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| Aus dem Modehaus auf den Golfplatz und zurück |
25. Oktober 2006
Den Kragen haben sie fast alle hochgestellt. Mal ist er rosa, mal hellblau. Auch Grün ist dabei. Sie geben sich modern, selbstbewußt und sportlich. Schließlich geht es heute um etwas. Peek & Cloppenburg (P&C) hat zum Golfen geladen, und ganz nebenbei läßt sich Karriere machen. "Der Kampf um die jungen Talente hat begonnen", sagt Frank Eitle - dunkler Typ, kurzer Haarschnitt, schnittige Jeans, blauer Pullover, Poloshirt. Der Geschäftsführer der Frankfurter Modefiliale sagt: "Damit sie zu uns kommen, müssen wir ihnen etwas bieten." Deshalb gibt es keine üblichen Bewerbungsgespräche in Anzug und Krawatte. Sondern einen Golf-Schnupperkurs für diejenigen, die noch nie einen Golfschläger in der Hand hatten, und ein Turnier für jene, die sich auf dem Golfplatz schon fast zu Hause fühlen. "Zielgruppenspezifisches Recruiting" heißt das. "Employer Branding", der Arbeitgeber als Marke.
Denn nicht nur die Produkte eines Unternehmens locken High Potentials an. Wer im Wettbewerb um die Besten gewinnen möchte, muß verstärkt auf das Image achten, um für Bewerber attraktiv zu sein. Peek & Cloppenburg setzt deshalb auf Golf. "Golf ist eine modische Sportart, hip und trendy", sagt Christiane Wald - blond, dunkler Hosenanzug, modisches Halstuch, Bluse statt Poloshirt. Sie ist für das Personalmarketing des Unternehmens zuständig. Hip und trendy ist das Image, das auch Peek & Cloppenburg für sich in Anspruch nimmt.
McKinsey bitte zum Segeltörn
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| Schon beim Recruiting-Event fürs Bürogolfen trainieren? |
Auch andere Unternehmen buhlen mit außergewöhnlichen Veranstaltungen um die klugen Köpfe: McKinsey bittet alljährlich zum Segeltörn, Roland Berger bietet in Workshops einen ersten Einblick ins Beraterleben und guckt sich gleichzeitig vielversprechende Nachwuchskräfte aus, und die Wirtschaftsprüfer von Deloitte laden zum Fallstudienseminar auf Mallorca ein. Der Zweck dieser Veranstaltungen ist stets der gleiche: In lockerer Atmosphäre nehmen die Unternehmen den potentiellen Mitarbeiter unter die Lupe. Wie tritt er auf? Wie gut beherrscht er den Small talk? Wie souverän kommt er mit den Vertretern des Unternehmens ins Gespräch? Und bei P&C: Wie gut ist er gekleidet?
Die rund 100 Teilnehmer des "Golfdays" in Frankfurt schlagen sich tapfer. Bereits in München, Düsseldorf und Wien kamen Bewerber auf dem Golfplatz zusammen. Ob Ton in Ton, mit passendem Halstuch oder elegantem Pullunder - modisch sind die Frankfurter Bewerber allesamt, und "letztlich scheinen das alles auch unsere Kunden zu sein", sagt Geschäftsführer Eitle. Damit aus den Kunden Mitarbeiter werden, läßt es Peek & Cloppenburg an nichts fehlen. Für jeden Teilnehmer gibt es ein kleines Golfpaket mit Ball und Tees (Achtung: langes "i"!), den kleinen Plastikstiften, die man zum Abschlag des Balls in den Rasen steckt. Ein Poloshirt aus eigener, limitierter Kollektion ist auch dabei. Mittags duftet ein reichhaltiges Buffet, für die besten Golfer gibt es neue Schläger und Taschen.
