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Europas neue Astronauten Die Vier fürs All
Die Europäische Raumfahrtagentur Esa sucht Astronauten - ein so seltenes wie verlockendes Stellenangebot. Am Montag endet die Frist. Personalchef Frank Danesy steht vor einem Berg von Bewerbungen. Jetzt muss er sieben. Herr Danesy, Sie stellen Forschung auf der internationalen Raumstation ISS in Aussicht oder eines Tages sogar wieder bemannte Missionen zum Mond. Das lässt doch sicherlich Tausende träumen? Na klar, das ist absolut so, aber es soll auch ein Traum mit beiden Beinen fest auf dem Boden sein. 20.000 bis 50.000 Bewerber für vier Plätze, so war die Erwartung. Ist es dabei geblieben?
Naja, wir hatten eine enorme Zahl von Klicks auf unserer Bewerberseite im Internet, aber wir haben ja ausdrücklich formale Hürden aufgestellt, zum Beispiel die flugmedizinische Untersuchung, die mit eingereicht werden musste. Die Zahl der qualifizierten Bewerber fällt fünfstellig aus, rund 10.000 schätze ich im Moment. Machen sich die Bewerber ein realistisches Bild davon, was sie erwartet? Die, die sich gut vorbereiten, haben schon eine Vorstellung davon, worauf sie sich einlassen. Aus den Lebensläufen, die ich schon gesehen habe, geht das hervor. Viele haben sich intensiv mit der bemannten Raumfahrt befasst.
Zum dritten Mal erst nach 1978 und 1992 hat die Esa ein Auswahlverfahren in Gang gesetzt. Warum so selten? Das Korps der Esa umfasst zurzeit 8 Astronauten, in der Spitze waren es mal 14, eine kleine Gruppe. Zum Vergleich: Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa beschäftigt etwa 100 Astronauten. Wir haben eine einfache Rechnung gemacht: Wie viele Flugmöglichkeiten ergeben sich für europäische Astronauten? Deshalb haben wir entschieden, dass wir vier weitere Astronauten ausbilden müssen. Die anderen sind zum Teil schon lange dabei und haben das Alter erreicht, in dem sie über andere Aufgaben nachdenken können. Wie lange kann man denn Astronaut bleiben?
Die Altershöchstgrenze liegt bei 60 Jahren. Aber niemand fliegt so lange. Das sind alles Multi-Talente, wenn sie einige Flüge gemacht haben, werden sie meist hochrangige Manager. So wie Thomas Reiter, der kurze Zeit nach seinem Langzeitflug Mitglied im Vorstand des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums geworden ist. Oder Michel Tognini als Chef des Europäischen Astronautenzentrums. Sie werden die Frauen und Männer psychologischen Tests unterziehen. Wie sehen die aus? So genau möchte ich das noch nicht ausführen, aber es wird um Psychomotorik gehen, Hand-Augen-Koordination, Intelligenz, Konzentration, Emotionalität, logisches Denken. In einer zweiten Runde geht es um Soft Skills: Belastbarkeit, Teamfähigkeit. Die erste Etappe wird Ende Juni beginnen und bis Mitte September dauern, die zweite Etappe dauert bis November.
Die Astronauten werden Monate im All isoliert sein, droht Ihnen als Personalchef dasselbe Schicksal, um die vielen Bewerbungen bearbeiten zu können? Nein nein, so schlimm ist es nicht. Die Astronauten-Division und der Personalbereich arbeiten eng zusammen. Wir prüfen zuerst den professionellen Hintergrund der Kandidaten. Wie sieht ihr Studienabschluss aus: Ingenieure, Mediziner, Naturwissenschaftler. Sind Test- oder Militärpiloten darunter? Fließendes Englisch ist ein Muss, Russisch ein Vorteil. Kerngesund müssen die Kandidaten natürlich auch sein. Legen Sie mal diese Kriterien an Ihre Bekannten an. Da reduziert sich schnell der Kreis. Wie viele Bewerber werden Sie zur Auswahl einladen?
Wir fangen an mit 700 bis 1000 Kandidaten für die psychologischen Tests. Im ersten Schritt kommen wir schon auf 200 runter. Ganz am Ende des Prozesses, im nächsten Jahr, wählen wir vier Rekruten aus den 40 besten aus. Sind Ihre Tests besonders gnadenlos? Sie sind hochgradig relevant für die Tätigkeit, nicht einmal übermäßig anspruchsvoll, aber besonders wirkungsvoll darin offenzulegen, was wir gerade herausfinden wollen. Aus welchen Ländern stammen die Interessenten?
Das ist weit gestreut, und die Zahlen entsprechen der Bevölkerungsverteilung in der EU. Die meisten kommen also aus Deutschland, gefolgt von Franzosen, Spaniern und Italienern. Müssen Sie einen Proporz berücksichtigen? Nein, und die Wahrscheinlichkeit, dass unter den letzten 40 die vier besten alle aus einem Land stammen, ist gleich Null. Alle Länder haben exzellente Hochschulen. Wie viel verdient man als Astronaut? Wir bieten bei der Esa als zwischenstaatliche Organisation sehr attraktive Vertragskonditionen. Das anfängliche monatliche Grundgehalt für Astronauten beträgt zwischen 4540€ und 5140€, netto übrigens. Nach der Grundausbildung steigt es auf 5600€ bis 6340€, nach den Raumflügen kann es auf 6510€ bis 7370€ steigen. Es gibt kostenlose Gesundheitsversorgung, Betriebsrente, 40-Stunden-Woche, 30 Tage Urlaub, dazu regelmäßiger Heimaturlaub für die Auslandseinsätze in Amerika oder Russland, die mehrere Jahre dauern können. Wann schicken Sie Ihre Absagen und Einladungen los? Wenige Tage nach dem Bewerbungsschluss an diesem Montag. Wir wollen sehr schnell die Unterlagen sichten, wir haben es ein bisschen eilig. 2012 sollen unsere Leute fliegen können. Die Gespräch führte Thomas Reinhold Bildmaterial: AFP, dpa, ESOC, REUTERS
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