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Büropsychologie Mein Chef, die Nervensäge Von Friederike Haupt
1. Eingestehen, dass etwas nicht in Ordnung ist Verhält sich Ihre gute Laune am Wochenende proportional zur verbleibenden Zeit bis Montagmorgen? Dann haben Sie vielleicht nicht nur ein Problem mit dem frühen Aufstehen, sondern auch mit einigen unangenehmen Zeitgenossen im Büro. Wer das einfach hinnimmt, womöglich die innere Kündigung vollzieht und nur noch frustriert dem Feierabend entgegenwurstelt, gibt zu schnell auf. Zu realisieren, dass das nicht so sein muss, ist der erste Schritt auf dem Weg zur Problembehebung. "Harmonie ist eine Strategie", singt die Band Tocotronic - aber hoffentlich ist es nicht Ihre. Zumindest sollten Sie nicht dauerhaft gute Miene zum bösen Spiel machen. "Nicht ärgern - ändern" lautet die Devise. 2. Art des Problems erkennen "Idiotie ist ein weitverbreitetes Leiden", weiß John Hoover, Autor des Ratgebers "Chefs und andere Idioten". Und das Leiden hat viele Facetten. Machen Sie sich klar, was genau Sie an Ihrem Problemkollegen oder Chef stört. Ist es seine ewige Selbstvergötterung? Ärgern Sie sich über Bevormundung, über feingesponnene Intrigen, Inkompetenz oder gar gezieltes Mobbing? Oder haben Sie vielleicht Angst vor Konkurrenz? "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" - so leicht ist es im Job zwar meistens nicht, doch auch hier ist eine exakte Diagnose Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Machen Sie sich eine Liste mit den Verhaltensweisen und Personen, über die Sie sich im Büro ärgern. Sie hilft, das Problem systematisch anzugehen. 3. Cool bleiben Sie haben allen Grund auszurasten? Mag sein. Besonders nützlich wäre ein Wutausbruch allerdings nicht. Einen Psychopathen "Psychopath" zu nennen mag zwar befreiend sein, ändert aber nichts an seinem Wesen und bringt ihn zusätzlich gegen Sie auf. Schlecht, wenn es dann auch noch der Chef ist. Besser: Ruhe bewahren und souverän bleiben. "Wenn Sie Widerlingen Schritt für Schritt und Gespräch für Gespräch klarmachen, dass Sie immun gegen ihr Arschlochgift sind, steigen sie vielleicht auf Ihr Verhalten ein und behandeln Sie mit mehr Respekt - selbst wenn sie anderen diese Achtung nicht erweisen", sagt Robert Sutton, Stanford-Professor und Autor von "Der Arschlochfaktor". Putzt der fiese Chef Sie also im nächsten Meeting vor versammelter Mannschaft wieder einmal runter, tragen Sie ruhig Ihre Argumente vor. Der Wüterich kommt sich dann häufig selbst albern vor. 4. Verbündete suchen Sind Sie der Einzige, der unter dem ungeliebten Kollegen oder Chef leidet? Unwahrscheinlich. Finden Sie vorsichtig heraus, wem es ähnlich gehen könnte. Geteiltes Leid ist nicht nur halbes Leid, sondern ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Besserung der Situation. Gemeinsam lassen sich leichter Strategien entwickeln, und schon der Austausch hilft. Auch der Kontakt zu Ihren Vorgesetzten ist wichtig: Wenn die Sie als freundlichen, kompetenten und loyalen Mitarbeiter schätzen, werden sie Ihre Probleme mit anderen ernster nehmen, als wenn Sie als Streithansel gelten. Allerdings sollten Sie es auch nicht versäumen, zunächst den Verursacher Ihres Ärgers auf Ihr Problem anzusprechen. In manchen Fällen lässt sich so ein Konflikt unerwartet schnell beilegen. 5. Für Ablenkung sorgen Weglaufen bringt auf Dauer nichts. Aber kleine Erholungspausen stärken Sie für die Auseinandersetzung mit dem Problem. "Refugien der geistigen Gesundheit schaffen", nennt das Konfliktexperte Sutton. Das können kurze Telefonate mit Freunden sein, das gemeinsame Mittagessen mit dem Partner, der Lieblingssong auf dem MP3-Player oder ein Plausch mit einem netten Kollegen in der Kaffeeküche. Achten Sie bewusst darauf, dass Sie solche kleinen Quellen der guten Laune in Ihren Arbeitstag integrieren. Der Ärger kommt Ihnen dann oft nur noch halb so schlimm vor. 6. Sich unentbehrlich machen Den Ast, auf dem man sitzt, sägt man nicht ab. Und den Mitarbeiter, den man braucht, behandelt man gut. Sich unentbehrlich zu machen ist also gar keine schlechte Taktik, um mit schwierigen Kollegen und Chefs auszukommen. Bieten Sie Ihre Hilfe an, übernehmen Sie auch mal freiwillig eine eher unangenehme Aufgabe. Irgendjemand weiß so etwas immer zu schätzen: entweder die Kollegen, für die Sie sich einsetzen, oder der Vorgesetzte, der sieht, was Sie in Ihrer Abteilung bewirken. Henry Ford sagte einmal, dass er für die Fähigkeit, mit anderen Menschen auszukommen, mehr bezahle als für jede andere Kompetenz. Wenn Sie also mit Talent und Teamgeist punkten, wird selbst der grummeligste Chef das mindestens insgeheim zu schätzen wissen. 7. Sich nicht ausnutzen lassen Die Idee des Kollegen kommt Ihnen bekannt vor? Klar, es war ja ursprünglich auch Ihre. Beiläufig haben Sie in der Kantine einen Einfall geäußert, und der Ideendieb hat ihn als seinen verkauft - viele Konflikte beginnen mit solchen Ereignissen, denen dann ein großangelegter Konkurrenzkampf folgt. Oder teilt Ihnen Ihr Chef regelmäßig Arbeiten zu, die Sie in der vorgegebenen Zeit unmöglich erledigen können, weil Sie noch drei andere Aufträge auf dem Tisch haben? Wenig überraschend, aber effektiv: Reden hilft. Dem Chef zu sagen, dass die Qualität Ihrer Arbeit leiden könne, wenn Sie noch eine zusätzliche Aufgabe bearbeiten müssen, ist keine Schande. Und allemal besser, als am Ende mit hochrotem Kopf keine Ergebnisse präsentieren zu können, weil Sie sich zu viel haben aufbürden lassen. 8. Sympathisch sein Leicht gesagt, aber auch gar nicht so schwer: sympathisch sein. Viele unangenehme Verhaltensweisen Ihrer Kollegen resultieren aus Neid, Angst und Missgunst. "Der Trick liegt darin, Ihre Kompetenz so zu verpacken, dass sie Ihnen nützt und Ihr Chef sich nicht bedroht fühlt", rät John Hoover; dann wachse auch dessen Respekt vor Ihrer Begabung und Kompetenz. Und was für den Chef gilt, gilt auch für die Kollegen. Das heißt nicht, dass Sie Ihr Licht unter den Scheffel stellen sollen, aber statt "Tja, da hab' ich mal wieder ganze Arbeit geleistet, oder?" in die Runde zu werfen, könnten Sie zur Feier Ihres Erfolgs Sekt mitbringen. Auch ein paar anerkennende Worte, an andere gerichtet, wirken oft Wunder. "Dafür zu sorgen, dass sich die Leute wohl fühlen, ist das Geheimnis glücklicher und gesunder Beziehungen", schreibt Hoover. 9. Mobbing erkennen Zwischen einem schwierigen und einem mobbenden Kollegen gibt es einen wesentlichen Unterschied: die böse Absicht. Wer Sie mutwillig und systematisch ausgrenzt, sabotiert oder in Misskredit bringt, kann dafür viele Gründe haben. Mit einer schlichten Aussprache ist es meist nicht getan. Dennoch sollten Sie es zunächst auf diesem Wege versuchen, um Missverständnisse auszuschließen. Sie sind neu im Unternehmen, und eine Kollegin reagiert häufig barsch auf Ihre Fragen? Erkundigen Sie sich bei anderen Mitarbeitern, ob die Unfreundliche nicht auch sie gelegentlich anraunzt. 10. Positiv denken Wenn jemand partout ein Idiot bleiben will, können Sie das nicht ändern. Aber Sie können Ihre Art ändern, damit umzugehen. "Reframing" - Umdeutung - nennen Psychologen diese Methode, die die negativen Folgen psychischer Belastungen mindert. Mit einem Beispiel veranschaulicht das Experte John Hoover: "Wenn Sie Urlaub auf Hawaii machen, ist Ihnen ein erfrischendes Bad im Pazifischen Ozean sicher sehr recht. Was aber, wenn Ihr Segelboot fünf Meilen vom Ufer entfernt kentert? Dasselbe Wasser, die gleiche Temperatur, aber eine völlig andere psychische Reaktion." Denken Sie also trotz Schiffbruchs noch ans Planschen. Oder schauen Sie sich schon mal nach einem neuen Job um. Text: F.A.Z.Bildmaterial: fotolia |
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