Von Robert Fishman
24. August 2002 "Ça roule", sagen sie hier, "es läuft". Und es läuft gut für Lille, die Millionenstadt, in der es angeblich immer regnet. Nach Brüssel fährt der Schnellzug nur noch 40 Minuten, nach Paris eine Stunde und nach London - dank Eurotunnel - zwei. So profiliert sich Lille erfolgreich als Drehscheibe zwischen den westeuropäischen Metropolen.
Wer den in Beton gegossenen Albtraum des neuen Superschnellzug-Bahnhofs Lille-Europe mit dem sterilgrauen Einkaufszentrum Euralille hinter sich lässt, der entdeckt eine lebensfrohe, bunte Stadt, die nach Jahren des Niedergangs ihre Mitte wiedergefunden hat. Hinter den frisch renovierten, mit Putten, Löwenmäulern und anderen märchenhaften Figuren reich verzierten Fassaden flämischer Bürgerhäuser eröffnen täglich neue Kneipen, Restaurants und Boutiquen. In den aus nackten Ziegelsteinen gemauerten Kellergewölben der damals reichen Tuchhändler haben junge Designer schicke Klamottenläden eingerichtet. Auf der Grande Place unter der Säule mit der Göttin des Widerstands lassen sich Einheimische und Touristen am großen Brunnen die Sonne ins Gesicht scheinen.
Text: srt
Bildmaterial: SRT/ Robert Fishman