telekom) hinter die neuen Abschlüsse gestellt. Bei den Verbänden findet die Reform beispielsweise beim Verein Deutscher Ingenieure, beim Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau und beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie Unterstützung.



Von wem kommt Kritik?
Kritik kommt aus unterschiedlichen Richtungen. So melden sich zahlreiche Verbände und Fachvertreter zu Wort, wenn es um die Umstellung in „ihren“ Fächern geht. Ins Visier gerät dabei häufig die Vorgabe, den Bachelor zum Regelabschluß zu machen. So sprechen sich zum Beispiel der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen und die Deutsche Gesellschaft für Psychologie für den Master als Normalfall aus. Dasselbe gilt für die Deutsche Physikalische Gesellschaft. Die Arbeitsgemeinschaft der 24 Technischen Universitäten und Hochschulen in Deutschland betont ihrerseits, in den Ingenieurwissenschaften müsse der Master der Regelabschluß sein und qualitativ mindestens dem Diplom entsprechen. Der Bund Deutscher Architekten fordert ein insgesamt zehnsemestriges Studium für alle, die reguläre Architekten werden wollen. Befürchtet wird allseits, daß die Politik den Übergang ins Masterstudium stark begrenzen könnte. Der „freie zusammenschluss von studentinnenschaften“ (fzs), zu dessen Mitgliedern verschiedene ASten und Studentenräte gehören, begrüßt zwar die Bologna-Ziele, kritisiert aber die deutsche Umsetzung. Die Umstellung sei vielerorts schlecht vorbereitet; zudem würden durch harte Zugangsvoraussetzungen insbesondere beim Master Bildungschancen abgebaut. Der Deutsche Hochschulverband, in dem rund 20.000 Hochschullehrer organisiert sind, warnt in unterschiedlichen Zusammenhängen vor Qualitätseinbußen durch das neue Studiensystem. Eine eigene Diskussion dreht sich um die Staatsexamensstudiengänge wie Medizin, Jura oder Lehramt. Für diese Studiengänge sollen besondere Regelungen gefunden werden. Organisationen wie der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Anwaltsverein und der Deutsche Juristen-Fakultätentag, aber auch der Deutsche Hochschulverband fürchten dennoch, die Qualität der Ausbildung könne leiden. Darüber hinaus bezweifeln Kritiker, daß es für Bachelorabsolventen in diesen Fächern sinnvolle Berufsbilder gibt.

Pro und Contra
Was für den Bachelor spricht: Was für den Bachelor spricht
Und was dagegen: Was gegen den Bachelor spricht

Text: Hochschulanzeiger Nr. 83, 2006