Wien

Neue Ruhmeshalle unterm Wiener Riesenrad

Von Hans-Werner Rodrian

18. September 2002 Ein Museum für das Prater-Riesenrad. Beim "Riesenräderwerk" - so der Name des Museums, weil es von oben tatsächlich aussieht wie ein großes Getriebe - dreht sich im Inneren von acht am Boden stehenden Originalgondeln in elektrisch bewegten Szenen und Bildern alles um die Geschichte Wiens. Die durch Hörbilder und bewegliche Puppen lebendig gemachte Historie beginnt beim römischen Kaiser Marc Aurel und reicht über die Türkenbelagerung und den Bau des Stephansdoms bis zum Brand des Riesenrads in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Idee und Umsetzung stammen übrigens aus der Ideenwerkstatt des Wiener Künstlers André Heller, der unter anderem bereits mit den Kristallwelten in Tirol Furore machte.

Größte Lichtuhr Europas

Auch in der Nacht erstrahlt das monumentale rote Stahlrad, das übrigens zum 50. Thronjubiläum von Kaiser Franz im Jahr 1897 gebaut wurde, in neuem Glanz. Der Beleuchtungsarchitekt Patrick Woodroffe taucht das 64 Meter hohe Riesenrad in goldenes, silbernes und bernsteinfarbenes Licht und ließ sich zudem noch einen wirklichen Nutzwerteffekt einfallen: Immer zwei Minuten vor der vollen Stunde blinkt das Riesenrad so viele Male, wie spät es ist, und wird so zur größten Lichtuhr Europas.

Außer Lichterfest und Riesenradschau bietet das neue "Riesenräderwerk" - natürlich - auch einen Shop mit Devotionalien für Prater-Fans vom T-Shirt über die Riesenrad-Schneekugel bis zum Originalnachbau im Maßstab 1 zu 100. Wer schließlich nach multimedialer Historie und schwindelnd hoher Fahrt wieder heil zum Boden zurück gekehrt ist, der stolpert nahezu automatisch ins ebenfalls neue Kaffeehaus, das die Gäste mit flüssigen Wiener Traditionen wie Einspänner und Melange bekannt macht. Danach ist wahrscheinlich ein halber Tag vorbei. Und genau das war das Ziel des Neubaus zu Füßen der Wiener Traditionssehenswürdigkeit. Die Gäste sollten halt nicht nach drei Umdrehungen wieder gehen, sagt der Riesenradbetreiber in schöner Offenheit, sondern lieber noch ein paar Euro mehr in der Kasse lassen.

Der Fahrpreis selbst wurde nicht erhöht; aber weil der Besuch in der neuen Erlebniswelt nun automatisch mit dabei ist, zahlt ein Erwachsener nun 7,50 Euro. Bis vor kurzem war es noch kaum mehr als die Hälfte - in Schilling. Eine vierköpfige Familie kann immerhin zum neuen Gruppenpreis von 19 Euro in die Lüfte schweben. Und wem das alles noch zu preiswert ist, der mietet sich für 260 Euro die komplette Gondel Nummer 30 und darf sich dann eine ganze Stunde lang zwischen Mahagoni und Marmortischchen über Wien drehen.



Text: SRT
Bildmaterial: Peter Korrak/ Artevent

 
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