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Theorie und Praxis

Personaler, schlag nach bei Stock-Homburg!

Von Isabell C. Krone*




08. April 2008 
Alles was Sie schon immmer über Personalarbeit wissen wollten, aber nie zu fragen wagten: Die BWL-Professorin Ruth Stock-Homburg hat am Fachbereich für Marketing und Personalmanagement der TU Darmstadt hat ein Fleißwerk abgeliefert. Das neue Lehrbuch „Personalmanagement“ taugt zum Studium Generale, es verrät nicht, was unter HR-Managern gerade angesagt ist. Praktiker werden Arbeitshilfen, Checkllisten, Beispiel vermissen, aber auf 754 Seiten sind in neuer und klar strukturierter Form geballte Analysen dessen zusammengetragen, was seit den 60ziger Jahren zum Thema Personal veröffentlicht wurde.

Alle Theorien und Hintergründe werden ausführlich beleuchtet. Das Buch eignet sich hervorragend zur wissenschaftlichen Grundlagenforschung und zum Nachschlagen. Aus Sicht einer Praktikerin im Personalmanagement verfehlt es jedoch in der vorliegenden Form klar seine Wirkung als geeignetes Ausbildungsinstrument für den Nachwuchs im Personalwesen.

Beeindruckendes Literaturverzeichnis

Professor Dr. Ruth Stock-Homburg

Während auf die wissenschaftlichen Theorien ausführlich eingegangen wird, gefolgt von klar strukturierten Prozessbeschreibungen, fehlen verwertbare Erkenntnisse, Durchführungsbeschreibungen oder Hinweise. Vielmehr reihen sich die Zitate vieler Autoren aus der Betriebswirtschaft oder der Soziologie aneinander, gefolgt am Ende eines jeden Kapitels von Seiten eines beeindruckenden Literaturverzeichnisses, von denen jedoch im Kapitel selbst nur ein Bruchteil Verwendung gefunden hat.

So fehlen zum Beispiel im Kapitel 8 (Beurteilungssysteme) die notwendigen Hinweise, wie ein gutes Beurteilungssystem aufgebaut sein muss und welche Schritte zu beachten wären; wie die Schritte von der Stellenbeschreibung - Kompetenzprofil über die Analyse zur Beurteilung, mit der Konsequenz der Definition von Maßnahmen - Umsetzung und Evaluation derselben. Ebenso fehlt zum Beispiel im Kapitel 9 (Vergütungssysteme) der Hinweis, wie Leistung ganz konkret und nachvollziehbar gemessen werden kann und sollte, welche Art von Leistungen quantifizierbar und welche qualifizierbar sind. Außerdem fehlen in der Wirtschaft übliche Durchführungsmodalitäten.

Der Leser, der ein umfassende theoretische Einführung in das Thema Personalmanagement sucht, wird mit diesem Lehrbuch fündig und die Autorin hat die Analyse aller verfügbaren Ansätze und Theorien in brillanter Weise in ein Werk gepackt. Für den Praktiker fehlen jedoch die Management Summary - und die Zeit, 754 Seiten gesammeltes Wissen zu lesen.

Mit dem Menschenbild des 21. Jahrhunderts abgleichen

Der Autorin möchte ich raten, die Verwendung des Vokabulars „Personalfreisetzung“ und „Belohnungssysteme“ mit dem Menschenbild des 21. Jahrhunderts abzugleichen. Die nächste Auflage des Lehrbuch Personalmanagements, „das Buch der neuen Generation“, wie Professor Michel E. Domsch es in einem freundlichen Begleitwort nennt, sollte einer leistungsstarken, serviceorientierten und personen- und systemorientierten Generation von Personalern durch einen höheren Praxisbezug stärker entgegenkommen. So kann es dann doch zur Ausbildung der nächsten Generation von Personalern dienen.

Ruth Stock-Homburg, Personalmanagement. Theorien, Konzepte, Instrumente. Gabler Verlag: Wiesbaden 2008.

* Die Autorin ist seit 1999 Direktorin Personal bei der Tele Atlas Deutschland GmbH und verantwortlich für Personalentwicklung, Personalbetreuung, Personalbeschaffung und strategische Personalarbeit in Deutschland, Österreich und Schweiz. Die Diplom-Psychologin ist Mitglied im Fachbeirat der Zeitschrift Personalwirtschaft, Mitglied des Programmkomitees HR Forum CeBIT und Vorstandsmitglied der Initiative Wege zur Selbst GmbH e.V.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Archiv, TU Darmstadt
 
 
   
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