Wenn ich mit 26 einsteige und mit 30 Geschäftsführer bin
Tatsächlich entsteht auf dem Golfplatz eine lockere Atmosphäre. Eloquent und weltoffen geben sich die rund 100 Abiturienten und Studenten, kommen miteinander ins Gespräch, siezen sich dabei mitunter und trauen sich nach einiger Zeit auch an die P&Cler ran. Eine Gruppe junger Mädchen, die eben noch kicherte, lauscht inzwischen den Erzählungen einer Mitarbeiterin. Auch Frank Eitle ist mittlerweile im Gespräch. Ein junger Student - Jeans, Strickjacke, Poloshirt - sorgt sich um den Berufseinstieg: "Ich kenne viele, die mit 22 auf den Arbeitsmarkt kommen. Manchmal glaube ich, daß ich mit meinen 26 Jahren keine Chance mehr habe." Eitle winkt ab: "Wenn der Lebenslauf interessant ist, ist das Alter kein Ausschlußkriterium." "Aber", entgegnet der Wirtschaftsstudent, "wenn ich dann mit 26 ins Trainee-Programm einsteige und, sagen wir, mit 30 Geschäftsführer bin, bleibe ich das dann auch die nächsten 30 Jahre lang, oder?" Wenig Begeisterung ist seinem Gesicht zu entnehmen, doch auch darauf hat Eitle, 46 Jahre alt, eine Antwort: "Ich bin froh, daß ich meinen Job als Geschäftsführer schon seit einigen Jahren mache. Es ist ein toller Job mit viel Verantwortung." Verantwortung bekomme man bei P&C ohnehin nach wenigen Wochen.
Das verraten die Azubis, die sich ebenfalls unter die Bewerber gemischt haben. Nach dem Motto "Kunde wirbt Kunde" soll der Azubi von heute den Azubi von morgen gewinnen. So nehmen die Jugendlichen kaum wahr, daß sie, während sie im Schnupperkurs ein Loch nach dem nächsten in die Luft schlagen, beobachtet werden. Zwischen Patten, Pitchen und Abschlag raunt der eine P&Cler dem anderen gerne zu: "Der linke!" oder "Der mit der weißen Hose". Der Kollege nickt und versteht. Und beim jungen Mann mit der weißen Hose wird demnächst wohl das Telefon klingeln.
Easy, easy, immer den Körper mitschwingen
Auch der 23jährige Manuel Bermes - dunkle Haare, schwarze Hose, schwarze Weste - hofft, einen guten Eindruck zu machen. Der "Golfday" gefällt dem jungen Wirtschaftswissenschaftler: "Wir sind hier nicht nur auf dem Präsentierteller wie bei anderen Bewerbungen, sondern können in informeller Runde mit den Mitarbeitern sprechen."
Christiane Wald aus dem Personalmarketing des Unternehmens bringt es schließlich auf den Punkt: "Golfsportler besitzen Talente, die auch im Geschäft von Peek & Cloppenburg zählen. Ehrgeiz, Energie und Präzision sind auf den Greens wie im Fashion-Business entscheidende Dinge." Vor allem die Golfanfänger zeigen an diesem Tag, ob sie ehrgeizig sind und durchhalten, wenn Golftrainer Glen Hutcheson ruft: "Easy, easy, immer den Körper mitschwingen. Die Drehung ist wichtig. Ja, ab in die Entenposition, in die Knie, Po raus, Rücken gerade." Die 24jährige Jasmin Hahl - blonde Haare, Jeans, Poloshirt - zuckt mit den Schultern und holt zum nächsten Schlag aus. "Mal trifft man, mal trifft man nicht", sagt sie. Seit zwei Monaten ist sie mit ihrem Studium der Innenarchitektur fertig, zuvor hat sie die Modeschule besucht. Warum sie hier ist? "Der Modebereich interessiert mich, außerdem ist es spannend, was andere so machen in ihrem Leben und was es für Möglichkeiten bei Peek & Cloppenburg gibt." Über die gab es kurz zuvor einen Vortrag. Viele der Abiturienten und Studenten zeigen sich überrascht. Rund 110 Ausbildungsstellen zum Handelsfachwirt, 25 bis 30 Plätze für das General Management Programm und etwa 60 Plätze für den Kaufmann im Einzelhandel vergibt das Unternehmen jährlich. In Deutschland arbeiten zur Zeit rund 12 000 Mitarbeiter in 69 Häusern.
Super Handicap, super Typ
Wie es aussieht, ist der 19jährige Christian Voss - Blondschopf, groß gewachsen, weiße Hose, Poloshirt - bald einer von ihnen. Er hat nicht nur den Preis für den längsten Golfschlag des Tages abgesahnt, sondern wohl auch einen Ausbildungsvertrag. Im Zwiegespräch hockt er mit Geschäftsführer Eitle im Clubhaus am Golfplatz. Eitle macht sich Notizen auf einem kleinen Bierblock. Immer wieder nicken die beiden mit dem Kopf, geben sich schließlich die Hand. Personalerin Wald verrät: "Das ist ein super Typ, sehr offen und extrovertiert, den werden wir wohl noch einstellen." Mit einem Zwinkern fügt sie hinzu: "Außerdem hat er ein super Handicap."