Internet-Zugang

Kabel Deutschland baut Breitband-Internet aus

Aus welchem Kabel kommt das Internet?

Aus welchem Kabel kommt das Internet?

23. Mai 2004 Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland baut sein Engagement im Breitband-Internet aus. Nach Berlin, Leipzig und Bayreuth können nun auch Kunden des Unternehmens in Teilen von München das schnelle Internet über das Fernsehkabel nutzen. Weitere Städte sollen folgen. Das Unternehmen hat im April die Übernahme der Kabelnetzbetreiber ish (Nordrhein-Westfalen), iesy (Hessen) und Kabel Baden-Württemberg bekannt gegeben. Sollten die Kartellbehörden der Übernahme zustimmen, versorgt Kabel Deutschland fast 17 Millionen Haushalte mit Fernsehen.

Der Netzbetreiber verspricht Übertragungsraten bis zu 4 Megabit je Sekunde, also ein Drittel schneller als der heute schnellste DSL-Anschluß der Deutschen Telekom. Die Gesamtpreise für das Internet über das Fernsehkabel setzen sich aus einem monatlichen Internet-Grundpreis, der je nach Übertragungsgeschwindigkeit zwischen 13 und 30 Euro schwankt, und einem Tarifpreis zusammen, der abhängig vom Datenvolumen 7 bis 80 Euro kosten kann. Beispielsweise beträgt der Gesamtpreis für Einsteiger 20 Euro im Monat und liegt damit etwa auf gleicher Höhe wie die Kombination aus einem DSL-Anschluß der Telekom und einem günstigen DSL-Zugangsdienst.

Der Vorteil des Kabel-Internet liegt in einer dauerhaften Verbindung. Außerdem können Kabel-Surfer auf ihren Festnetz-Telefonanschluß verzichten und ganz auf den Mobilfunk umsteigen. Trotz dieser Vorteile spielt das Kabel-Internet in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - bisher nur eine Nischenrolle. Neben Kabel Deutschland betreibt Bosch internetfähige Breitbandnetze in Berlin, Freiberg, Hagen, Halle an der Saale, Wismar, Wolfsburg und Zwickau. In Ostdeutschland sind zudem weitere kleine Kabelnetzbetreiber tätig. Diese Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf Städte, in denen der schnelle DSL-Internetanschluß über die Telefonleitung nicht verfügbar ist. Seit die Deutsche Telekom den regionalen DSL-Ausbau gedrosselt hat, warten viele Haushalte in Ostdeutschland oder in ländlichen Regionen vergeblich auf das schnelle Internet. Das Kabel könnte sich zu einer Alternative zu DSL entwickeln. Die Kabelnetzbetreiber nutzen das schnelle Internet als Instrument der Kundenbindung, um die Abwanderung zum digitalen terrestrischen Fernsehen (DVB-T) zu verhindern.

Text: ht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2004, Nr. 119 / Seite 19
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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