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Motivation Chefs entdecken Öko-Flotten Von Christoph Hus
Viele Mitarbeiter des Düsseldorfer Energieversorgers Eon müssen sich nicht selbst ein Auto kaufen, um morgens zur Arbeit zu kommen. Den Wagen stellt stattdessen das Unternehmen - gegen einen Teil des Bruttogehalts. Mehr als 1000 Eon-Angestellte nehmen an dem Programm schon teil. Und beide Seiten profitieren: Die Mitarbeiter kommen in den Genuss der günstigen Einkaufskonditionen ihres Arbeitgebers und brauchen sich um Inspektionen, Reparaturen und Versicherungen nicht selbst zu kümmern, denn das übernimmt ein Flottendienstleister. Eon seinerseits spart mit der Gehaltsumwandlung Lohnnebenkosten und kann seine Angestellten motivieren. Wie Eon stellen viele Unternehmen ihren Angestellten Dienstwagen - oft sogar dann, wenn diese die Autos für die Tätigkeit gar nicht brauchen. Schließlich gelten sie als beliebtes Statussymbol: Mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer wünscht sich einen Dienstwagen, bei Angestellten unter 30 sind es sogar 70 Prozent, ergab eine Emnid-Umfrage. Kein Wunder, dass mehr als jeder zweite Arbeitgeber in Deutschland inzwischen Dienstwagen als Motivationsinstrument einsetzt. Früher galt eine einfache Regel
Früher galt im Zusammenhang mit Dienstwagen eine einfache Regel: Je höher ein Mitarbeiter in der Hierarchie des Unternehmens angesiedelt war, desto teurer und stärker motorisiert durfte sein Auto sein (Teurer Mitarbeiter, teures Auto). Inzwischen unterliegen die Mitarbeiter vieler Unternehmen weiteren Beschränkungen: Denn immer mehr Unternehmen wollen Autos anschaffen, die umwelt- und klimaschonend sind. Dieses Ziel verfolgen 65 Prozent der Flottenmanager in Unternehmen, fand die Leasinggesellschaft Arval in einer Umfrage unter 400 Firmen heraus. "Viele Unternehmen bieten ihren Dienstwagennutzern bereits Anreizsysteme zur verstärkten Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge an", sagt Matthias Striegel, Leiter des Bestandskundengeschäfts von Arval. Und rund die Hälfte der Befragten glaube, dass das Thema weiter an Bedeutung gewinnen werde. Das wichtigste Auswahlkriterium sei die Öko-Bilanz eines Wagens aber in keinem der befragten Unternehmen, sagt Holger Fischbach, Geschäftsführer von Deutsche Leasing Fleet: Selbst solche Arbeitgeber, die ihre Angestellten bereits dazu anhalten, umweltschonende Modelle auszuwählen, schauten zunächst auf den Preis. Zuletzt immer häufiger ein Diesel Noch vor wenigen Jahren spielten Umweltaspekte in den Dienstwagenordnungen von Unternehmen ohnehin keine Rolle. Die Flottenmanager legten oft lediglich fest, welche Mitarbeiter Anspruch auf einen Dienstwagen haben und wie teuer die Autos von Angestellten bestimmter Hierarchiestufen sein durften. Allenfalls die Auswahl an Marken und Modellen war beschränkt - den Rest entschieden die Mitarbeiter. Zuletzt haben Unternehmen für ihre Angestellten verstärkt Fahrzeuge mit Dieselmotoren angeschafft. Dienstwagenordnungen, die Dieselfahrzeuge zur Pflicht machen, zählen mittlerweile zum Normalfall. Ausschlaggebend dafür waren meist Kostenargumente. Jetzt wollen viele Unternehmen einen Schritt weitergehen - auch um sich einen Öko-Anstrich zu geben. "Geringe Kohlendioxidemissionen sind ein imageförderndes Instrument, besonders bei großen Unternehmen", sagt Matthias Striegel. Kurzfristige Erfolge versuchen sie zum Beispiel mit Schulungen und Bonussystemen für Mitarbeiter zu erzielen: Fahrertrainings oder Belohnungen fürs spritsparende Fahren gehören zu den Klassikern. Hybrid wird beliebt Zudem verstärken wirtschaftliche Aspekte den Öko-Trend, prophezeit Ryjan Rutgers, Geschäftsführer von Athlon Car Lease Germany: "Bisher hatten Fuhrparkmanager keinen wirtschaftlichen Grund, ihre Mitarbeiter auf den Öko-Pfad zu bringen." Doch die geplante Besteuerung des Kohlendioxidausstoßes von Kraftfahrzeugen von 2009 an werde die Situation verändern. "Mit der Begrenzung der Auswahl auf Modelle mit geringer CO2-Emission und reduziertem Kraftstoffverbrauch können Flottenbetreiber die Kosten am effektivsten senken", sagt Rutgers. Die neue Steuer heizt auch das Interesse an alternativen Antriebsmethoden an, weiß Kerstin Kallmann von der Berliner Energieagentur. Sie berät Flottenbetreiber im Rahmen des Projekts "Sauberer Fuhrpark", das von der Berliner Senatsverwaltung gefördert wird, beim Umstieg auf neue Fahrzeugantriebe. "Mit der Diskussion um die CO2-Steuer und mit steigenden Treibstoffpreisen ist das Interesse an wirtschaftlichen, neuen Lösungen gewachsen", berichtet Kallmann. "Unternehmen möchten sich rechtzeitig vertraut machen mit den Antrieben der Zukunft." Welche neuartigen Antriebe sich durchsetzen werden, ist unklar. Länger erprobt und weit verbreitet sind nur Erdgasmotoren, die sich allerdings für Fernfahrten nicht eignen. Hinzu kommen Techniken wie Flüssiggas, Biogas, Biodiesel, Bioethanol, Wasserstoff und sogenannte Biokraftstoffe der zweiten Generation, die aus Pflanzenresten gewonnen werden. Oder doch lieber nur Öko-Labels? Massentauglich sind Hybridantriebe, die über einen herkömmlichen Verbrennungsmotor und einen zusätzlichen Elektromotor verfügen. Diese Verbindung soll besonders im Stadtverkehr mit geringem Verbrauch und leisem Fahrgeräusch punkten - und mit ihrem Öko-Image auch Flottenbetreiber begeistern. Noch spielen neuartige Antriebe auf dem Flottenmarkt aber nur eine untergeordnete Rolle, weiß Matthias Striegel von Arval. Stattdessen vertrauten Unternehmen lieber auf Öko-Labels der Hersteller. Leasinganbieter unterstützen ihre Kunden inzwischen auch mit speziellen Softwarelösungen bei der Wahl geeigneter Fahrzeuge. So zeigen die Programme der großen Anbieter, mit denen Firmenmitarbeiter ihre Dienstwagen konfigurieren können, etwa die CO2-Werte der Fahrzeuge an. Und Unternehmen können bestimmte Wagen, die besonders große Mengen des Gases ausstoßen, von vornherein ausschließen. Mit strengen Klimaregeln in ihren Dienstwagenordnungen müssten Unternehmen aber vorsichtig umgehen, warnen Experten: Wer die Auswahlmöglichkeiten allzu sehr einschränkt, verprellt die Angestellten. Denn viele legen großen Wert auf spezielle Marken und eine bestimmte Fahrzeuggröße. Schreibt die Dienstwagenordnung statt großer Limousinen klimafreundliche Kleinwagen vor, ist die Motivation schnell dahin. Text: F.A.Z.Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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