Von Martina Lenzen-Schulte
01. Dezember 2008 Von den ersten Patientinnen, die sich zunächst vergeblich ein Kind wünschten, ist der Fall von Hanna dokumentiert, über den jedoch kaum berichtet wurde. Im 1. Buch Samuel ist von ihr zu lesen. Hanna bat den Priester Eli um Hilfe, und er versprach, ihr Kinderwunsch werde erfüllt. Im 20. Jahrhundert wurden statt der Priester die Mediziner für Kinderwünsche zuständig.
Nach mehreren Jahren und etlichen Fehlversuchen glückte es schließlich dem Physiologen Robert Edwards: Die Engländerin Louise Brown gilt als erstes Retortenbaby der Welt und wurde am 25. Juli 1978 in der englischen Stadt Manchester geboren. Das Datum gilt als Meilenstein der Reproduktionsmedizin und revolutionierte die Behandlung der Unfruchtbarkeit.
Selbst der Wunsch, das Geschlecht des Kindes im Voraus zu bestimmen
Seither reißen die Rekordmeldungen nicht ab, und die künstliche Zeugung in der Hand von Ärzten und Biowissenschaftlern blüht. Als älteste Mutter der Welt zum Beispiel gilt derzeit die Spanierin Carmen Bousada de Lara. Sie schenkte vor zwei Jahren mit 66 Jahren Zwillingen das Leben. Inzwischen ist sie krebskrank. Im amerikanischen Bundesstaat Iowa brachte Bobby McCaughy 1997 erstmals lebende und überlebende Siebenlinge zur Welt.
Selbst der Wunsch, das Geschlecht des Kindes im Voraus zu bestimmen, ist im Rahmen der Laborzeugung vergleichsweise zuverlässig möglich. In den Vereinigten Staaten und in vielen anderen Ländern der Welt können Eltern zwischen Junge und Mädchen wählen.
Isral mit den weltweit meisten Laborzeugungen
Weltweit wurden bisher fast vier Millionen Retortenkinder geboren. Sie gelten allenthalben als messbarer Erfolg der Branche und nähren wie kein anderes Experiment am Labortisch die Machbarkeitsphantasien von Ärzten. Allen voran geht das Land der Bibel: Die weltweit meisten Laborzeugungen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl – mehr als zweitausend Fruchtbarkeitsbehandlungen pro eine Million Einwohner – gibt es in Israel, bei den Nachkommen von Hanna und Eli.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP