Von Jule Reiner
29. Mai 2002 Baden oder beten: Das wird leicht zur Touristenfrage auf Chalkidiki. Wie ein Handrücken mit drei Fingern ragt die makedonische Halbinsel in die Ägäis. Und wer eines der jungen, aber traditionell angelegten Hotelareale nahe dem alten Städtchen Ourano-polis kurz vor der Grenze zum heiligen Mönchsberg Athos wählt, der kann sich der blauen Umweltflaggen an den Stränden sicher sein.
Denn nach ihren tausend Jahre alten Gesetzen schirmen die Mönche nicht nur den Heiligen Berg, sondern auch das Meer ringsum vor allzu viel weltlichen Einflüssen der Besucher ab. So bestimmen sie auch mit, wie viele Gäste vor den Pforten der Klöster Ferien vom Stress der Welt machen.
Das Meer ist eine einzige, strahlend blaue Verlockung
Darüber hinaus werden nur etwa zehn ausländische Touristen täglich und nur Männer ins Innere der autonomen Mönchsrepublik zugelassen. Die Formalitäten sind kompliziert, die Warteliste lang. Ouranos, der Himmel, und Polis, die Stadt, gaben dem Ort den Namen, an dem man mehr Kirchenmänner als anderswo in Griechenland sieht, die von dringenden Geschäften aus der nahen makedonischen Hauptstadt Thessaloniki zurückkommen.
Am Fähranleger von Ouranopoulis warten sie auf ihr Schiff zurück in die Einsamkeit der Klöster. Und der Reisende, wenn er beim Morgenbummel durch den Hafen das Ausflugsboot in die Gewässer rings um den Heiligen Berg in elegantem Schwung ablegen sieht, wird sich jedes mal ermahnen: "Morgen ist beten dran". Heute gewinnt noch einmal das strahlende, blaue Meer.
Text: srt
Bildmaterial: VISUM / Manfred Scharnberg
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